Baemeister (Georg Heinr. Jul. Karl Friedr. Justus), hannov. Staatsmann, geb. zu Lüneburg 1805, erhielt seine Vorbildung auf dem Lyceum in Hannover und studierte seit 1824 in Heidelberg, später in Göttingen die Rechte. Seit 1828 im hannov. dur und ur eichnete er sich durch gewandte Dialektik und hutist Scharfsinn aus, verstand es, den herrschenden Ansichten sich zu accommodieren, und machte schnell Carriere. Im J. 1851 Oberstaatsanwalt, dann im Ministerium Schele Kultus⸗, später Finanzminister, nahm B. 1853 seine Dimission und trat erst 1856 wieder in den Staatsdienst, wurde nach verschiedenen Stellungen 1862 Landdrost von Ostfriesland und 21. Okt. 1865 der letzte hannov. Staatsminister des Innern. Seit 1866 lebt B. zurückgezogen in Göttingen. Baco oder Bacon (Roger), ein engl. Mönch, der durch mehrere Entdeckungen zur Erweiterung der dürftigen Realkenntnisse seiner Zeit viel beitrug und in seiner realistischen Richtung auf wirkliches Wissen der Natur Haß len der Scholastik so gut wie einzig dasteht, sodaß seine Lehre mit Recht unter die vorbereitenden Elemente ihrer Zersetzung gerechnet worden ist, stammte aus einer alten, angesehenen Familie und wurde 1214 zu Ilchester in der Grafschaft Somerset geboren. Er studierte in Orford, dann in Paris, wo er die theol. Doktorwürde erhielt. Wenn nicht schon in Bewat, 12 so doch bald nach seiner Rückkehr in die Heimat, 1240, trat er in den Franziskanerorden und ließ sich zu Orford nieder. Die Physik scheint damals der Hauptgegenstand seiner Arbeiten gewesen zu sein. Aber die Entdeckungen und Erfindungen, welche er dabei machte, galten den unwissenden Zeitgenossen als Werke höllischer Zauberkunst. Zudem tadelte er laut das Sittenverderbnis der Geistlichen, besonders der Mönche, und schrieb einen Brief an den Papst, worin er ihm die Notwendigkeit einer Reform ber Geistlichkeit darstellte. Dies führte zunächst zu einem Verbote seiner Lehrthätigkeit an der Universität und zu einer Anklage. Zur Verteidigung schrieb er infolge einer Aufforderung Clemens' IV. sein Opus majuso (herausg. von Jebb, Lond. 1733), das er ihm durch seinen Lieblingsschüler, Johann von Paris „1267 überschickte, und in welchem er die Notwendigkeit einer Reform der Wissenschaften auf Grundlage des Studiums der Sprachen und der Natur darstellte. Nach Clemens' IV. Tode, unter Nikolaus III., erklärte sich der General des em , penboras Hieronymus von Esculo, gegen B., verbot das Lesen seiner Schriften und erließ einen Befehl, ihn einzukerkern, den der —7— auch bestätigte. Diese 125. ats schaft währte w10 Jahre; umsonst versuchte B., als IasIW. Ae von Esculo unter dem Namen Nikoaus IV. Papst geworden war, denselben durch eine Abhandlung über die Mittel, die Krankheiten des Alters zu verhüten» (lat. Orf. 1590; engl. von Brown 1683), von der Unschuld und Nützlichkeit seiner Arbeiten zu überzeugen. Erst nach dem Tode Nikolaus' IV. erlangte er auf Verwendung einiger vornehmer Engländer seine Freiheit wieder, kehrte dann nach Oxford zurück, schrieb einen Abriß der Theologie und starb bald darauf 11. Juni 1294 (nach andern schon 1292). Obgleich ein außerordentlicher Geist und von der Notwendigkeit einer mathem. Grundlage der Naturforschung überzeugt, blieb B. 2. in vielen Vorurteilen seiner Zeit stecken; so z. B. glaubte er an den Stein der Weisen, an die Astrologie und Al—⸗ chimie. Seine Haupterfindung sind die Vergrößerungsgläser. Außerdem finden sich in seinen Schriften neue und sinnreiche Leehung, von der Optik, z. B. über die Strahlenbrechung, über die scheinbare Größe der Gegenstände, der Sonne und des Mondes. Das Verständnis seiner chem. Arbeiten wird durch den Gebrauch rätselhafter Bezeichnungen sehr erschwert. Er zeigte, daß die bis zu seiner Zeit als identisch geltenden Alaune und Vitriole verschiedene Körper seien; er verstand es, Schwefelarsen durch Erhitzen mit Eisen zu +H½½0 auch erkannte er das Verlöschen brennender