Deich, Diick, Dyk, m., srz. digue, f., engl. dike, eine Art Damm im weiteren Sinn des Wortes, aber wohl zu unterscheiden von Damm (s. d.) im engeren Wortsinn; ein Damm dient, außer den in dem Art. Damm erwähnten Zwecken, zum Schutz gegen beständig vorhandenes Wasser, ein D. nur gegen außerordentliches Hochwasser. Zuerst entstanden sind die D.e aus Verbindung der Wurthen (s. d.) und bilden stets geschlossene Systeme, Eindeichungen. A. Beim Deichbau allgemein gültige Regeln. Das Land zwischen D. und Wasser heißt Vorland und ist zur Haltbarkeit des D.s wesentlich nothwendig. Von dem Vorland nimmt man die Erde zum Deichbau, die dadurch entstandenen Gruben dienen zur Anschlickung. Wenn man die Erde hinter dem D. ausgräbt, bekommt man leicht Drängwasser; kein D. darf hinterwärts abschüssiges Land haben. Wo der Grund und Boden nicht fähig ist, die Last des Dis zu tragen, muß man denselben mit Holzungen einfassen. Wenn Ströme auf beiden Seiten eingedeicht werden, darf man dieselben nicht zu sehr verengen; auch zu kurze Kurven muß man vermeiden. Der D. muß genügende Höhe erhalten, nach der höchsten bekannten Hochflut bemessen; Breite u. Stärke bestimmen sich nach der Gewaltdes anströmenden Wassers. Die De werden in der Regel aus Erde ausgeführt; je schwerer diese istr um so besser; am besten ist also Thonerde, am schlechtesten Moorerde u. Sand. B. Allen Deichen gemeinschaftliche Haupttheile. 1. Grund des Deiches, Weyfeld, frz. base, f., engl. embankment, auch Deichanker, Deichfuß, Deichstuhl genannt. Die Breite desselben bestimmtsich aus Höhe, Kronenbreite und Böschungswinkel; bei lockerem Grund muß derselbe mindestens ½ m. tiefer ausgestochen werden, bevor der eigentliche Deichbau beginnt. 2. Böschungen, Seitenflächen, Dossirungen, Abdachungen, frz. talus, engl. slope. Die innere Dossirung, Landabdachung, Binnenabdachung, kann steiler sein als die äußere; Wasserabdachung, Butenabdachung, diese sei so flach als möglich, jedenfalls aber nicht steiler als 30 gegen die Horizontale geneigt; beide Böschungen seien etwas flacher als bei Dämmen, etwa in Moorboden um 12,in anderem Boden um 10 niedriger, als im Art. Böschung (s. d.) angegeben. — 3. Die Kappe, Deichkappe, auch Kamm oder Krone, frz. créte, Couronvement, engl. top, summit, gen., muß überall über den höchsten Wasserspiegel hervorragen u. mindestens 1½%½ m. breit sein. Wenn ein Weg auf dem D.hingeht, so ist die RKammbreite nach der Frequenz dieses Weges zu modifiziren; für die Konservirung des Dis ist es jedoch besser, den Weg auf der Binnenseite des D.s auf einem Banquet anzulegen. O. Arten der Deiche. 1. Hauptdeich, frz. digue f. principale, engl. main-dike, der am weitesten vorgeschobene D. eines Systems, zugleich der höchste, am Meer nach der Springflut, an Flüssen nach dem höchsten bekannten Wasserstand zu bemessen. — 2. Schlafdeich, Schloper, frz. digue de reserve, engl. spare-dike, ist ein Hauptdeich, der durch Vergrößerung des Vorlandes u. Anlage eines neuen Hauptdeiches in Ruhestand versetzt worden und nur als Reserve beibehalten wird. — 3. Flügeldeich, frz. digue latéraire, engl.side-dike, geht von dem Hauptdeich schräg über das Vorland. — 4. Sommerdeich oder Cummeldeich, in der Regel vor Wiesen angelegt, so daß solcher dieselben zwar vor den Sommerfluten, aber nicht vor den höheren Winterfluten schützt; wird mit