Feedhoch
BaukunstBau-Lexikon 1881

hoch, aber gleich den Palazzi an der ganzen Vorderseite im Erdgeschoß u. in mindestens noch 2 Geschossen in Loggien geöffnet, hinter denen die Zimmer liegen. Bei den Palazzi gab man in diesen Städten sehr viel aufeine schöne Treppenanlage, die oft den Hof ersetzte, obschon auch schöne Höfe vorkommen, doch wurde die Hofanlage mehr gepflegt in Florenz, Sieng u. in Sizilien. Wo solche, an das römische! Wohnhaus erinnernde, aber mit Hallen auch im Obergeschoß umzogene Höfe vorkommen, da hat meist das Obergeschoß nach der Straße hinaus ganz geschlossene oder nur am Thor und einigen kleinen Fenstern durchbrochene Umfassungen. Bekanntlich war ja Italien im Mittelalter fast stets der Schauplatz von Fehden etc., so daß die Häuser zur Vertheidigung eingerichtet werden mußten. Auch ist zu bedenken, daß durch die Römerzüge etc. der deutschen Kaiser besonders in Oberitalien immer wieder von neuem viele deutsche Elemente eindrangen. Zu den Wirkungen dieses wiederholten germanischen Einwirkens gehören die Bogenlauben in Bologna, Verona, Genua etc. Der von Säulenhallen umgebene Hof, der zugleich als Sammelplatz und Salon dient, zeigt sich besonders in den Gegenden, wo die antiken Elemente noch vorherrschten, in Florenz, Rom, sowie da, wo mohammedanischer oder normannischer Einfluß sich geltend machte, z. B. in Palermo etc. Die Paläste kat der Großen sind als Mittelglied zwischen dem bürger-dit lichen Wohnhaus und den Burgen anzusehen. Aehnliches St Schwanken der Disposition zeigen die spanischen Wohn-oft häuser des Mittekalters, unter denen namentlich die mau⸗ nu rischen sich durch ihre Säulenhöfe auszeichnen. — In Eng⸗ die land endlich nahm die Entwickelung des Wohnhausbaues ein ungefähr folgenden Gang: Bis zum 12. Jahrh hatten die gewöhnlichen Wohnhäuser (engl. manor-houses) auf dem hat flachen Land die Gestalt eines länglichen-Rechtecks und ein erhoben sich in zwei Geschossen. Das untere Geschoß war gen gewölbt, zum Obergeschoß gelangte man durch eine Frei⸗ Cas treppe; in diesem Obergeschoß befand sich der einzige heiz⸗ auf bare Raum miteinem Kamin (Hre-place); Thürme waren Fer rund; ringsum lief eine Art Graben, nicht dicht am Ge⸗ sind bäude; die Fenster waren schmal und hoch. Die städtischen geö Wohnhäuser hatten in der Mitte eine Halle, die, im Erd⸗ noe HEIDELBERG O Universitätsbibliott geschoß beginnend, die ganze Höhe des Gebäudes durchschnitt, meist gewölbt, oft aber auch mit Holzdecke versehen war. Erst 1830 wurde eine solche dreischiffige Halle in Barwick niedergerissen. Die viereckigen Fenster hatten in der starken Laibung Sitze (aroll's). Im Anfang des 13. Jahrh. wurden die Wohnhäuser oft sehr mauchfach u. unregelmäßig gruppirtangelegt. Anzwei Seiten streckten sich mauerumgürtete Höfe mit Ausfallpforten und steilen Treppen (steap ravines) auf beiden Enden. Den Außenwall umzog eine Art von Graben (diteb), der aber sehr seicht war. Den Haupteingang zum Obergeschoß bildete eine überbaute Freitreppe. Die Fenster waren viereckig mit zwei Lichtern, im Obergeschoß befanden sich 3—4freplaces. Ein Beispiel ist Aydon-Castle in Northumberland. Andere, wie Mankeefield-Hall, hatten den Eingang unten, das Erdgeschoß war nur theilweise gewölbt, die Haupträume waren oben, die Treppe lag in einem Thurm, die Fenster hatten eine steinerne Kreuztheilung, die Thürme imen oft viereckig vor, der Graben war immer noch mehr itch als Graben. Im 14. Jahrh. hatten alle außer den tädten