Fleischer (Joh. Gottlieb), Botaniker, geb. 15. Okf. 1797 zu Mitau, studierte seit 1817 in Dorpat Medizin und Naturwissenschaft. Im J. 1822 kehrte er nach Mitau zurück und erwarb sich in der Botanik bald einen achtbaren Namen durch sein *Systematisches Verzeichnis der in den Ostseeprovinzen bis jetzt bekannt gewordenen Phanerogamen mit Angabe der gebräuchlichsten deutschen, lettischen und estnischen Benennungen» (Mitau 1830). Dieses brauchbare Werk gab, nach F.s zu Mitau 22. April (4. Mai) 1838 erfolgten Tode, Em. Lindemann unter dem Titel 4Flora der deutschen Ostseeprovinzen Est⸗, Liv⸗ und Kurlandv (Mitau u. Lpz. 1839) und von neuem Alexander von Bunge (Mitau u. Lpz. 1853) heraus. Fieischertratt li s. unter Lyehnis. leischextrakt (Extractum Carnis) nennt man zur Extraktkonsistenz eingedampfte Fleischbrühe, welche durch kalte Extraktion von zerkleinertem Fleisch erhalten und durch Aufkochen von löslichem Eiweiß und Farbstoff befreit ist. Auf Veranlassung Liebigs wird das F. seit 1865 von der Liebig's Extract of Meat Company in Fray-Bentos in Uruguay dargestellt. Die von dem hamburger Kaufmann Gilbert daselbst gegründete Fabrik ist seit 1867 in den Besitz einer engl.⸗belg. Aktiengesellschaft übergegangen und verarbeitet gegenwärtig das Fleisch von 150 — 200000 Stück Rindern, von denen ein jedes durchschnittlich 5 kg Extrakt liefert. Aus 34 Pfd. knochen⸗ und fettfreiem Ochsenfleisch erhält man 1 Pfd. dieses Extrakts. Es enthält demnach in 1 Pfd. alle in Wasser löslichen Bestandteile von 34 Pfd. reinem Muskelfleisch oder von 45 Pfd. Fleisch von der Fleischbank. Diese löslichen Bestandteile sind: Kreatin, Kreatinin, Inosit, Carnin; ferner extraktive Stoffe, inosin⸗ und milchsaure Salze, Chlorkalium und phosphorsaure Salze. Außer der genannten Fabrik in Fray-Bentos finden sich noch Fleischexträktfabriken in Montevideo (Buschenthal u. Comp.) und in dem Orte Gualeguaychu (Entre-Rios in Buenos-Ayres; Besitzer ist das Bankhaus Benitesey Higo). Auch australisches F. von Robert Tooth in Sydney (aus reinem Rindfleisch und nicht aus Rind-und Schaffleisch gemengt, wie wohl einige Sorten des amerikanischen F.) kommt gegenwärtig in großer Menge nach Europa. Die Hauptmerkmale der Reinheit des F. liegen in der Löslichkeit in 80proz. Alkohol, dem Wasserehalt und der Abwesenheit von Eiweiß, Leim und Fett. Mindestens 60 Proz. des Extrakts sollen sich in Alkohol lösen; der Wassergehalt beträgt gegen 16 Proz., der Stickstoffgehalt gegen 8,5—9,5 Proz., der Aschengehalt 18— 22 Proz. Die Asche besteht wesentlich aus phosphorsaurem Kali und phosphorsaurer Magnesia und Chloralkalimetallen, unter welchen das Chlorkalium vorherrscht. Das regelrecht bereitete F. enthält weder Eiweiß, noch Leim, noch Fett, es gehört daher zu den Genußmitteln, aber nicht zu den Nahrungsmitteln; es gilt hier dasselbe, was über den Nahrungswert der Fleischbrühe (s. d.) gesagt ist. Zur Schmackhaftmachung der Lösung des F. ist ein Zusatz von Kochsalz erforderlich. Mit einer Abkochung von Suppenkräutern und Knochenstücken liefert das F. eine vortreffliche Suppe. Die Deutsche Pharmakopöe enthielt in ihrer ersten Auflage das Extractum Carnis unter den offizinellen Mitteln, in der zweiten Auflage ist es gestrichen worden.