Deutschrenaissance, k., frz. renaissance primaire allemande, engl. germain revival-style, Zweig der Renaissance, der sich von den anderen Zweigen vornehmlich dadurch unterscheidet, daß die von Italien aus nach Deutschland eindringende Renaissance hier mehr als in den meisten anderen Ländern, außer in England (s. d. Art. Elisabethstil), gegen den Einfluß der Gothik zu kämpfen hatte. Obgleich sehr ausgeartet, war die Gothik doch so mit dem deutschen Volkscharakter verwachsen, bes. aber so sehr passend zu dem Klima und den Lebensformen der Deutschen, daß die von Italien kommende, namentlich in vielem Bezug dem Klima nicht recht entsprechende Nachahmung der Antike nur schwer Eingang finden konnte. Die Spuren eines langen und hartnäckigen Kampfes zwischen diesen beiden Stilen lassen sich an den Gebäuden des 16. u. 17. Jahrhunderts, ja selbst bis in das 18. Jahrhundert hinein nachweisen. Freilich entstanden daraus oft wunderbare Kombinationen, denen aber ein gewisser Charakter fast niemals abzusprechen ist. Was zunächst die Hauptdisposition der Gebäude betrifft, so blieb diese fast ganz der spätmittelalterlichen ähnlich, von den hohen Giebeln, Erkern, achteckigen Treppenthürmen etc. bis zu den verhältnismäßig niedrigen, meist zweitheiligen Fen-t stern, und den niedrigen Bogenthüren mit eingehenden Gewänden, den Sitzen an den Thürgewänden etc. Die Gewände behielten lange die tief eingeschnittenen Gliede-1 rungen, wenn auch die einzelnen Glieder der Antike entnommen wurden. Ebenso behielten die Gurtsimse ihre steilen Abwässerungen u tiefen Unterschneidungen. In der Ornamentit tritt bald die Gothik, bald die Renaissance als Siegerin auf. Die hohen Giebel finden sich oft in viele Etagen getheilt und mit Pilastern bedeckt, um die sich aber die Gebälke stets — ein Sieg der gothischen Vertikalrichtung — vollständig herumkröpfen. Bald stehen über diesen Pilastern wirkliche Fialen oder doch ihnen ähnliche Obelisken, bald an deren Stelle Vasen, Feuerkugeln, Bouquets etc.; an Stelle des über die Giebel aufragenden durchbrochenen Mäßwerkes setzen sich durch-Drachen etc.; statt der Kriech⸗ Fig. 1391. Vo blumen verwendete man Kugeln, Pinienzapfen, Köpfe etc. An den Leibern der Fialen, in den Füllungen der Postamente an Mäßwerksbrüstungen sitzen Kandelaberornamente, freilich auch nationalisirt; die freistehenden Aufsätze auf Postamenten sowohl wie die Reliefdarstellungen versuchen sich in Umbildung antiker Formen, oft als Blumentöpfe mit Phantasiepflanzen oder als Vasen, die eher Kruken od. Suppenschüsseln u. Humpen gleichen. In den Friesenu. Brüstungs-SISLIOTHIEK HEIDELBERE O Universitats füllungen wechselt oft, an demselben Bauwerk, Mäßwerk, aus dem Akanthusrosetten wachsen, mit Festons, zu welchen aber, wiederum national, Aepfel, Birnen etc. verwendet sind u. um die sich oft in ganz gothischer Weise ein fliegender Zeddel schlingt; im flachen, breitgezogenen Frontonfeld sitzt eine gothische Rosette, über dem Kropf eines antiken Gebälkes ragt ein Wasserspeier statt des Akroteriums vor, kurz in der manchfachsten, oft höchst überraschenden Weise sind die Formen der beiden Stile vermengt. Wenn nun auch auf diese Art für das geübte Auge des kritisch suchenden Beobachters viel Unsinn, ja sogar Häßlichkeiten