Körper in verschlossenen Gefäßen; ferner wußte er schon, daß man mit Schwefel, Salpeter und Kohle den Blitz nachmachen und Explosionen erzeugen könne. Er studierte mehrere Sprachen und schrieb lateinisch mit großer Eleganz und Klarheit. Erwähnung verdienen seine Entdeckungen der im Kalender obwaltenden Irrtümer und seine Vorschläge, denselben abzuhelfen, wobei er der Wahrheit sehr nahe kam; auch verfertigte er selbst einen 1 auf der Kalender, von dem noe eine Abschrift auf der oxforder Bibliothek aufbewahrt wird. Wegen seiner ausgebreiteten Kenntnisse erhielt er den Beinamen Doctor mirabilis. Sein Abriß der Theologie ist noch ungedruckt. Mehrere seiner Schriften sind 5109 in Deutschland herausgegeben worden, wie die «Alchemies (Nürnb. 1541), Epistola Vde secretis artis et naturae operibus atque nullitate magiaes (Par. 1542), die ⸗Mathematik und Perspektives durch Joh. Combach (Frankf. 1614). Sein 4Opus minuso und „Opus tertiumo nebst andern seiner Schriften sind herausgegeben durch Brewer (Lond. 1859). 910 Siebert, Roger B., sein Leben und seine Philosophies (Marb. 1861); Charles, Roger B., sa vie, ses Ouvrages, ses doctrines (Brüss. 1861); Schneider, »Roger Bacon Ord. min.v (Augsb. 1873). Bacon (Francis), Baron von Verulam, Viscount Saint-Alban, Begründer der neuern Erfahrungsphilosophie, wurde 22. Jan. 1561 zu London geboren. Sein Vater, Nicholas B., war Großsiegelbewahrer unter Elisabeth, seine Mutter, Anna Cooke, eine fromme und gelehrte Frau, deren ältere Schwester an William Cecil, Lord Burleigh, den ersten Staatsmann Englands unter Elisabeth, verheiratet war. Im Frühjahr 1573 kam B. mit seinem ältern Bruder Anthony nach Cambridge und verließ das Kollegium Ende 1575 mit gründlichem Widerwillen gegen die scholastische Philosophie und der schon gefaßten Überzeugung, daß die Wissenschaft einer gänzlichen Erneuerung bedürfe. * Begleitung des engl. Gesandten Sir Amias Paulet rankreich, lernte die Zustände des Landes, Paris, lois, Tours, Poitiers kennen und kehrte nach dem lötzlichen, am 20. Febr. 1579 erfolgten Tode des aters nach England r— (März 1579). Da er von der väterlichen Erbschaft nicht leben konnte, ergriff er die jurist. Laufbahn, machte seine Studien in Grays Inn (1580 —86), wurde Advokat und später unbesoldeter Rat der Königin. Einen andern Dienst u B. unter Elisabeth nicht gehabt. Sein Oheim Burleigh war ihm nicht abgeneigt, auch keineswegs eifersüchtig auf seine Talente, aber er hielt diese fur unpraktisch und that deshalb nichts zu seiner Beförderung, obgleich es B. an Bitten nicht fehlen ließ. Ahnlich dachte die Königin. Durch seine parlamentarische Thätigkeit erwarb er sich bald einen polit. Ruf; er war ein thätiges Mitglied der Parlamente von 1584, 1586, 1588 und zeigte sich in den großen Zeitfragen, die den Prozeß der Maria Stuart und den Krieg gegen Spanien betrafen, als ein Mann von durchaus nationaler Gesinnung. Im Parlament von 1593 vertrat er Middlesex und erregte durch seine Opposition in der Subsidienfrage den Unwillen der Königin. Seine Bewerbungen um höhere Staatsämter blieben erfolglos und mit einen ökonomischen Verhältnissen war es übel betellt. Auch die warme Fürsprache des Grafen Esser, es erklärten Günstlings der Königin, vermochte nichts zu seinen Gunsten. Nach dem durch eigene Schuld mißlungenen Feldzuge in Irland (1599) fiel Esser bei der Königin in Ungnade, die er vermieden hätte, wenn er B.s Ratschlägen gefolgt wäre. Statt dessen machte er ein sinn⸗ und planloses Komplott das 8. Febr. 1601 in einer Straßenemeute ausbra und mit der Gefangennehmung des Grafen endete. Er wurde auf Hochverrat angeklagt, verurteilt und 25. Febr. 1601 In dem Prozeß hat B. gegen Esser plaidiert, auf den Wunsch der Königin die Harchrre öffentlich verteidigt und nach dem Tode Elisabeths dieses sein Verfahren in einer „Apologies zu rechtfertigen gesucht. Unter König Jakob I. stieg er schnell empor. Er wurde 