FeedFöeund (fecund)
NaturlehreBrockhaus 1882

Föeund (fecund), fruchtbar; föcundieren, befruchten, fruchtbar machen; Föcundation, Focus (lat., Herd) bedeutet in der Physik und Geometrie soviel wie Brennpunkt (s. d.). Fodder, ein großes engl. Gewicht für Blei. Für Blei in Blöcken oder Mulden (sog. Gänsen oder Sauen, Pig lead) begreift das F. in London 19½,F in Neweastle 21, in Stockton 22 Hundredweight oder Centner zu 112 engl. Pfund oder zu 50,86 Kg; für Blei in Rollen ist es 20 Hundredweight. (S. Foster.) Föderalisten ist ein Ausdruck, der in der polit. Parteigeschichte der Neuzeit sehr verschiedene Anwendung gefunden hat. Als die aus dem Unabhängigkeitskriege gegen England siegreich hervorgegangenen Vereinigten Staaten von Amerika im Begriffe waren, sich eine dauernde Bundesverfassung zu geben, standen sich zwei Parteien gegenüber, wovon die eine dem Willen der Gesamtheit möglichst weiten Spielraum schaffen, die andere durch eine mehr aristokratische Färbung der Bundesverfassung dem Volkswillen gewisse Schranken ziehen wollte. Diese letztere Partei nannte man die F. jene erstere die Republikaner. Die der Zahl nach schwächere Partei der F. vereinigte die meisten der Männer, welche sich im Kriege ausgezeichnet hatten, und so gelang es ihr, nicht nur in die Bundesverfassung von 1785 manche ihrer Grundsätze einzuführen, auch nachher eine Zeit lang an der Spitze der Verwaltung zu bleiben, bis sie 1801 von der Gegenpartei unter Jeffersons Führung verdrängt wurde. An die Stelle der Republikaner traten seitdem die Tories (Demokraten) zur angeblichen Bewahrung der Souveränetät der einzelnen Staaten. Die allmähliche Entartung des nordamerik. Parteiwesens und die damit zusammenhängende allgemeine Korruption riefen endlich eine von dem frühern föderalistischen Prinzip ausgehende republikanische Partei ins Leben, die 1860, gegenüber den sog. Demokraten, bei der Präsidentenwahl zum Siege Lincolns mitwirkte. Hieraus erklärt sich, daß in dem darauf ausbrechenden Bürgerkriege die Anhänger der Union F., die Vorkämpfer des südl. Sonderbundes und der staatlichen Einzelsouveränetät Konföderierte hießen. (S. Vereinigte Staaten.) In der Französischen Revolution von 1789 bildete sich Klus vor der Tyrannei der Gemeinde und der Klubs von Paris, auf die sich die sog. Bergpartei stützte, eine Partei, welche die zum Teil gemäßigtern Ansichten der Provinzen zur Geltung bringen und denselben einen entscheidendern Einfluß auf den Gang der Revolution verschaffen wollte. Es war dies die unter dem Namen der Girondisten (s. d.) bekannte Partei, der ihre Gegner, um sie beim pariser Volke verhaßt zu machen, den Namen F. und die Absicht beilegten, die Hauptstadt durch die Provinzen zu tyrannisieren oder wohl gar die Einheit und Integrität des Gesamtstaats aufzuheben und an seine Stelle das lose Band einer bloßen Föderation der einzelnen Provinzen zu setzen. Auch in der neuern Zeit sind in Frankreich vereinzelte Versuche einer Milderung der Centralisation in föderalistischem Sinne hervorgetreten. (S. Centralisation.) In den deutschen Bundesstaaten war früher der Name F. und Föderalismus als Parteiname nicht üblich. Die unterscheidende Parteibezeichnung für die Anhänger einer strengern und einer losern Form der Föderation war vielmehr in den polit. Kämpfen von 1848 die: Bundesstaat (s. d.) oder Staatenbund. Seit Gründung des Deutschen Reichs wird der Föderalismus von den Anhängern der partikularen Staatenselbständigkeit gegen diejenigen Parteien betont, welche den Ausbau des Reichs im Sinne des Einheitsstaats anstreben. In Osterreich besteht, außer dem Dualismus zwischen Cis⸗ und Transleithanien, eine föderalistische Partei, welche die Selbständigkeit und polit. Sonderung der einzelnen Kronländer gegen die Idee des centralisierten Gesamtstaats vertritt. Föderaltheologie heißt eine der reform. Theologie eigentümliche Methode, die verschiedenen Stufen der erlösenden Gnadenreligion als aufeinanderfolgende Bünde zwischen Gott und den Menschen aufzufassen. Zunächst unterscheidet man zwei Arten der Religion, den Bund der Werke (foedus naturae s. operum), d. h. das Verhältnis des Menschen zu Gott ohne die Ideen der erlösenden Offenbarung und Gnade, verwirklicht vor dem Sündenfall, und den Bund der Gnade (toedus gratiae), d. h. das auf Offenbarung beruhende Verhältnis des Menschen zu Gott seit dem Sündenfall. Letzterer durchläuft drei Stadien der Entwickelung: vor dem Gesetz, unter dem Gesetz und nach dem Gesetz oder unter dem Evangelium, unterschieden als foedus gratiae ante legem, sub lege, post legem sive sub evangelio. Gewöhnlich wird die F. als eine Neuerung des Coccejus (s. d.) bezeichnet, sie ist aber schon von Calvin angedeutet, von Hyperius ausgeführt und von Coccejus (in seiner KSumma