Feeddorische Bauweise
BaukunstBau-Lexikon 1881

dorische Bauweise, 1., frz. architecture f. dorique, engl. doxian, doric architecture. Nach den Doriern, einem Hauptzweig der Hellenen, zuerst zwischen Parnaß, Oeta u. Korax, sowie an der karischen Küste in Kleinasien angesiedelt, wurde eine Abzweigung des griechischen Stils dorisch genannt. Von einem dorischen Stil zu sprechen ist unrichtig; man kann höchstens von einer dorischen Bauweise, ja, ganz scharf genommen, eigentlich nur von einer dorischen Säulenordnung reden, und zwar, da auch die Römer mit Veränderungen dieselbe sich aneigneten, von einer griechisch-dorischen und römisch-dorischen. A. Griechisch-dorische Säulenordnung, auch altdorisch gen. Dieselbe ist einfach, ernst und ruhig, die älteste u. schwerfälligste unter den griechischen Ordnungen. Die Verhältnisse der Säulen schwanken; so beträgt die Höhe zwischen 3¾ (in Letimat) u. 5,% (Propyläen zu Athen) Durchmesser, die Verjüngung ist ziemlich bedeutend, bis zu / des unteren Durchmessers, eine Entasis entweder gar nicht vorhanden oder sehr schwach, z. B. beim Parthenon (dessen Säulenordnung s. in Fig. 1410 u. 1411) blos ½2 des unteren Durchmessers; die Kanälirungen, hier u. da 16, doch meist A Lichten von 1 bis 3 Durchmessern, sig. 1419. kleinasiatische Architektur anlehnt, d. h. Holzkonstruktion darstellt. Dies ist vielfach mißverstanden worden; selbst sogenannte Kunsthistoriker haben darzuthun iglit / mothes 1882bd?/0180 versucht, daß die dorische Gebälkfform aus einer Nachahmung des Holzbaues in Stein entstanden sei, u. haben die in Fig. 1417 wiedergegebene Illustration ihrer! Theorie aufgestellt. Aber von einer Nachbildung kann schon reden, nicht von einer Nach ahmung;: zwischen ersten Versuch, an Stelle der hölzernen Verbandstücke steinerne zu setzen, bei welcher Gelegenheit vielleicht eine Nachahmung der Holzform in Stein stattgefunden haben Säulen liegt ein glatter Architrav, a Fig. 1418, 0,6 bis Durchmesser hoch, an seiner oberen Kante mit einem Plättchen von 0,63—0„ Durchmesser Höhe eingefaßt. Der Architrav hat die Breite des unteren Säulendurchmessers stößt sich auf den Säulen; bei Mangel an genügend großen Blöcken wurde er aus 2—3 auf die hohe Kante Fig. 1421. Fig. 1422. Fig. 1423. Fig. 1424. Fig. 1425. Fig. 1426. ganz anders Querbalken, ja sehr häufig liegen letztere viel höher als! Triglyphen, welche vielmehr als Stützen anzusehen die erst das eigentliche Balkenwerk der Decke tragen t zugleich als Fensterpfeiler dienen, denn die Zwischenräume derselben, welche Metopen heißen und in der Regel quadratisch sind, wurden vielfach offen gelassenu. dann mit Vasen u. Schädeln von Opferthieren, Aasköpfen (s.d.) bein anderen Fällen durch verzierte Platten verschlossen, so, daß diese gegen die Triglyphen zurückstehen. Jeder Triglyph bildet eine Tafel von 9. —0,, Durchmesser Breite zwei ganzen und zwei halben Kanälirungen mit dreieckigem Querschnitt. Die Frieshöhe kann differiren zwischen 0,3„ u. 0,35 Durchmesser. Unmittelbar über dem Säulenmittel muß stets ein Triglyph stehen, außer bei den Ecksäulen, wo die Intercolumnien um so viel schmäler gemacht werden, daß der Triglyph an die Ecke rückt; unter jedem Triglyph steht am Architrav ein Plättchen mit 5 bis 6 Tropfen; über Metopen und Triglyphen verkröpft sich ein Plättchen von 0, —0,e Durchmesser Höhe und sehr geringer Ausladung. Es