Filz (frz. feutre, engl. felt), ein aus wirr durcheinander liegenden tierischen Haaren, vorzüglich Schafwoll⸗, Hasen-und Kaninchenhaaren, bestehendes Zeug, bei welchem ohne Weben, durch die Arbeit des Filzens (s. d.), ein fester Zusammenhang der einzelnen Fasern erreicht ist und das, außer zu Hüten (s. Filz⸗ und Filzhutfabrikation), hauptsächlich zur Bekleidung der Dampfeylinder, bei verschiedenen musikalischen Instrumenten zur Dämpfung des Tons, sowie zu Schuhen und den sog. Bierfilzen verwendet wird. In der Papierfabrikation bezeichnet man mit F. ein grobes, lose gewebtes, schwach gewalktes Wollzeug, welches als Zwischenlage der Papierblätter beim Abnehmen derselben von der Form benutzt wird. Zuzen gie s. unter Filztuch. ilzen (frz. feutrage, engl. felting), derjenige Arbeitsprozeß, durch welchen die Fasern der Gewebe, namentlich der Wollzeuge, infolge knetender Wirkung, mit Hilfe feuchter Wärme, derart zu einer zusammenhängenden Masse vereinigt werden, daß einzelne Haare nicht herausgezogen werden können, ohne abzureißen. (S. Filz- und Filzhutfabrikation und Tuchfabrikation.) Filz⸗ und Filzhutfabrikation. Die Herstellung des Filzes basiert auf der natürlichen Eigenschaft der animalischen Haare, sich miteinander bei mechan. Bearbeitung, Druck, Reibung, Klopfen oder Bürsten, zu einer zähen, elastischen, schmiegsamen und äußerst dauerhaften Masse zu vereinigen (verfilzen). Das tierische Haar zeigt nämlich unter dem Mikroskop entweder eine mit feinen, borstenartigen Spitzen schräg besetzte Oberfläche, wie dies beispielsweise bei den Haaren des Bibers der Fall ist, oder die Oberfläche ist mit sehr kleinen Schuppen besetzt, welche die Bewegung in der einen Richtung gestatten, in der andern aber verhindern, oder doch erschweren. Durch das Bearbeiten der Haare miteinander bewegt sich jedes Haar vermöge seiner Widerhaken mit dem Wurzelende voran zwischen den übrigen Haaren hindurch. Der durch ein unbedeutendes Drücken wird der Verfilzungsprozeß eingeleitet, und indem bei der weitern Verarbeitung die vorstehenden Wurzelenden durch das Zurückdrücken wieder in die Mitte der Filzmasse hineinelenkt werden, wird der Filz immer dichter. Der organg des Verfilzens wird durch Anfeuchten und Erwärmen der Haarmasse begünstigt; beschleunigt wird derselbe durch Anwendung von verdünnter Schwefelsäure und Seifenwasser. Alle derartigen Zwed, das vorhmdenen haben namentlich den weck, das vorhandene natürliche Fett und die Unreinigkeiten von der Oberfläche der Haare zu entfernen, damit die Spitzen, resp. Schuppen bloßgelegt und so das Anhaken oder Anhaften der Haare erleichtert wird; manche Arten von Haaren werden noch besonders auf dem Fell mit einer Lösung von Quecksilber in Salpetersäure mit Zusatz von Quecksilbersublimat und weißem Arsenik gebeizt. Der fertige Filzartikel wird, damit er nicht durch wisdor perti⸗ Filzung die einmal erhaltene Form wieder verliert und zugleich damit er eine größere Steifheit erlangt, mit einer Füllmasse imprägniert; früher benutzte man als solche Leim, jetzt nur noch in Spiritus aufgelösten Schellack. Die Imprägnierung erfolgt in der Weise, daß man das fertig geformte Stück zuerst in die Schellacklösung und dann in reines Wasser taucht; durch Verdunstung des Alkohols in dem Filze selbst scheidet sich alsdann der Schellack in Gestalt eines feinen, an den Haaren haftenden Pulvers aus. Obwohl alle tierischen Haare sich verfilzen lassen, besitzen doch nicht alle die Verfilzungsfähigkeit in gleichem Maße; je feiner und elastischer das Haar ist, desto dichtern und festern Filz kann man aus demselben erhalten. Für die Hutfabrikation, in welcher der Filz die hauptsächlichste Verwendung findet, kommen nur feinere Sorten in Betracht. Man unterscheidet zwei Hauptarten: gerade Haare mit rundem Querschnitt (Pelzhaare) und gekräuselte Haare mit flachem Querschnitt (Wolle). Dementsprechend unterscheidet man bei den Filzhüten Haarhüte und Wollhüte, deren Fabrikationsmethoden