Elektrische Entladung. Wenn ein elektrischer Körper seine freie Elektricität verliert, so sagt man er wird elektrisch entladen. Die Entladung eines elektrischen Körpers erfolgt ohne weiteres langsam durch die Feuchtigkeit der umgebenden Luft so- wie durch letztere selbst, indem die Dampf- und Luftteilchen, welche den elektrischen Körper berühren, durch Mitteilung mit ersterm gleichartig elektrisch, daher abgestoßen, und immer wieder aufs neue durch solche Elektricitätsentzieher ersetzt werden, bis endlich der Körper seine freie Elektricität völlig eingebüßt hat. Die Entladung eines elektrischen Körpers kann aber auch äußerst schnell vor sich gehen, indem man denselben leitend mit der Erde oder mit einem entgegengesetzt elektrischen Körper verbindet. Hierbei können während der Herstellung der Entladung elektrische Funken mit gewisser Schlagweite (s. Elektricität) auftreten. Dies ist der Fall, wenn die Elektricität eine hohe Spannung besitzt und zwischen der Ableitung und dem zu entladenden Körper Isolatoren (Luft, Glas u. dgl.) liegen. Die elektrische Entladung erfolgt dann plötzlich mit Knall und heißt (nach Faradays «disruptive Entladungo im Gegensatze zur ruhigen «konduktiven Entladung v mittels durchaus guter Leiter. Während der Entladung geraten die entgegengesetzten Elektricitäten in eine entgegengerichtete Bewegung, welche elektrischer Strom (s. Elektricität) heißt. Nach einer freilich nicht genauen Messung von Wheatstone (1833) betrüge die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Reibungselektricität in einem Kupferdrahte von 1,5 mm 463 133 km, d. i. nahezu um die Hälfte mehr als jene des Lichts im Weltraume. Jedenfalls erfolgt in guten Leitern die elektrische Fortpflanzung mit einer außerordentlichen Geschwindigkeit, sodaß sie in den besten Leitern der Geschwindigkeit des Lichts nicht nachsteht, welches letztere bekanntlich den Abstand vom Monde bis zur Erde in wenig mehr als einer Sekunde zurücklegt. Es hängt diese Geschwindigkeit der Elektricität aber wesentlich auch von der Substanz ab, in welcher sie fortgeleitet wird, sodaß dieselbe z. B. in Kupferdrähten, unter sonst gleichen Verhältnissen, größer ausfällt als in Eisendrähten. Bei dieser Fortpflanzung der Elektricität findet also ein gewisser Widerstand statt, der sich auch durch andere Versuche nachweisen läßt. So z. B. verzögern gleichlange und gleichdicke Drähte aus verschiedenen Metallen die elektrische Entladung einer Batterie sehr ungleich und werden andererseits durch gleichstarke Entladungen in sehr verschiedenem Grade erhitzt. Am besten leitet (oder den Himumt u. Widerstand setzt entgegen) das Silber. Nimmt man bei 0 C. die Leitungsfähigkeit des Quecksilbers gleich 1, so kommt (nach Matthiessen) auf Neusilber 5, Eisen 10, Platin 11, Zink 18, Messing 20, Gold 48, Kupfer 63 und Silber 67. Mit zunehmender Temperatur wird die Leitfähigkeit der Metalle schwächer. „Zu den wichtigsten Wirkungen der elektrischen Entladung gehören diejenigen der ECrwärmung des Drahtes, welcher zur Entladung benutzt wird (. Elektrisches Glühen), sowie auch verschiedener Körper, durch welche der elektrische Funke geleitet wird. Läßt man einen kräftigen elektrischen Funken auf Schwefeläther, Schwefelkohlenstoff oder erwärmten Weingeist, welche in einem mit der Erde oder mit dem negativen Konduktor leitend verbundenen Metallschälchen (Blechlöffel) enthalten sind, überschlagen, so entzünden sich jene Flüssigkeiten. Statt des Metallschälchens kann auch zu solchen Versuchen ein unten verpfropfter Glastrichter (f. Tafel: Elektrische Entladung und Elektrisiermaschinen, Fig. 1) dienen, wo! die Zu- und u h die Ableitung für die Elektricität bedeuten. Damit man nur wenig Schwefeläther brauche, kann der Trichter unten Wasser enthalten, auf welchem jener als dünne Schichte schwimmt. Gepulvertes Kolophonium, welches auf Baumwolle gestreut ist, entzündet sich durch einen kräftigen elektrischen Funken; ebenso verschiedene Zündpulver, worauf die Kelektrische Entzündungo von Sprengladungen u. dgl. m. beruht. Auch Knallgas (s. d.), durch welches man einen elektrischen Funken schlagen läßt, entzündet sich. Hierzu dient am besten die von Volta (1777) erfundene«Elektrische Pistoley (Fig. 2), welche aus einem Blechgefäß besteht, das mit Knallgas gefüllt und mit einem Korkstöpsel geschlossen ist. Die elektrische Zuleitung baa ist mittels eines Glasröhrchens te vom Gefäß isoliert. Läßt man, während letzteres leitend mit der Erde verbunden ist, einen elektrischen Funken nach der Kugel b