stehende Häuser Thürme; in den Städten hatten tmehrere Häuser gemeinschaftlich einen Hof mit einem ur für Fußgänger eingerichteten Eingang von der Straße; e Obergeschosse wurden vorgebaut. Holzhäuser sind in uzelnen Exemplaren erhalten. Im 15. Jahrh. waren die zallgräben nicht mehr allgemein üblich. Die große Halle itte ein Einfahrtsthor; kleine Besitzer begnügten sich mit iem thurmartigen Bau, Grenzthurm (border-tower) nannt; die Häuser der größeren Grundbesitzer hießen Stle. Gipsstuck und figürliche Verzierungen fangen an fzutreten, häufig sind die Holzhäuser mit durchlaufenden nsterreihen und Gallerien versehen. In den Städten d die Untergeschosse oft hallenartig nach den Straßen ffnet; innerlich werden die Wände meist mit Täfelwerk, ch nicht mit Tapeten bekleidet, wohl aber oft bemalt. thek Heidelberg DFC Die Decken sind zum Theil ganz von Holz zum Theil in den Feldern mit Stuckzierden versehen. Die sereens genannte Art der Holzbekleidung war häufiger als die wainscot genannte. Im 16. Jahrh. wurde das wainscot häufiger angewendet, so daß es oft die ganzen Wände überzog, während es in Hallen etc. wenig über 2 m. hoch stieg. Zugleich zeigte sich der italienische Einfluß besonders in den Decken; die Felder zwischen den Hauptbalken (girders) waren dann blos durch Gipsrippen getheilt, während anderwärts zwar girders und joists sichtbar blieben, aber gegliedert wurden. Nicht selten brachte man auch noch Abhänglinge (pendants) an oder man theilte die Decke durch Eichenrippen in Kasetten, die dann mit Stuck belegt waren. Die Treppengeländer erhielten statt der Docken Stuckverzierungen; die chimney-piece, Kaminverzierung, wurde oft bis zur Decke hinauf geführt. Holzhäuser erhielten blos noch an den Enden vorgebaute Stockwerke, während die Mitte lothrecht aufstieg, oft eine bis ins Dach offene Halle bildend, ohne fire-place. Zu Ende des Jahrh. werden die Gallerien häufiger. Diese Holzhäuser hielten, besonders in Deutschland, noch lange an den mittel alterlichen Formtraditionen fest, welche bei massiven Häusern im allgemeinen schneller verlassen wurden. Indem wir wegen der stilistischen Entwickelung nochmals auf die Stilartikel verweisen geben wir hier nur für die Hauptperioden des Mittelalters Beispiele in Fig. 2081 für die Gestaltung in frühromanischer Zeit in Frankreich, in Fig. 2082 für das deutsche Wohnhaus spätromanischer Zeit, in Fig. 2083 im Hintergrund das Templerhaus in den Formen ziemlich früher Gothik, links das hochgothische Rathhaus zu Hildesheim, in Fig. 2084 ein sehr spätgothisches H. (1570 in Brügge, kleiner Fischmarkt Nr. 7), in Fig. 2085 ein Beispiel deutscher Renaissanee, ebenso rechts in Fig. 2083. Ueber die Wohnhäuser des 16. u. 17. Jahrh. in Deutschland s. Weiteres in d.Art. Frührenaissance. Die Neuzeit brachte übrigens nicht nur am Aeußern der Wohnhäuser Veründerungen hervor. Besonders nach dem Dreißigjährigen Krieg machte sich der französische und italienische Einfluß auf die ganze Lebensweise der Deutschen, auch in Bezug auf die Disposition der Wohnhäuser, geltend. Die fortlaufenden Schlafzimmer des Herrn u. der Frau, Kinderstube u. Speisezimmer; das andere die Gesellschaftszimmer, Fremdenstuben u. Wirthschaftsrüume die Küche wird häufig in das Souterrain verlegt, die Dienstboten wohnen im Souterrain oder im Dach. Notürlich sind diese Anlagen auch vielen Variationen unterworfen; häufig kommen noch Gartensalons, Badezimmer etc. hinzu. — 2. Wohnhaus für eine Familie mit