doctrinae de foedere et testamentis Deiy, Leid. 1648) nur in einseitiger Strenge angewandt. Föderation (Bündnis, von foedus, foederare) heißt im weitern Sinne jede Art von Verbindung zweier oder mehrerer Staaten, wobei die Verbündeten ihre Souveränetät behalten. Unter den Begriff der F. gehört also auch die zu einem vorübergehenden polit. Zweck, insbesondere zur gemeinsamen Führung eines Kriegs abgeschlossene Allianz. Namentlich in der frühern Zeit pflegte man die Ausdrücke Föderierte und Alliierte als ganz gleichbedeutend und zwar im Sinne von Kriegsverbündeten zu bezeichnen. Aber auch Vertragsverhältnisse zu friedlichen Zwecken werden als F. bezeichnet. In engerm Sinne bezeichnet F. oder häufiger noch Konföderation einen Staatenbund im Gegensatze zur bundesstaatlichen Einigung (Union). Namentlich wurde dieser Ausdruck angewendet auf die ältere Vereinigung der nordamerik. Staaten nach der Verfassung von 1785, auf die schweiz. Eidgenossenschaft, auf den Rheinbund und auf den ehemaligen Deutschen Bund. EFoedus (lat.), Bündnis, Bund, Testament. J00 (Daniel de), engl. Schriftsteller, s. Defoe. ogaras, ehemaliger Distrikt in Siebenbürgen, zum Lande der Ungarn gehörig, seit 1876 Komitat, das nebst dem Gebiete des frühern Distrikts noch sechs Gemeinden des Unter-Weißenburger Komitats in sich faßt, wird nördlich vom Groß-Kokelburger, westlich vom Hermannstädter und östlich vom Kronstädter Komitat, also von dem frühern «Sachsenlander oder dem Königsbodenv umschlossen; im Süden grenzt es unmittelbar an die Walachei (Rumänien). Sein Areal umfaßt 1875,34Em und enthält einen Marktflecken und 70 Dörfer. Der Boden ist durchgehends gebirgig. An der Südgrenze erstrecken sich die Fogarascher Karpaten bis zum Törzburger Paß; die Spitzen (Negoj, Butjän, Bucses, Königsberg) ragen über 2800 meempor. Die untern Abhänge sind dicht mit Laubwald besetzt, hierauf folgen undurchdringliche Tannenwälder; die Spitzen selbst sind kahle Felsen. Das Klima ist gesund, aber rauh und deshalb dem Ackerbau nicht sehr günstig. Die vorherrschende Beschäftigung der Einwohner ist Viehzucht, besonders Schweinezucht. Handel und Industrie sind höchst unbedeutend. Die Ursache hiervon liegt in dem indolenten Geiste der Bewohner, die, (1880) 84 571 Seelen stark, zumeist Walachen (Rumänen) sind, außer 3850 Sachsen und 2694 Ungarn. Hauptort des Komitats ist der am linken Ufer der Aluta gelegene Marktflecken Fogaras mit 5307 größtenteils walach. E., fünf Kirchen, einem Franziskanerkloster und dem Distriktsgebäude. Nach F. ist das für Siebenbürgen bestehende griech.⸗kath. Erzbistum benannt; doch hat der Erzbischof seinen Sitz in dem Flecken Blasendorf. Von Einfa strategischer Wichtigkeit, namentlich gegen Einfälle von der Walachei her, ist das schon zu Anfang des 14. Jahrh. erbaute und von Bethlen Gabor 1610 restaurierte feste Schloß, welches in den Türkenkämpfen und in den innern Unruhen eine bedeutende Rolle spielte. Bei F. wurde Bem 12. Juli 1849 von den russ. Generalen Engelhardt und Lüders besiegt. ogarascher Gebirge, s. unter Karpaten. ogarassy (spr. schi, Johann), ungar. Sprachforscher und Jurist, geb. 1801 in Ober-Käzsmärk im Komitat Abauj, studierte im reform. Kollegium zu Särespatak die Rechte, ward 1829 Advokat, 1841 Sekretär des Wechselgerichts, 1847 Sekretär des Erzherzogs Stephan, 1848 Rat im ungar. Finanzministerium, nach Wiederherstellung der Versassung Präsident des Handels- und Wechselgerichts, endlich Richter des obersten Gerichtshofs. Als solcher starb er 11. Juni 1878. F. war seit 1838 korrespondierendes, seit w1842 ordentliches Mitglied der Ungarischen Akademie, in welcher er eine umfassende, besonders sprachwissenschaftliche Wirksamkeit entfaltete. Die wichtigsten seiner Werke (sämtlich in ungar. Sprache) sind: Latein.⸗ungar. terminolog. Lexikon der Rechts- und Staatswissenschafto (Pest 1833—35), Metaphysik der ungar. Spracher (Pest 1834), Grundzüge des ungar. Privatrechtso (Pest 1839 u. öfter), Ungar. Handels-und Wechselrechto (Pest 1840), Die Ungarische Banko (Pest 1848), Der «Geist der ungar. Spracher (Pest 1845),«Grundzüge der neuen ungar. bürgerl. Prozeßordnungy(Pest 1853), und besonders «Ungar.⸗deutsches Wörterbuche (2 Bde., Pest 1836), und das mit Gregor Czuczov begonnene, aber nach dessen Tode (1866) von F. allein fortgeführte und vollendete «Große Wörterbuch der ungar. Spracher, das im Auftrage und Verlag der Akademie (Budapest 1861 - 74) erschien und als Sammlung des gesamten ungar. Sprachschatzes großen Wert hat, in seinen Etymologien dagegen einen ganz veralteten, unwissenschaftlichen Standpunkt einnimmt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 936Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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