24. Juli 1603, dem Tage nach der Krönung, zum Ritter geschlagen, 1604 besoldeter Rat, 25. Juni 1607 Solicitor-General, 27. Okt. 1613 Generalfiskal, 9. Juni 1616 Mitglied des Geheimen Rats, 7. März 1617 Siegelbewahrer, 4. Jan. 1618 Großkanzler, in demselben Jahre Baron von Verulam und im Febr. 1621 Viscount Saint-Alban. Den letzten und höchsten Teil seiner Laufbahn (1616 — 21) verdankt er dem Einflusse, den Buckingham, der Günstling des Königs, für ihn geltend machte. Auf die Höhe, die er eben erreicht, folgte der jähe 2—8 —1 Die Parlamente unter Jakob I. bildeten das Vorspiel zu der offenen Empörung, die unter dem Nachfolger ausbrach; das erste (1604—7) hatte nichts ausgerichtet, die beiden folgenden (1610 und 1614) waren aufgelöst und der Streit zwischen Krone und Volksrechten ohne 6id baseu geführt worden. Der König forderte Geld, das Unterhaus Abstellung der Mißbräuche. Die Geldnot zwang den König, ein neues Parlament zu berufen, das 9. Febr. 1621 eröffnet wurde. An der Spitze der Opposition stand einer der ersten Juristen Englands, Eduard Coke, B.s Nebenbuhler und Feind; es wurden Ausschüsse gewählt zur Untersuchung der Mißbräuche; einer davon hatte es mit den Gerichtshöfen zu thun, mit der Korruption der Justiz, und 15. März 1621 berichtete Robert Phillips, der Vorsitzende des Komitee, dem Hause der Gemeinen, daß man den Lordkanzler selbst der Bestechung anklagen müsse. Der angeführten Fälle waren einige zwanzig. B. führte 17. März zum letzten male den Vorsitz im Oberhause; er erkrankte und bekannte sich 22. April schriftlich für schuldig. Die Lords waren seine Richter. Das einstimmige Urteil erfolgte 3. Mai: 40 000 Pfd. St. Geldbuße, Gefangenschaft im Tower, solange es dem Köni elame Verlust der Staatsämter, des Sitzes im Parlament, des Aufenthalts bei Hofe. Nach zwei Tagen erfolgte die Befreiung, dann die Erlassung der Geldbuße, dann die Erlaubnis der Rückkehr nach London (1622); der König gab ihm eine Pension von 1200 Pfd. St. und . ihn sogar wieder ins Oberhaus (1624), wo aber B. nicht wieder erschien. Er lebte zurückezogen in Gothauburh, Muße teils auf eiem ndgute zu Gorhambury, teils in Grays Inn zu London. Von hier aus machte er in den ersten Apriltagen 1626 einen Ausflug aufs Land und erkältete sich bei einem mit Schnee angestellten Verruchz so heftig, daß er nicht mehr nach London zurückkehren konnte; er wurde in das Landhaus des Grafen Arundel gebracht und starb hier 9. April 1626. Seine (1606 geschlossene und, wie es scheint durch die Untreue der Frau getrübte) Che blie kinderlos. Sein Verhalten gegen Essex und die Ursachen seines Sturzes haben den Charakter B.s bei Mit⸗ und Nachwelt in den schlimmsten Ruf gebracht, in welchen selbst seine Bewunderer einstimmten. Eine genaue und unverblendete Würdigung der Zeitumstände wird das strenge Urteil nicht aufheben, aber beträchtlich mildern. Sein Verhältnis zu Esser war nicht das einer reinen Freundschaft und ist außerdem durch Essex' tollkühnes Unternehmen auf eine zu harte Probe gestellt worden. Sein Sturz war die Folge eines polit. Tendenzprozesses, der ein Opfer haben wollte und keineswegs das schuldigste traf; die Volkspartei hat ihn gestürzt, die Hofpartei geopfert. Er selbst hat erklärt, daß er seit 50 Jahren der gerechteste Kanzler Englands gewesen und in seinem richterlichen Amte wohl Geschenke, aber nie Steeitzachem (d. h. Geschenke während schwebender Streitsachen) angenommen habe. Solche Belohnungsgeschenke waren damals bei den Staatsbeamten Englands, hoch und niedrig, eine herrschende, durch die Gehaltsverhältnisse verschuldete Sitte. Und B.s Charakterschwäche, seine Liebe zu Pracht und Verschwendung hat ihn solcher Geschenke bedürftig und für deren Annahme empfänglich gemacht. B.s große und fortwirkende Geistesthat ist die Erneuerung der Wissenschaft, die er schon früh als seine Lebensaufgabe ansah. Um der neuen, mit Entdeckung und Erfindung Lart an