FeedBelagerungsarbeiten
GeschichteBau-Lexikon 1881

Belagerungsarbeiten, k., Angriffsarbeiten (Kriegsb.), sind alle fortifikatorischen Arbeiten von der ersten Einschließung eines Platzes — Berennung — bis zum Fall desselben. Sie bestehen der Reihe nach in folgenden: 1. Errichtung des Hauptdepots für Artillerie⸗ und Genietruppen außer dem Bereich des feindlichen Feuers (6—8000 Schritt), bei RRin Fig. 504 der Uebersichtlichkeit wegen ganz nahe hinter die erste Parallele gesetzt, während sie in der That viel weiter zurück liegen. 2. Aushebung der 1. Parallele, d. it ein Graben von (6, m. oberer, 2, m. unterer Breite und 1½ —1½ m. Tiefe mit einer nach der Festung zu aufgeworfenen Brustwehr, der sich ca. 1000—1200 Schritt vom Glacisfuß entfernt um die Angriffsfront u. theilweise auch um die Collateralfronten herumzieht, FG in Fig. 504. In ihm und ca. 1000 —-1500 Schritt hinter ihm werden 3. die ersten Belagerungsbatterien, d“ f. etc., Enfilir⸗, Demontir⸗, indirekte Bresch⸗ und Contrebatterien sowie Batterien für glatte und gezogene Mörser, endlich auch Emplacements für Geschütze gegen Ausfälle errichtet. Als Hauptgrundsatz gilt, die Parallele und ihre nach den Depöts führenden Kommunikationsgräben, sowie die Batterien, womöglich in einer Nacht zu beenden. Au alle Fälle müssen sämtliche „ersten Batterien“ ihr Feue gleichzeitig eröffnen. 4. Errichtung der Zwischendepots, Bombenmagazin I, IIPetc. in Fig. 504, für den weiteren Angriff. (zur 2. Parallele) unter dem Schutz der Batterien. Bei nᷓTage mit der völligen Sappe oder Erdwalze, Fig. 508, bei Nacht mit der flüchtigen Sappe, Fig. 506, oder der gemeinen Sappe, Fig. 507 (s. d. Art. Sappe). Diese Approchen liegen meist in den verlängerten Kapitalen, Win Fig. 504, der angegriffenen Werke und werden im Zickzack geführt, damit sie nicht von den Festungswerken aus enfilirt werden können. Es sind Gräben von 3, un. oberer, 2, m. Unterer Breite u. 1, —1, m. Tiefe mit Brustwehr nach der Festung zu. 6. Auf 4 - 500 Schritt vom Glacisfuß wird analog der 1. die 2. Parallele EL ausgehoben, und ein Theil der „ersten Batterien“ in sie verlegt. Diese Batterien setzen nun in größerer Nähe ihr Zerstörungswerk fort, vollenden womöglich die Breschen u. halten das Festungsgeschütz im Zaum, so daß die Approchen nach und nach den Glaeisfuß erreichen können, wo dann 7. die 3. Parallele MP angelegt wird. Nach Umständen legt man zwischen die 2.u.3. Parallele noch eine Halbparallele NO an. 8. Von der 3. Parallele wird das Glaeis hierauf mit bibliothek Heidelberg CDFC der Würfel⸗, Fig. 509, der Schlangensappe, Fig. 510, od. der Traversensappe sappirt, s. Fig. 505, u. auf dem Kamm des Glacis eine neue Parallele, die Krönung des Glacis, tet Fig. 505, mittels der Traversen⸗(hier speziell Krönungssappe gen.) angelegt. 9. Von hier aus wird der Grabenniedergang mittels der bedeckten Sappe od. einer großen Minengalerie (Descentengalerie, s. Fig. 511) bewerkstelligt, dann über den Graben bei XX Fig. 505 bis an den Fuß der Bresche àce hinwegsappirt, s. Fig. 511, bez. bei nassen Gräben ein Damm mit Brustwehr über den Graben angeschüttet. Hierauf erfolgt der Sturm der Bresche. — Sind Abschnitte IIIToder Waffenplätze, XB O, Fig.505, in dem angegriffenen Werke vorhanden, so muß man sich in dem eroberten Theil festsetzen — logiren — indem man Brustwehren gegen das Fig. 508. Völlige Sappe oder Erdwalze. sappe. sappe. Innere der Festung aufwirft, und greift von hier aus den Abschnitt an. In der Regel müssen hierzu in dem Logement Breschbatterien errichtet werden, wie in Fig. 505. Diese Belagerungsarbeiten werden häufig durch Ausfälle der Festungsbesatzung unterbrochen, denen die in den Parallelen liegenden Laufgrabenreserven u. rückwärtige Reserven, sowie die neben den Belagerungsbatterien plaeirten Feldgeschütze entgegentreten. Besitzt die angegriffene Festung ein Minensystem, so beginnt, meist von der 3. Parallele an, der äußerst zeitraubende und schwierige Minenkrieg, durch welchen der Contremineur — Vertheidigungsmineur — aus allen seinen Galerien vertrieben werden muß, ehe man zum Couronnement, beziehentlich zum Grabenniedergang übergehen kann. Sehr oft setzt sich auch der Minenkrieg, bei abschnittsweiser Vertheidigung, vor den Abschnitten wieder fort. Pte.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 334Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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