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TechnikBau-Lexikon 1881

Elektrizitüt, k., frz. electricité, f., engl. electricity, auch Bernsteinkraft gen. (von ον, der Bernstein), eines der Imponderabilien, zeigt sich am einfachsten, wenn man eine Siegellackstange mit Seide, Wolle od. dgl. reibt und nahe über kleine Papierfehnitzel hält. Die letzteren werden eine Zeit lang lebhast angezogen u. wieder abgestoßen. Im Dunkeln giebt ein solcher geriebener Körper sichtbare Fünkchen. Genau so schlägt der Blitz zwischen zwei Wolken od. zwischen Wolke u. Erde über. Durch Reiben wird eigentlich jeder Körper elektrisch, doch mit dem Unterschied, daß eine gewisse Körperklasse nur an den geriebenen Punkten diese Eigenschaft annimmt, während eine andere sie auf der ganzen Oberfläche vertheilt u sogleich an einen andern Körper derselben Klasse ganz abgiebt. Jene ersteren nennt man nichtleidende Körper (Isolatoren), die letzteren leitende. Zu jenen gehören z. B. Glas, Harze, Seide, Wolle etc., zu diesen alle Metalle, feuchte Erden, auch der menschliche Körper etc. Auch in einem guten Leiter kann die Elektrizität durch Umgebung mit Isolatoren erhalten, gleichsam eingeschlossen werden. — Die durch geriebenes Glas erzeugte E. nennt man gewöhnlich positive oder Glaselektrizität, frz. Electricite positive, vitrée, engl. positive, vitrous electricity, u. bezeichnet sie durch + E, die durch Harzerzeugte negativeE. (—E), auch Harzelektrizität, frz. Electricité négative, résineuse, engl. negative, resinous electricity. Gleichnamige Elektrizitäten (also EEu. + E, od. — Eu. — E) stoßen einander ab, ungleichnamige (EE und — E) ziehen einander an. In größerem Mäßstab gewinnt man die E. durch die Elektrisirmaschine, den Elektrophor, od. durch die Volta'sche Säule (s. hierüber „Galvanismus“). Zu Experimenten, bei denen sehr starkeelektrische Entladungen nöthig werden, bedient man sich der sog. Batterien, d. h. eines Systems von in⸗ und auswendig ziemlich bis an die Ränder mit Stanniol überzogenen Glasgefäßen, gewöhnlich Leydener Flaschen gen., welche im Stande sind, erst eine große Anzahl elektrischer Funken aufzunehmen u. sie dann, bei der Entladung, mit einem Schlag wieder abzugeben. Die E. wirkt1) mechanisch, sie zieht Körper an od. stößt sie ab, ddurchbohrt sie wohl auch, spaltet trockenes Holz etc.; 2) opustisch, sie wird im Dunkeln sichtbar, als überschlagender ⸗„JFunke od. als ausstrahlender Lichtbüschel; 3)chemisch, „sie zerlegt viele Körper in ihre näheren Bestandtheile, ent⸗ „zündet andere, schmilzt Metalle re. Am großartigsten tritt „die E. im Gewitter auf, das zuerst Prof. Winkler in Leipzig (1746) nach den bekannten Gesetzen der E. erklärte; u. als auch Franklin sich durch angestellte Experimente von der „Identität des Blitzes u. des elektrischen Funkens überzeugt 1hatte, trat er mit der Idee des Blitzableiters (f. d.) hervor, „der dadurch, daß er einer elektrischen Eutladung einen guten k Leiter darbietet, ihre zerstörenden Wirkungen von benachbarten Gegenständen abhält.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 233Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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