das Zeit zu entsprechen, müsse die Wissenschaft an das methodische Entdecken und Erfinden, das menschliche Denken an die völlig unbefangene, methodische, experimentelle Erfahrung gewöhnt werden, als den einzigen Weg, der zur Einsicht in die Gesetze der Natur, in die wirksamen Ursachen der Erscheinungen führe: es müsse vor allem die syllogistische Wortweisheit aufgegeben und ein thatsächliches Wissen durch die induktive Methode erstrebt werden. Das ist der Grundgedanke und die Aufgabe der Baconischen Lehre. Der Plan seines Gesamtwerks, das er „Instauratio magnas nannte, zerfiel in 4 Teile: 1) vollständige Übersicht und Einteilung des gesamten Gebiets der Wissenschaften (Encyklopädie); 2) Methodenlehre, d. i. die neue induktive, erfinderische Logik, die B. in seinem Neuen Organonv gab; 3) Naturgeschichte; 4) Naturphilosophie. Als Anhito des 1. Teils sollten seine moralischen, polit. und istor. Schriften gelten; dahin gehören seine berühmten Essayso, die Abhandlung über die Weisheit der Alten (ein Versuch allegorischer Mythenerklärung) und die Geschichte Heinrichs VII. Die beiden ersten Teile sind B.s Hauptwerke; aber nur das erste hat er vollständig ausgeführt, das zweite ist Bruchstück geblieben. 0 dem 3. Teil (Naturgeschichte) ——5 er eine Sammlung von Thatsachen und Versuchen in 10 Centurien geschrieben, die nach seinem Tode unter dem Titel «Silva silvarum erschienen, und außerdem 6 Beiträge versprochen, aber nur 3 davon ausgeführt. Zwischen dem 3. und 4. Teile sollten noch 2 Mittelglieder eingeschoben werden, die unausgeführt blieben. Selbst herausgegeben hat B. Ydie Essaysv, ein Meisterstück engl. Prosa, das erste seiner Art, in 3 Auflagen; die erste (1597) enthielt 10 Abhandlungen, die zweite 38 (1612), die dritte 58 (1625); die lat. Übersetzung von Rawley (1638) earningo in 2 Büchern (1605), dieses Werk wurde später zu 9 Büchern erweitert und erschien lateinisch 1623) unter dem Titel De dignitate et augmentis scientiarumo; 3) De sapientia veterumo (1609); 4) Novum organono in 2 Teilen (1620, die ersten Entwürfe fallen in die ahw. 1606 und 1607, die erste Abfassung in das Jahr 1608, seitdem hat es B. 12mal umgeschrieben (1608—20); der Entwurf von 1607 heißt Cogitata et visa v. Ins Deutsche wurde das Werk übersetzt von Bartholdy (Berl. 1793) und von Julius von Kirchmann (Berl. 1870); 5) die Historia regni Henrici VII.„ (1621), glei nach dem Sturze in 4—5 Monaten geschrieben; es war der erste allein ausgeführte Teil der Geschichte Englands von Heinrich VII. bis Jakob I.; 6) drei naturgeschichtliche Abhandlungen: «Historia ventorum, vitae et mortis, densi et rario (1623). Nachgelassene Schriften wurden herausgegeben von Rawley (B.s Sekretär): «Silva silvarumo und „Nova Atlantiso (1626), „Certain miscellany worksv (1629), 4 Resuscitatioo (mit B.s Lebensbeschreibung, 1657), 4Opuscula philosophica (1658); von Isaak Gruter: «Fr. Baconi scripta in philosophia naturali et universalis (1653); von Tenison: „Baconiana (1679); von Stephens: „Letters and remainso (1734). Gesamtausgaben der Werke erschienen: bei Schönwetter zu Frankfurt a. M. (lateinisch 1665), von Blackbourne lenglisch, 4 Bde., Lond. 1730), von Birch (Lond. 1763), von Basil Montagu (16 Bde., Lond. 1825—34), von Bouillet (französisch, Par. 1834). Die beste und vollständigste Ausgabe ist die von J. Spedding, L. Ellis und Heath in Cambridge: The works of Fr. B.v (14 Bde., Lond. 1862—74), von denen die ersten 7 Bände die Werke, die folgenden Briefe und Leben umfassen. Vgl. Macaulays Essayso (deutsch von Bülau, i 1850); Rémusat, „B., sa vie, son temps et sa philosophier (Par. 1856); J. von Liebig, «eüber B. und die Methode der Naturforschunge (Münch. 1863); Dorner, De Baconis baronis de Verulamio philosophiad (Berl. 1867). Das ausführlichste Werk über B. ist Kuno Fischers «Francis B. und seine 98philoior Entwickelungsgeschichte der Erfahrungsphilosophies (2. Büd Lpz. 1875).