kommen jedoch auch dorische Gebälke ohne Triglyphen vor; vergl. d. Art. Atriglyphon. Dielenköpfen besetzt ist, an welchen Tropfen hängen, siehe Fig. 1420. Die Ausladung der Hängeplatte differirt zwischen 0,33 und 1, Durchmesser, die Höhe zwischen 02 und 0,21. Die Hängeplatte ist oben mit einem Riemchen eingefaßt, das aber auch fehlen kann; auf den Langseiten des Daches läuft darüber noch eine Sima in Gestalt eines Echinus oder Karnießes, mit Löwenköpfen besetzt, welche zum Ausspeien des Regenwassers dienen, das sich in der Sima sammelt; wo diese fehlt, ist die Dachdeckung mit verzierten Stirnziegeln versehen. Die Wandflächen bekommen ein Fußglied nach Fig. 1424, 1425od. 1426, u. ein Bekrönungsglied nach Fig. 1421, 1422 od. Fig. 1423; die Wandpfeiler — oder Anten und die danach gebildeten Pilaster haben gleich den Säulen keinen Fuß; ihr Kapitäl, siehe Fig. 1427 bis 1431, hat einen hohen Hals, oft mit Palmettenreihen oder Anthemien verziert, s. Fig. 1430, u. von dem vierkantigen Abacus durch ein blattähnlich übergelegtes Kymation oder durch einen Adlerschnabel getrennt, welcher auch häufig mit Blättern bemalt ist. Die Rechtfertigung daf ür, daß man nicht blos von einer dorischen Säulenordnung, sondern von einer dorischen Bauweise spricht, liegt darin, daß auch die übrigen, nicht mit dem Säulensystem zusammenhängenden Bautheile etwas abweichende Form hatten. Fig. 1432 zeigt ein dorisches Fenster von den Propyläen der Akropolis zu Athen, Fig. 1433 das Gewändedetail dieses Fensters; die Thüren waren oben schmäler als unten; die gewöhnlich glatten, höchstens einmal abgeplatteten und durch ein Leistchen eingefaßten Gewände verjüngten sich ebenfalls nach oben, hatten dort an den Seiten Ohren und tatsbibliotheK Heidelberg waren wohl auch hier und da mit einem schwachen u einfachen Verdachungsglied überlegt. Die dorischen Bauten waren meist polychrom ausgestattet. Die glatten Wandflächen sind oft dunkelgrün oder dunkelroth gemalt, die Kanälirungen weiß, blau oder roth; der Echinus mit roth und gelben Eiern, die aber, gleich den oben erwähnten Blättern, sehr steif sind; der Abacus gelb, der Fries mit einer dunklen todten Farbe; die Schlitze in den Triglyphen blau oder grün, die Fläche hell, die Metopen dunkelbraun oder dunkelblau; die Kranzleiste entweder ganz weiß oder f weiß mit blauen od. grünen Pfeifen; die Sima mit bunten Blättern. Dielenköpfe und Tropfen sind lebhaft gefärbt,‚ ebenso alle kleineren Glieder, während die Farben der größeren Flächen gedämpft aufgetragen sind. Die Kassetten der inneren Decken, in der Regel quadratisch und sehr tief, sind häufig mit großen goldenen Sternen auf blauem Grund, u. die sie umgebenden Glieder mit bunten Blättern besetzt, so daß das ganze architektonische Gerippe der dn Ordnung in buntem Farbenschmuck prangte. Die Akroterien waren mit einfachen Palmetten od. mit Statuen besetzt. B. Römisch-dorische Sänlenordnung. Die Römer wollten die dorische Ordnung verfeinern, gaben deswegen den Fig. 1425. C. Vignola und seine Nachfolger gingen in diesen Verunstaltungen noch weiter, indem sie die Säulen mit Rustik umzogen und überhaupt eine Menge sog. Verbesserungen anbrachten; darüber s. d. Art. Renaissance.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 170Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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