FeedFontane (Theodor)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Fontane (Theodor), deutscher Schriftsteller, eb. 30. Dez. 1819 zu Neuruppin, besuchte das ymnasium daselbst und später die berliner Gewerbeschule. Schon 1839 veröffentlichte er Balladen und Novellen in berliner Blättern, unter andern im Figarov. Im J. 1840 ging er nach Leipzig, um sich der Chemie zu widmen; seine Neigung führte ihn jedoch allmählich ganz der lterarischen Thätigkeit zu. Nach einem ersten kurzen Aufenthalt in England siedelte er 1844 nach Berlin über und trat hier in den Tunnel' ein, einen litterarischen Vereinigungspunkt von Dichtern und Schriftstellern. Dai J. 1849 erschienen seine ersten dichterischen Areiten, und zwar der Balladencyklus Von der schönen Rosamunde (2. Aufl., Dessau 1853), sowie gleichzeitig seine volkstümlichen Gedichte vom alten Dessauer, Zieten, Seydlitz. Im J. 1852 ging er zum zweiten, 1855 zum dritten mal nach England, kehrte 1859 nach Deutschland zurück und trat bald darauf in die Redaction der Neuen Preußischen Zeitunge ein, an der er von 1860 bis 1870 thätig war. Nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs folgte er dem deutschen Heere, ward in Domrémy, im Geburtshause der Jeanne d'Are, gefangen genommen und nach mannigfachen Bedrängnissen auf die Insel Oleron im Atlantischen Ocean abgeführt. Ein Dekret der Minister Gambetta und Crémieux setzte ihn wieder in Freiheit. Hierauf übernahm er für die 4Vossische Zeitungo das Referat über die Königlichen Schauspiele und war 1876 kurze Zeit erster Sekretär der berliner Akademie der Künste. F. veröffentlichte noch: ⸗Männer und Heldene (Berl. 1850), Gedichtes (Berl. 1851; 2. Aufl. 1875), Argoy (gemeinschaftlich mit Franz Kugler herausgegeben, ein Jahrbuch für 1854), Ein Sommer in Londono (Dessau 1854), «Aus England (Stuttg. 1860), „Jenseit des Tweedo (Berl. 1860), „Balladeno (Berl. 1860), «Wanderungen durch die Mark Brandenburgo (4 Bde., Stuttg. 1861; 4. Aufl. 1883), Der Schleswig-Holsteinische Kriego (Berl. 1866), „Der Krieg gegen Ssterreich' (illustriert von Burger, 2Bde., Berl. 1870),Kriegsgefangenv(Berl. 1871), Aus den Tagen der Occupationo(Berl.1872), „(Der Krieg gegen Frankreiche (2 Bde., Berl. 1876); ferner den vierbändigen Roman Vor dem Sturmo (Berl. 1878) und die Novellen: «Grete Mincks (Berl. 1880), 4Ellernklippo (Berl. 1881), 4L'Adultera (Bresl. 1882), «Schach von Wuthenowo (Lpz. 1883). ontäne, s. Springbrunnen. ontanelle heißt in der Chirurgie und praktischen Medizin ein künstlich gebildetes und unterhaltenes Geschwür auf der Oberfläche des Körpers, welches als Heilmittel dienen soll. Um ein solches Geschwür zu erzeugen, macht man mittels des Messers oder eines Atzmittels oder Blasenpflasters oder des Glüheisens eine Wunde in die Haut und legt in dieselbe einen mehr oder weniger reizenden Körper, z. B. eine Erbse, eine Bohne, ein Stück Kantharidenpflaster u. dgl. hinein, um die Wunde am Schließen zu verhindern und in beständiger Eiterung zu erhalten. Um die F. und die umliegende Haut reinlich zu halten, bedeckt man sie mit einem indifferenten Pflaster und dieses mit einer leichten Binde und erneuert den darin liegenden Körper täglich wenigstens einmal. Die frühern Arzte (seit dem höchsten Altertum) schätzten die F. sehr bei chronischen Krankheiten; man glaubte, daß sie den Krankheitsstoff aus dem Körper entfernten oder doch einen gefährlichen Säfteandrang von dem bedrohten Orane nach der Haut ableiteten. Die neuern physiol. Forschungen haben aber ergeben, daß beides nicht möglich ist und daß jede anhaltende Eiterung verschlechternd auf das Blut zurückwirkt. Daher wenden neuer Arzte die F. nur selten an, namentlich nicht mehr bei Schwindsüchtigen, denen sie nur schaden können. Ein ähnliches Mittel ist das Haarseil (s. d.). In der Anatomie bezeichnet man mit F. die häutigen Zwischenräume zwischen den Ecken der einzelnen Schädelknochen bei dem Embryo und dem neugeborenen Kinde, welche sich meist erst Mitte oder Ende des zweiten Jahres mit Knochenmasse füllen und bis dahin als weiche Stellen des Kopfes leicht fühlbar sind. Die größte derselben, die sog. große oder viereckige Fontanelle oder Vor-Blättchen Peime (von den Laien auch als Blättchen bezeichnet), liegt vorn über der Mitte der Stirn, in der Scheitelgegend, ist am längsten fühlbar und läßt, solange sie noch nicht geschlossen ist, deutlich pulsierende Bewegungen des Gehirns gelle in vit die hintere oder kleine Fontanelle ist viel kleiner und am Hinterhaupt gelegen, wo sich die Lambdanaht mit dem Ende der Pfeilnaht vereinigt, während die beiden Seitenfontanellen zu beiden Seiten des Kopfes am Ausgang der Schuppennaht zu fühlen sind. Die rechtzeitige Verknöcherung der F. ist für die normale Entwickelung des Gehirns von der größten Bedeutung; erfolgt jene vorzeitig, so wird das Gehirn in seinem weitern Wachstum gehemmt und es kommt sehr leicht zur Bildung eines bog. Mikrocephalus (s. d.), während umgekehrt die F. bei der Englischen Krankheit sich gewöhnlich erst spät, beim chronischen Wasserkopf oft gar nicht schließen. Man achte deshalb beim Neugeborenen auf die Beschaffenheit der F. und sei jederzeit darauf bedacht, daß dieselben vor Druck, Stoß und ähnlichen Insulten gehörig behütet werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 947Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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