FeedFleming (Pauh)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Fleming (Pauh), einer der trefflichsten deutschen Dichter des 17.Jahrh., geb. 5.Okt. 1609 zu Hartenstein im sächs. Erzgebirge, wo sein Vater, der 1615 Pfarrer in Topseifersdorf und 1628 in Wechselburg wurde, Schullehrer war. Er besuchte die Thomasschule zu Leipzig und die Fürstenschule zu Meißen und studierte dann in Leipzig Medizin. Die Unruhen des Dreißigjährigen Kriegs veranlaßten ihn (1633), sich nach Holstein zu wenden, wo damals gerade der Herzog Friedrich von Gottorp im Begriffe war, eine Gesandtschaft an seinen Schwager, den Zaren Michael Feodorowitsch, zu schicken. F. bewarb sich um eine Stelle im Gefolge der Gesandten, erhielt sie, kehrte 1635 glücklich nach Reval zurück, wo er ein Jahr blieb und sich dann der glänzenden Gesandtschaft des Herzogs nach Persien anschloß, die im Sommer 1637 zu Ispahan anlangte. Auf der Rückreise verlobte sich F. 1639 in Reval mit der Tochter eines angesehenen Kaufmanns. Da er nach der Rückkehr ins Vaterland die Absicht hatte, sich in Hamburg als praktischer Arzt niederzulassen, reiste er nach Leiden, promovierte daselbst Jan. 1640, starb aber schon 2. April 1640, kurz nach seiner Rückkehr nach Hamburg. F. steht unter den Lyrikern des 17. Jahrh. obenan. Er gehörte zur Schlesischen Dichterschule und übertraf Opitz an Kraft und Schönheit des Ausdrucks, an Reichtum des Gefühls und der Phantasie; doch war ihm jener an Kritik, Glätte der Form und Vielseitigkeit überlegen. Ohgleich sich auch bei F. vielfach Spuren von Roheit und Geschmacklosigkeit wahrnehmen lassen, enthalten doch seine Gedichte, deren erste Ausgabe zu Lübeck 1642 erschienen ist, einen Schatz von schönen Liedern, besonders erotischen. Zu beachten sind auch seine kräftigen und ötedie z originellen Sonette. Seine längern Gedichte, die zum Teil die Abenteuer seiner Reise besingen, enthalten wenigstens einzelne vortreffliche Partien. Als begabter geistlicher Liederdichter zeigte er sich besonders in seinem schönen Kirchenliede In allen meinen Thateno, das er vor seiner Reise nach Persien dichtete. Eine treffliche Ausgabe von F.s Deutschen Gedichtene mit Anmerkungen und sorgfältigen bibliogr. und biogr. Nachrichten hat Lappenberg (2 Bde., Stuttg. 1866), der auch F.s zahlreiche lat. Gedichte (Stuttg. 1863) herausgegeben hat, veröffentlicht. Ausgewählte Gedichte F.s haben G. Schwab (Stuttg. 1820), W. Müller in Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrh.r (Bd. 3, Opz. 1822) und mit biogr. und kritischer Einleitung und Anmerkungen Tittmann (Lpz. 1870) herausgegeben. Vgl. Schmitt, „Paul F.» (Marb. 1851), und Varnhagen von Ense in den 4Biogr. Denkmaleno (3. Aufl., Bd. 4, Lpz. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 896Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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