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Bildende KunstBau-Lexikon 1881

Bildergalerie, k., Gemäldegalerie, f., frz. galerie f. de tableaux, engl. picture-gallery, gallery of paintings. Die Erfordernisse an ein gutes Bildergaleriegebäude kann man wohl wesentlich in zwei Kategorien theilen: in innere und äußere. 1. Die inneren Erfordernisse sind folgende: a) Gute Beleuchtung; man disponire größere Säle mit Oberlicht, kleinere mit Seitenfenstern nach Norden; die Nordseite muß ganz durch Ausstellungsräume in Beschlag genommen sein, daher eine lange Reihe größerer Fenster erhalten. Alle Nebenräume, Portalbau, Hausflur, Treppenhaus, Vestibülen lege man auf die Mittagsseite, welche sonach den Haupteingang enthält und die freieste architektonische Behandlung erlaubt, die bei der ununterbrochenen Fensterreihe nach Norden ziemlich schwer wird; der Südseite kann man vielleicht eine Säulenvorhalle geben; nur im Nothfall darf man nach Süden Kabinette für Kupferstiche, Handzeichnungen u. dergl. Sachen anlegen, die in Schränken vor Einflüssen der Sonne etc. verwahrt werden. b) Innerer Zusammenhang. Eine Durchfahrt oder ein Durchgang unter den Hallen ist unzweckmäßig, weil sie die Suite der Säle im Erdgeschoß stören; innerer Zusammenhang aber ist unerläßlich nöthig, wenn die Sammlung systematisch geordnet sein soll; auch ist es für das Publikum sehr unangenehm, über eine Hausflur od. Durchfahrt od. dgl. passiren zu müssen, um von einer Abtheilung der Sammlung in die andere zu gelangen. Eben so unangenehm ist es, am Ende der Salsuite wieder umkehren zu müssen; dies geschieht gewöhnlich ziemlich schnell, bes. von der großen Masse des Publikums, und dadurch werden die noch in Betrachtung der dort hängenden Bilder Begriffenen gestört. Um dies zu vermeiden, müssen die Säle so mit einander zusammenhängen, daß man gleichsam ringförmig um das ganze Gebäude geht und aus dem letzten Saäl erst wieder in das Treppenhaus od. Vestibüle gelangt. Verfehlt ist dies im großen Museum zu Berlin, in Dresden nur im Obergeschoß erreicht. c) Möglichste Raumersparnis, aber ohne Geizen mit dem Raum; es muß so viel Platz sein, daß eine namhafte Vermehrung der Sammlung eintreten kann, ohne daß es an Raum fehlt; aber auf Nebenräume darf nicht zu viel Platz verschwendet werden, den man lieber in den Gemäldesälen selbst verwenden kann, um eine zweckmäßige Aufhängung zu erreichen; die Bilder dürfen nicht zu nahe gedrängt, sondern müssen so einzeln hängen, daß keines je die Wirkung des andern stört. Als Muster in dieser Beziehung kann die neue Pinakothek in München gelten und das große Museum in Berlin. d) Schutz der Bilder vor dem Betasten u. Bestoßen, durch kleine Barridren längs der Bilderwände, die mindestens 0½%%½ m. von der Wand entfernt sind. e) Richtige Aufhängung. Bei Oberlicht ist diese viel leichter als bei Seitenlicht, weil kein Reflex zu fürchten sein wird, wenn man nur die Bilder etwas nach vorwärts geneigt aufhängt. Bei Seitenlicht aber muß man sorgso wenig aber auf der durch Lack geglätteten Bildfläche einen störenden Glanz erzeugt; am besten wird dies durch schrägstehende Schérwände (s. d.) erreicht, auch muß zwischen je zwei solchen Scherwänden hinlänglicher Platz sein, um zurücktreten und das Bild aus gehöriger Ferne betrachten zu können; man rechnet hierzu in der Regel die dreifache Breite des Bildes als richtigste Entfernung. Kleine Bilder dürfen nicht hoch gehängt werden; überhaupt aber dürfen die Bilder nicht unter 1 m. und nicht über 3, m., sehr große höchstens bis zu 4 