Soden belegt, manchmal auch nur an einigen Stellen so niedrig gelassen, daß das Winterwasser überlaufen kann; hier muß besonders die innere Abdachung gegen Auskolkung (Auswaschung) gut verwahrt werden. — 5. Kaydeich, Zuterimsdeich, frz. digue provisoire, engl. provisional dike, während des Baues am Hauptdeich auf der Wasserseite desselben, zwar nur in der den gewöhnlichen Fluten entsprechenden Höhe aufgeführt, aber mit Graben u. Berme versehen; wird gewöhnlich nach Vollendung des Baues als Schlickfänger oder Schutzdeich, frz. Contre-digue, beibehalten und daher mit den nöthigen Durchlässen versehen. — 6.Rothdeich, Onalmdeich od. Deichschloß, Rothschott, Verlaath, frz. digue d'appui, engl. bemporary dike, wird während der Ausbesserung des Hauptdeiches in gegen das Wasser konvexem Bogen, ohne Graben und Berme, sowie ohne Bekleidung, um die betreffenden Bracke od. Kolke herumgeführt. — 7. Binnendeich oder Landdeich, frz. digue intérieure, Reservedeich hinter dem Hauptdeich, auch zur Aufhaltung des Binnen- oder Regenwassers dienend; gewöhnlich so angelegt, daß er 2 Anhöhen verbindet. — 8. Wenn die Binnendeiche sich einerseits an den Hauptdeich anlegen u. ins Land hineinschneiden, heißt das sie verbindende, mit dem Hauptdeich parallele Stück Ouerdeich. — 9. Achterdeich, eine Art Binnendeich an kleinen Flüssen. — 10. Grodendeich, liegt so hoch, daß ihn das Wasser nur bei großen Fluten bespült; zu ihnen gehören meistentheils die Ueberschwemmungsdeiche an Flüssen. — 11. Ueberlaufsdeich, Ueberfalldeich, frz. ein bestimmter Weg angewiesen wird; sind natürlich nur an kleinen Wässern und auch da nur mit großer Vorsicht anzuwenden. — 12. Schlickdeich, auch Schlickfänger genannt, dient zur Aufschlickung (s. d.) — 13. Blockdeich, ein durch sumpfiges Land geführter erhöhter Weg oder D. — Nach der Lage unterscheidet man auch 14. Seedeiche und 15. Stromdeiche; — nach der Einrichtung u. dem Material: 16. Kammerdeich, D. mit Kammerschleusen. — 17. Kesseldeich, frz. digue en demi-lune, engl. half-moondike, halbkreisförmig geführter Binnendeich. — 18. Faschinendeich, frz. digue de fascinage, engl. fascine-dike. — 19. Mlattendeich, frz. digue nattée, eagl. mat-dike, durch eingelegte Strohgeflechte befestigt. D. Besondere Fülle. Wenn man gemischten Boden hat, so thut man am besten, die fette Erde innerlich, den Sand äußerlich zu verwenden. Bei Ueberschreitung eines Moors mit dem Deichbau bringe man zuerst fette Erde auf u. ramme diese in den Moor ein, ehe man höher baut; oder man gebe dem D. eine Faschinenunterlage, ein Buschbett, wo er dann Buschdeich heißt. Man baue nicht stückweise bis zur ganzen Höhe, sondern auf die ganze Strecke gleichzeitig. Stehende Wasser, Baljen, Kanäle, Flüsse etc., die den D. kreuzen, sind mit Holz oder Mauerwerk einzufassen u. im D. Siele oder Schleusen für sie anzulegen, welche das Binnenwasser nach den Außertiefen leiten. An Stellen, die starkem Wellenschlag ausgesetzt sind, muß der D. mit Bohlwerk oder Steinen eingefaßt werden. Die Deichbedeckung durch Berasen, Besticken und Bekrempen (s. d. betr. Art.) ist weniger haltbar. Doch wird die Strohbestickung ziemlich fest, wenn man sie noch mit Flacken, d. h. mit Horden von Astwerk, belegt, die durch kleine Pfähle befestigt werden. Besser noch ist die Bepflanzung. Beraste De müssen alle Frühjahre gebötelt werden.