FeedFleiß
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Fleiß oder Betriebsamkeit bezeichnet die Ausdauer bei der Arbeit als der absichtlichen und anegestrengten Wirksamkeit für bestimmte Lebens1zwecke. Auf dem F. beruht alle Bildung und Kultur, und dem Griechen hieß der gute Mann geradezu der fleißige (5 τπ⁰ονάνοe), weil vor die Erreichung des Guten und Wertvollen im Leben einem alten Sprichworte gemäß die Götter den Schweiß setzten. J. G. en erkannte ebenfalls im F. einen so wesentlichen Bestandteil des sittlichen Charakters, daß er die Faulheit als das Grundlaster der Menschennatur bezeichnete. Doch [darf man dabei auch die Ziele nicht vergessen, für die der F. arbeitet, der ja auch auf eigensüchtige, ja gemeinschädliche Zwecke verwandt werden kann und dann seinen moralischen Wert einbüßt. Daher ist der F. nicht das Gute selbst, wohl aber eine unentbehrliche Bedingung zum Guten, als das vorzüglichste Mittel nicht nur zur Förderung des Wohlstandes bei Familien und Völkern, sondern auch zur Erfüllung der Kulturaufgaben der Individuen und der Gesellschaften. Weil der F. immer auf eine beabsichtigte Wirksamkeit geht, so wird zur Bezeichnung, daß man etwas ohne Absicht gethan habe, auch gesagt, daß man es nicht mit F. gethan.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 896Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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