m. vom Fußboden hängen; bei Oberlicht darf der Schatten der Kehle nicht auf das Bild fallen, u. das Oberlicht muß mindestens halb so breit sein als die ganze Decke. Die Aufhängung der Bilder darf nicht, oder doch nur im äußersten Nothfall geändert werden. k) Heizung. Dieselbe muß möglichst gleichmäßig und darf nicht zu trocken sein. Am besten wird man den Zweck durch Warmwasserheizung erreichen, doch lege man die Kanäle nicht unmittelbar an die Wände, sondern mindestens 0,80 m. von denselben entfernt, gebe ihrer Umhüllung auch keine Oeffnung nach oben, sondern nur nach vorn, damit die ausstrahlende Wärme die Bilder nie direkt trifft. g) Orientirung der Besucher geschieht am besten durch Aufhängung eines Wandkatalogs an jeder Wand. h) Nebenräume. Sehr wichtig ist die zweckmäßige und doch nicht raumraubende Anlage von Garderoben, Expeditionsräumen, Dienstzimmern, Bilderkopirsälen, eines Lokals zum Restauriren von Gemälden etc. 2. Die äußeren Erfordernisse einer B. sind folgende: a) Feuersicherheit. Eine B. muß mindestens 55 m. von jedem andern Gebäude, darf aber keinesfalls in der Nähe eines Theaters oder anderer feuergefährlicher Gebäude stehen. b) Staubfreiheit u. Sicherung vor Rauch und Ruß. Ist am besten zu erreichen, wenn man das Gebäude ringsum mit Parkanlagen umgiebt, auch vor demselben einige Springbrunnen od. dgl. anbringt. Dadurch wird zugleich erreicht: c) Ruhe vor dem Geräusch des Geschäftsverkehrs. g3. Die ästhetischen Anforderungen, die man an ein Galeriegebäude zu machen pflegt, find in Folgendem zusammenzufassen: Es muß äußerlich würdig, ernst u. repräsentativ sein, ohne zu große Strenge im Ausdruck und gleich weit entfernt von Aermlichkeit wie von Ostentation in der. Sbibliothek Heidelberg Ausstattung. Man muß auf den ersten, Blick sehen, daß es einem freundlichen Genuß gewidmet ist und Allen offen steht; eine weitgeöffnete, mächtig ausladende Vorhalle ist dazu ein geeignetes Mittel. Die Fenster müssen größer als die Pfeiler sein, die Verhältnisse eher leicht als schwer; innerlich muß es anständig dekorirt sein; doch darf auch hier die Dekoration nicht zu stark auftreten, indem immer dieselbe in untergeordnetem Verhältnis zu den Bildern selbst bleiben muß. Die den Bildern günstigste Dekorationsweise der Räume ist: Grau in Grau gemalte od mit Stuckornamenten belegte Decken mit mäßiger Vergoldung, dunkelrothbraune od. dunkelgrüne Wände; doch müssen die Wandfarben jedenfalls sehr ruhig u. glanzlos sein. Alles mache den befriedigenden Eindruck des ruhig Gediegenen. Was hier von Bin als selbständigen Gebäuden gesagt worden ist, gilt natürlich auch von den Bin als Theilen von anderen Gebäuden, Museen etc., sowie von Bilderkabinetten, d. h. Lokalen für Bildersammlungen in Privatwohnungen, wobei nur die durch die Lokalität, wenn solche schon vorhanden ist, durch den Umfang der Sammlungen und durch manches Andere hervorgerufenen Abänderungen eintreten können. Ist die Sammlung so klein, daß sie in einen Säl zu vereinigen möglich ist, so darf derselbe eben nur als Bildersäl, nicht aber zum Speisen, Tanzen re. benutzt werden, weil die Bilder durch die hierbei entstehende Ausdünstung sehr leicht leiden. Ist die Sammlung etwas größer, so ist es oft am bequemsten, sie in einer genügend langen, nicht zu schmalen, d. h. nicht unter der doppelten Breite des größten Bildes, jedenfalls aber nicht unter

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 377Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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