FeedDöbrentey (Gabriel)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Döbrentey (Gabriel), ungar. Schriftsteller und Dichter, geb. 1. Dez. 1786 zu Nagyszöllös im Komitat Veszprim, bildete sich auf dem evang. Gymnasium zu Odenburg und ging 1806 nach Deutschland, wo er namentlich zu Leipzig philol. und histor. Studien betrieb. Später nach Siebenbürgen als Erzieher berufen, gründete er daselbst 1810 die ungar. Zeitschrift Siebenbürg. Museumo, welche auf die Entwickelung der magyar. Sprache und Litteratur so bedeutenden Einfluß übte, daß D. in Anerkennung seiner Verdienste 1817 zum Gerichtstafelbeisitzer des Hunyader Komitats ernannt wurde; 1820 ging er nach Pest, wo er mehrere Jahre hindurch als zweiter Kommissar des ofener Distrikts, als Sekretär des Nationalkasinos, des Landwirtschaftlichen Vereins u. s. w. eine vielseitige Thätigkeit entwickelte. Im Nov. 1827 war er einer der 22 ungar. Gelehrten, welche der Palatin nach Ofen berief, um unter Graf Jos. Telekis Vorsitz den Plan und die Statuten der vom Reichstage 1825—27 gestifteten Ungarischen Akademie zu entwerfen. D. wurde 1831 zum Mitglied und Sekretär der Akademie ernannt, legte aber letzteres Amt 1834 infolge seiner Ernennung zum ersten Reichskommissar des ofener Distrikts nieder. Doch übernahm er die ihm von der Akademie übertragene Redaction der «Alten ungar. Sprachdenkmäler» (3 Bde., Ofen 1838—42), sowie in Gemeinschaft mit Andr. Fay die Direktion des neuerrichteten ungar. Nationaltheaters. Im J. 1841 zum Oberkommissar, 1843 zum königl. Rat, außerdem zum Beisitzer mehrerer Komitate ernannt, starb er 28. März 1851 auf seinem Landhause bei Ofen. D. wirkte sein ganzes Leben hindurch unermüdlich für Förderung der ungar. Sprache und Litteratur. Seine zahlreichen histor. Arbeiten, die er in den Zeitschriften veröffentlichte, sowie seine Jugendschriften sind von bleibendem Werte. Seine kleinern Gedichte, Oden, Epigramme, Elegien u. s. w., die ebenfalls in Desrn erschienen, gehören ungeachtet ihrer oft schwülstigen Sprache zu den bessern Erzeugnissen der ungar. Litteratur. Sein wurde ins Deutsche und Italienische, die 1826 erschienenen Huszärdalok (4Husarenlieders) ins Französische übersetzt. Durch Herausgabe der „Ausder ahte: Bühney (2 Bde., Wien 1811-23) und der «Meisterwerke Shakspeares» (Ofen 1828) erwarb sich D. auch Verdienste um die ungar. Bühne.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 416Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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