hinschlagen, so springt dieser auch zwischen a und dem Blechgefäß über, wobei das Knallgas entzündet und der Pfropfen, unter lautem Knall, von der Spannkraft des erhitzten Gases fortgeschleudert wird. Das Knallgas wird hier am einfachsten erhalten, wenn man etwas Wasserstoff zu dem Sauerstoff der atmosphärischen Luft in der elektrischen Pistole treten läßt. Auf dem Prinzip der letztern beruht das Eudiometer (Luftgütemesser) Voltas. Auch die Clektrischen Lichterscheinungen (s. d.) und das Elektrische Glühen (s. d.) rühren in letzter In-End von der erwärmenden Wirkung der elektrischen Entladung des elektrischen Entladungsfunkens her. Unterbricht man (z. B. in einer Glasröhre Fig. 3) die gut leitende Bahn einer starken elektrischen Entladung in kleinen Abständen durch schlechte Leiter (Glas), so erhält man eine Reihe elektrischer Funken, welche, wegen der großen Geschwindigkeit der Clektricität, nahezu gleichzeitig wahrgenommen werden. Hierauf beruht die Brillant⸗ oder Blitzröhre (Fig. 3) und ähnliche Blitztafeln. Beim Versuche verbindet man das untere metallische Ende der Blitzröhre leitend mit der Erde, während man auf ihre obere Metallfassung aus größerer Schlagweite einen elektrischen Funken vom Konduktor überspringen läßt. Die Farbe des elektrischen Funkens und ebenso seine Schlagweite ist in verschiedenen Gasarten sehr verschieden. Elektrische Entladungen, selbst nur so schwache, wie einzelne Funken aus dem Konduktor einer Clektrisiermaschine, gehen leicht durch einen Raum, in welchem die Luft stark verdünnt worden ist, und bieten einen prächtigen An. blick, indem der ganze luftverdünnte Raum sich, je nach den Umständen, mit weißlichem, rötlichem oder rötlichviolettem Licht erfüllt. (S. Elektrische Lichterscheinungen.) Durch einen völlig luftleeren Raum dagegen Hehe selbst der mächtigste elektrische Funke nicht, der leere Raum gehört also zu den Nichtleitern. Die elektrische Entladung erfolgt besonders leicht mittels leitender Spitzen (. Elektricität und Elektrische Lichterscheinungen). Hält man gegen eine mit dem elektrischen Konduktor einer Clektrisiermaschine verbundene Metallspitze (s. Fig. 4) eine Kerzenflamme, so wird sie fortgeblasen (elektrischer Wind). Die an der Spitze liegenden Luftteilchen werden nämlich durch die ausströmende Elektricität mit der Spitze gleichnamig elektrisch und folglich abgestoßen. Auf einer ähnlichen elektrischen Abstoßung beruht das elektrische Flugrädchen (Fig. 5), bei welchem Metalldrähte, die alle nach derselben Richtung gebogen und gespitzt sind, auf einer mit einem elektrischen Konduktor leitend verbundenen Metallspitze nach einer Richtung in Umdrehung geraten, welche jener der Radspitzen entgegengesetzt ist. Aus den Spitzen strömt nämlich Clektricität aus. Dadurch werden die anliegenden Luftteilchen mit den Spitzen gleichnamig elektrisch und stoßen die letztern zurück. Faßt man die aus den. Radspitzen ausströmende Elektricität als eine elastische Flüssigkeit auf (s. Elektricität), so erscheint das elektrische Flugrädchen als ein Reaktionsrad. Ein kräftiger Entladungsfunke kann auch mancherlei mechanische Wirkungen erzeugen. Befestigt man z. B. eine wohl abgetrocknete Glasplatte zwischen zwei einander gegenüberstehenden Metallspitzen, und leitet man durch diese einen kräftigen elektrischen Funken, so wird das Glas durchbohrt. Die Durchgangsöffnung der Elektricität ist strahlig, fast sternförmig. Das elektrische Durchschlagen gelingt besonders leicht, wenn die Glasscheibe in einem Olbad steht oder vorher beiderseits mit Ol bestrichen worden ist. In ähnlicher Weise wie eine Glasscheibe werden auch eine oder mehrere Spielkarten von einem kräftigen elektrischen Funken durchbohrt, wobei ein beiderseits nach außen aufgeworfener Rand auffällig ist. Zu den letztern Versuchen bedient man sich meist des stärkern Funkens der elektrischen Kondensatoren (s. d.). Die elektrische Entladung der letztern erfolgt gewöhnlich mittels einfacher, gabelförmiger Auslader (s. Batterie): soll jedoch der Entladungsfunke in bequemer Weise durch verschiedene Körper geführt werden, so bedient man sich des von Henley (1775) erfundenen allgemeinen Ausladers (Fig. 6), bei welchem die Zuleitstäbe verschiebbar und nach allen Seiten beweglich sind. Die elektrische Entladung erzeugt auch verschiedene chemische Wirkungen, so z. B. die Ozonierung des Sauerstoffs der Luft. (S. Ozon und Elektrischer Geruch.) Auch die physiologischen Wirkungen der elektrischen Entladung sind mancherlei. (S. Elektrisiermaschine, Versuche damit.)