sich praktisch wesentlich voneinander unterscheiden, obgleich sie im allgemeinen einander ähnlich sind. Das gewöhnliche Material für die Wter. der kation bilden die Haare des Bibers, der Otter, der Hasen, Kaninchen, Seehunde, sowie die verschiedenen Wollen. Tiere aus kalten Zonen, besonders solche, welche im Winter erlegt sind, geben im allgemeinen bessere Pelzhaare als solche aus wärmern Gegenden; außerdem liefern die einzelnen Teile der Pelze verschiedenwertige Haare, am meisten sind die Pelzhaare vom Rücken geschätzt. Die Handarbeit ert in 1 war früher ausschließlich Handarbeit; erst in neuerer Zeit werden die Aatnnisch Operationen durch eine Reihe von Spezialmaschinen ausgeführt. Bei der Fabrikation durch Handarbeit wird die Wolle fast ebenso wie das Haar bearbeitet. Das Material (Wolle, Haar oder ein Gemisch von beiden) wird zunächst aufgelockert und von Staub und den gröbsten Borstenhaaren befreit, wobei zugleich die Haare unregelmäßig durcheinander geworfen (gefacht) werden. Nach der in dieser Weise erfolgten Zurichtung bildet der Arbeiter aus dem für einen Hut bestimmten Material zwei lose dreieckige Lagen mit gebauchten Seiten, welche durch vorsichtiges Drücken mit der Hand so weit zusammengefilzt werden, daß sie sich, ohne I zerreißen, aufheben lassen. Nach weiterer Verfilzung werden zwei Seiten mit der Hand zu einem sog. Stumpen verbunden, der seiner Gestalt nach eine große kegelförmige Mütze bildet. Die Stumpen werden nun mit der Hand gewalkt, wobei sie häufig in die Walkbeize getaucht werden, bis sie auf etwa ein Drittel ihrer ursprünglichen Größe zusammengeschrumpft sind. Zur Beseitigung der vorstehenden Stachelhaare wird der Stumpen zuerst mit einer steifen Bürste und heißer Lauge, dam mit Bimsstein bearbeitet; schließlich wird derselb. noch mit einem stumpfen Messer, das sich in die vorstehenden Haare einhakt und dieselben heraus reißt, rasiert. Der fertig gefilzte Stumpen wird um in die Hutform gebracht zu werden, über einer Block gezogen und seine Spitze durch Strecken Drücken und Bürsten verbreitert; hierauf wird der Rand über dem Block abgebunden und auf ähnliche Weise gestreckt. Der gewalkte und geformte Hut wird gefärbt, geglänzt, mit Schellack oder Leim gesteift und zugerichtet, wodurch er seine vollendete Form erhält. Schließlich wird der Rand abgeschnitten, eingefaßt und der Hut innen gefüttert. Bei der Filzhutfabrikation mittels Maschinen müssen Pelzhaare und Wolle gesondert verarbeitet werden, da den verschiedenen Eigenschaften des Materials entsprechend verschiedene Arbeitsmaschinen zur Wirkung gelangen. Sollen Haarhüte hergestellt werden, so besteht das Rohmaterial in Deutschland meist aus Hasen- und Kaninchen-⸗CLapin⸗)Fellen, welche getrocknet in den Handel kommen. Die Felle werden mit einer Mischung von Salpetersäure und Quecksilber gebeizt. Hierauf folgt das Reinigen der Vliese mittels der Fellbürstmaschine, in welcher sie der Wirkung einer schnell rotierenden Bürstenwalze ausgesetzt werden. Die nächstfolgende Arbeit ist das Abschneiden oder Abscheren der Haare, welches gleichfalls durch eine maschinelle Vorrichtung bewirkt wird. Indes läßt es sich hierbei nicht vermeiden, daß viele grobe Haare und andere Verunreinigungen zwischen den guten Haaren bleiben. Um dieselben zu entfernen, sowie auch um die einzelnen Haare regelmäßig untereinander zu werfen, kommen die abgeschnittenen Pelzhaare zunächst in eine geeignete Maschine. Diese Maschine (Haarblase- und Mischmaschine genannt) besteht, wie aus der vorstehenden Fig. 1 zu ersehen, aus einer Anzahl Kamnern, vor deren Eingängen je eine sehr schnell ronétierende Bürstenwalze liegt, von welcher die zusegeführten Haare ausgekämmt und zugleich sortiert werden. Die groben Haare u. s. w. fallen auf ein „unter die Bürstenwalze gestelltes schräges Schüttel5„sieb, auf welchem eine weitere Ausscheidung des nAbgangs stattfindet, während die feinern Haare durch den entstandenen Luftstrom in