Bastion oder Bollwerk nennt man ein aus der Umfassungslinie einer Festung vorspringendes, aus vier Linien bestehendes, hinten offenes Werk, das zur Beherrschung des Vorterrains und zur Bestreichung des Hauptgrabens dient. Seine beiden vordern und zugleich längern Linien, die Facen, stoßen in einem ausspringenden Winkel, Saillant oder Bollwerkswinkel, zusammen, der nicht unter 60° sein darf, in der Regel 90—120 beträgt, und dessen Spitze der Bollwerkspunkt oder die Pünte heißt. Die beiden kürzern Linien, die Flanken, 5 ießen sich mit einem stumpfen Winkel, dem Schulterwinkel, an die Facen an, und dieser Punkt heißt der Schulterpunkt. Das andere Ende der Flanken stößt mittels eines eingehenden Winkels, welcher Courtinenwinkel genannt wird, an die Courtine oder den Zwischenwall, der je zwei und zwei B. miteinander verbindet; der Punkt, wo Flanke und Courtine zusammenstoßen, heißt der Courtinenpunkt. Die Verlängerung der Facen nach rückwärts auf den gegenüberstehenden Courtinenpunkt heißt die Streich-oder Defenslinie, und der dadurch mit der Flanke entstehende Winkel der Streichwinkel, der in der Regel 90 beträgt. Die hintere Offnung eines B. heißt die Kehle. Antten des der vier Wälle, auf denen die Brustwehrlinien des B. ruhen, und der Kehle des B. entsteht ein fünfeckiger Raum, in welchem früherhin gewöhnlich ein gemauertes Pulvermagazin stand; ein solches B. heißt ein hohles; ist dieser Raum aber mit Erde ausgefüllt, so heißt das B. ein volles. Wenn das B. durch einen Kehlraben von etwa rückwärts liegenden Verteidigungsinien getrennt ist, so entsteht ein detachirtes B. Die B. sind im Anfange des 16. Jahrh. an die Stelle der halbrunden Basteien oder Rondels getreten, welche nach Einführung der Feuerwaffen an Stelle der alten Mauertürme traten und diesen nachgebildet waren, aber in größerer Entfernung voneinander lagen. (S. unter Befestigungsmanieren.)