Geschäftslokal, ähnlich wie bei 1, nur mit gesondertem Eingang für die Geschäftslokalitäten, auch wohl auf 2—3 Obergeschosse erhöht und dann oft nur drei Fenster breit. Diese letztere Art ist besonders in England beliebt u. von da aus in mehrere Gegenden Deutschlands, z. B.nach Bremen, gelangt. Sie bietet die Behaglichkeit des Abgeschlossenseins im eigenen Haus auf Kosten der Bequemlichkeit, welche unter der Vertheilung der Räume in so viele Geschosse leidet, denn meist kann nur das Geschäftslokal im Erdgeschoß angebracht werden — gerückte Hofecke mit einem über Eck in einer Nische stehet den Fenster, eines sogenannten Berliner Zimmers; Leipzig die Anbringung der sog. Leipziger Kammer, eingar nicht oder doch nur indirekt beleuchteten Kämmercher am Ende des dunklen Korridors, und die Anbringur zweier Abtritte auf dem Podest in abgestumpften Winkel des Treppenhauses re. Im Aeußern sollen sich Eintheilun Fig. 2084. Haus in Brügge, kleiner Fischmarkt Nr. 7. u. Konstruktion möglichst klar aussprechen, der Charakter des Wohnhauses sei freundlich u. einladend, gemüthlich u. ruhig; s. übr. d. Art. Anordnung, Arbeiterwohnungen, Charakter u. Eintheilung. Die Lage des Bauplatzes nach den Himmelsgegenden muß bei dem Legen der Räume, bei der Vertheilung der Fenster, bei der Anlage der Abtritte u. Essen sorgfältige Berücksichtigung finden. Hausühre, f., s. Aehre 2. Hausaltar, m. u. n., frz. autel m. domestique, engl. Gomestic altar, lat. altare domesticum, kleiner Altarauffatz für eine Hauskapelle, s. Altar. Hausbank, k. (Mühlb.), 1. bei deutschen Windmühlen der Ständer, welcher senkrecht auf den Kreuzschwellen des Bockes steht u in das Mühlhaus hineinragt, das um seinen Zapfen gedreht werden kann. — 2. Bei anderen Mahlist mühlen Schwellen, auch hansbaume enannt, von starkem ig; Eichenholz, auf welchen die Docken vom M ühlgerüst ruhen. irf-Hausenblase, kf. oder Sischleim, W., franz colle f. de er⸗ poisson, ichthyocolle, f., engl. isinglass, fish-glue, wird 26. gewöhnlich von der Blase des Hansen (Koipenser KHusc) lu⸗ gewonnen. Es ist dies ein zum Geschlecht der Störe gelen höriger Fisch, der bis 7½ m. lang und 500—1400 Kg. che schwer wird. Man fängt ihn in größeren Mengen jährin lich im Kaspischen, Schwarzen und Asowschen Meer, sowie er; in der Wolga und anderen Strömen jenes Gebietes. Die ick-Schwimmblase dieses Fisches wird der Länge nach aufin⸗ geschnitten, durch Einweichen in Wasser und Kalkwasser ö Fig. 2085. Leibnitzhaus in Hannover. von Blut u. Fett gereinigt, dann die äußere Haut beseitigt und die innere an der Sonne erweicht, darauf in verschie⸗ „dener Weise geformt, meist zusammengerollt u. in Platten getrocknet. Die beste Sorte ist sehr weiß, fettglänzend, „durchscheinend, trocken, aus feinen Häuten zufammengesetzt. Behufs der Benutzung wird sie geklopft, in kaltem Wasser eingeweicht, bis zum Sieden erhitzt oder in verdünntem Weingeist aufgelöst, und giebt dann einen sehr feinen Leim. Wird auch zum Klären mancher Flüssigkeiten, zum Glasiren verschiedener Stoffe sowie zum Kitten von Porzellan u. Glas, endlich zu Herstellung eines durchsichtigen Papiers, der Hausenblasenfolie, ürz. papier glace, papier gélatine, engl. sheet-gelatine, gebraucht. Hausflur, Hausdiele, hausehre, Deele k., Hansärn, Gehrn, m. frz. vestibule, m., engl. entrance-hall, der Raum in Sbibliothek Heidelberg DFC

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 16Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Baukunst 6