den obern Teil r‚der Kammer geblasen werden, um nach und nach eauf einem endlosen Transportband an die Bürstenwalze der nächsten Kammer geführt zu werden. In den einzelnen Kammern werden die Haare geö reinigt und gemischt und kommen aus der letzten Kammer regelmäßig durcheinander geworfen in Form eines losen kontinuierlichen Bandes heraus. Zum Vermengen der einzelnen Haarsorten miteinander dienen noch verschiedene Mischmaschinen, welche jedoch keine Unreinigkeiten mehr auszuscheiden haben. Die erhaltene lockere und wollartige Haarmasse kommt alsdann in Partien abgewogen, welche zur Herstellung je eines Hutes genügen, in den Stumpenformer (s. Fig. 2). Derselbe ist gleichfalls eine Blas-und Schleudermaschine und es werden hier die Haare ebenso wie in der vorbeschriebenen Blas- und Mischmaschine auf einem endlosen Transportband einer rotierenden Bürstenwalze zugeführt, die sie durch einen Kasten mit vertikalem Auslaßspalt auf die Hutstumpenform wirft. Die Form besteht aus einer großen, siebartig durchlöcherten Glocke, welche auch aus Drahtgewebe hergestellt sein kann und an deren Außenfläche die anfliegenden Haare durch Absaugen der Luft aus der Form angezogen werden. Die Form dreht sich um ihre vertikale Achse auf einem Untersatz, der die Luftabsaugevorrichtung enthält. Damit die Haarschicht auf der Form sich gleichmäßig bildet, reguliert ein Arbeiter die Zuführung an dem vertikalen Auslaßspalt mittels eines Schiebers. Nachdem das für einen Hut bestimmte Material auf die Form geblasen ist, wird die gebildete lockere Filzzenmaschinen und Walk-oder Filzmühlen. ei den Walzenmaschinen wird die Verfilzung durch Rollen der in ein Tuch eingeschlagenen Hutstumpen zwischen vielseitigen Walzen bewirkt. In zahlreichen Fabriken wird der Verfilzungsprozeß derart durchgeführt, daß der Druck der Walzen mit der zunehmenden Dichtigkeit des Filzes vermehrt und der Hutstumpen nach und nach eingefilzt wird. In den Walk⸗ oder ilzmühlen besteht der Wirthame Teil aus einem Fallhammer, welcher an einem Brett und zwischen zwei Klemmwalzen nach jedem Fall wieder gehoben wird. Das Walkbett ist unten durchlöchert, um Dampf einlassen zu können, und verstellbar, um nach und nach die Stumpen stärker gegen den Pendelhammer drücken zu können. Nach dem Walken werden die Stumpen in den Faltenglätter gebracht und etwas ausgezogen. Diese Maschine besteht aus zwei Paar Walzen, von denen die obern etwas schneller als die untern laufen, sodaß eine gelinde Streckung der Stumpen erfolgt. Bei allen diesen Verfilzungsarbeiten werden die Stumpen mit heißem Wasser feucht gehalten. Da das gute Aussehen eines Filzhuts wesentlich von der gleichmäßigen Struktur seiner Oberfläche abhängt, müssen alle vorstehenden gröbern und steifern Haare entfernt werden, und zwar geschieht dies auf mechan. Wege mittels einer Schermaschine, wie Fig. 3 eine solche zeigt. Der Hutstumpen wird auf eine Kegelform aufgeschoben und langsam unter einem geraden Schermesser durchgeführt, welches schnell vibrierende und schlagende Bewegungen macht. Um die gescherte Filzfläche noch mehr zu schlichten, zu ebnen und zu glätten, kommen Schleifmaschinen zur Anwendung, die mit Sand⸗ und Schmirgelpapier arbeiten. In vielen Fällen wird der Hutstumpen, nachdem die groben Haare auf die beschriebene Weise entfernt sind, nochmals etwas eingewalkt, um den Filz möglichst dicht zu machen. Die weitere Bearbeitung des Hutstumpens besteht in dem Steifen, Blocken und Färben, zu welchem Zweck die Auszieh⸗ und Blockmaschinen und dann die Abreibmaschinen zur Anwendung kommen. Das Einsetzen des Futters erfolgt auf gewöhnlichen Nähmaschinen, während das Annähen des Besatzbandes auf Nähmaschinen geschieht, deren Stoffdrücker eigentümlich geformt und der geschwungenen Form des Hutes angepaßt sind. In Deutschland werden Maschinen zur Hutfabrikation von Klein u. Comp. in Liegnitz, in Amerika hauptsächlich von Osterfeld u. Eickemeyer in Nonkers (im Staate Neuyork) gebaut.