erzeugt wurden, so macht doch die Mehrzahl dieser Gebäude in der Gesamtheit einen durchaus nicht unharmonischen Eindruck und unter den Details findet sich Manches, was nicht nur durch die geschickte Art, wie die einander von Haus aus so sehr widerstrebenden Formen der beiden Grundstile mit einander vereint und dieser Verom Otto-Heinrichsbau im Heidelberger Schloß. einigung angepaßt sind, überrascht, sondern selbst in so ursprünglicher Weise aus den Elementen, die den Gestaltungen jener Stile zu Grunde liegen, frisch heraus entwickelt ist, daß man eben nur dunkel an jene erinnert wird u.etwas ganz Neues vor sich zu haben glaubt. Dabei kann man mitziemlicher Sicherheit drei Perioden unterscheiden: 1. Von 1490 etwa bis 1540. Die Verbindungen Süddeutschlands mit Italien waren damals sogar Sbibliothek Heidelberg 1499. Burgkmaier Basilike die Altarbild der Augsburden nach Holbeins des Rathssäls zu erbaute Neupfarre zu Mäßwerkfenster, von Rahmen⸗ Pilastern lich derKiliansthurm in Heil1529 erbaut, 1520dieälteren Theile der Residenz Freising; 1530 d. Schloß in Dresden; 1533 das Tucherhaus, 1534 die Gartenhalle im Hirschvogelhaus in Nürnberg. — In den meisten dieser Bauten, sowie in vielen ande-Beispiel für die Gesamtgestaltung den 1556 bis 1559 errichteten Otto-Heinrichsbau in dem Schloß zu Heidelberg, für die Detailbildung in Fig. 1390 eine Postamentfüllung und in Fig. 1391 eine Bogenlaibung von demselben Bau, ferner in Fig. 1392 die 1556—73 erbaute Vorhalle des Rathhauses zu Köln. Man hatte die antiken Formen genauer kennen ge-Elementen der klassischen Architektur und den Resten Gothik zeigten sich schon Vorboten des Barockstils sow in den ausgeführten Bauten, als namentlich in den V lagewerken von Wendel Dietterlin, Jan de Vries, Ja nitzer etc. — 3. Von 1600—1680 circa. Die Disposit bleibt ziemlich dieselbe, wird aber etwas weniger maleri monotoner u. dabei derber, die Details nehmen schon vie Barocke an. Fig. 1393, das Pellerische Haus in Nü berg, u. Fig. 1394, ein Detail vom Friedrichsbau in d Heidelberger Schloß (1601—1608), zeigen den Charal dieser Periode, mit deren Ende die spezifisch deutsche Abzweigung der Renaissanee sich ganz in den Barockstil verlor, von welcher Phase Fig. 1395 einen deutlichen Begriff giebt. In den letzten Jahren hat man angefangen, die Deutschrenaissance wieder zu verwenden, wobei aber meist noch die Disharmonie der jetzt üblichen flacheren Dächer mit den hochstrebenden Formen der älteren Originale störend im Wegeist. Man hilft sich gern durch Anbringung einer Mansarde, die aber an sich auch nicht recht zu dem Stil paßt, weil den Dachfenstern dann das kecke Relief fehlt. Es ist aber hier wie überall: bloses Kopiren genügt nicht; die alten Originale wollen nicht einfach nachgeder Deéversoir, m., frz., Ueberlaufsöffnung im Kamm vohl eines Deiches. 6or⸗ Deéviation, f., frz., Abweichung der Längenachse einer am⸗ Kirche von der Orientirung (s. d.). tion Devil's claw, 8., engl., die Teufelsklaue, der Wolf, isch, das Kropfeisen, die Steinklaue. eles Devis, m., frz., 1. engl. device, die Baubeschreibung ürn⸗ im Bauanschlag (s.d.). — 2. d. estimatif, der Bauanschlag dem selbst. — 3. Besteck eines Schiffs. Kkter Devise, k., frz. devise, f., engl. device, ital. impresa,