FeedFischschuppenkrankheit (Ichthyosis)
HeilkundeBrockhaus 1882

Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis), eine angeborene, aber nicht in frühester Kindheit sich entwickelnde und meist das ganze Leben hindurch be-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. stehende Hautkrankheit, bei welcher die Haut infolge einer Massenzunahme (Hypertrophie) der äußern Lage (Papillarschicht oder Papillarkörper) der Lederhaut rauh und trocken und mit dünnen Schüppchen und Blättchen oder dickern Hornplatten oder selbst hornigen Warzen besetzt erscheint. Man unterscheidet mehrere Formen der Ichthyosis, die Ichthyosis simplex, bei welcher die chagrinartig rauhe Haut durch sich kreuzende Linien in linsen⸗ bis pfenniggroße Schuppen oder Schilder zerteilt ist, und so dem Gesicht und Gefühl annähernd die Beschaffenheit einer Fischhaut darbietet, ferner die Ichthyosis serpentina, bei welcher die Haut graugrün, schmutzig, wie seit lange ungebadet, und mit dickern trockenen Schuppen (nach Art einer Schlangenhaut) erscheint, und die Iehthyosis cornea, bei welcher die Oberhaut in hornartige, mehrere Linien dicke Borken oder Schwielen entartet ist. Der höchste Grad des übels wird als Ichthyosis hystrix oder Hystricismus bezeichnet, wobei die Haut oft des ganzen Körpers mit dicken, nagelkopfähnlichen Schwielen und langen hornigen Warzen in großer Menge und dichter Anordnung besetzt ist (sog. Stachelschweinmenschen). Die Ichthyosis ist oft auf einen nur kleinen Teil der Haut (Flachhand und Fußsohle) beschränkt, bisweilen aber auch über den ganzen Körper, mit Ausnahme des Gesichts, verbreitet. Die Ursachen der Krankheit, welche im allgemeinen zu den seltenern gehört und meist das ganze Leben hindurch bestehen bleibt, sind völlig unbekannt, nur so viel steht fest, daß sie fast immer angeboren ist und auf erblicher Übertragung beruht, doch kommen die Erscheinungen der Ichthyosis ers. im Verlaufe des zweiten Lebensjahres zur Entwickelung, niemals findet man dieselben In am Neugeborenen. Entweder bekommen alle Kinder eines ichthyotischen Elternpaares die Krankheit oder nur die männlichen, oder nur die weiblichen Glieder; manchmal überspringt auch die weibliche Anlage eine Generation, um in der nächsten oder einer Seitenlinie wieder aufzutauchen. Eine gewisse Berühmtheit erlangte im 18. Jahrhundert eine in Irland heimische Familie Lambert, bestehend aus Vater und zwei Söhnen, welche, mit hochgradigem Hystricismus behaftet, eine Rundreise durch England, Deutschland und Frankreich machten, sich als Krusten⸗» oder Stachelschweinmenschene (porcupine-men) öffentlich für Geld sehen ließen und von dem leipziger Arzt Tilesius in einer besondern Schrift (Ausführliche Beschreibung und Abbildung der beiden sog. Stachelschweinmenschend, Altenb. 1802) eingehend beschrieben wurden. Die Krankheit ist zwar an sich unheilbar, doch kann durch den häufigen Gebrauch warmer Bäder, durch zeitweilige Schmierseifenumschläge, durch Einreibungen von Leberthran und andern Fetten oder zeitweilige Umhüllung der Glieder mit Kautschuk recht wohl eine Erweichung und Entfernung der verhärteten und massenhaft angesammelten Epidermiszellen und damit eine Besserung des krankhaften Zustandes erreicht werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 849Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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