Feedenglisch-gothische Bauweise
BaukunstBau-Lexikon 1881

englisch-gothische Bauweise, m. englische Gothik, f. style anglo-gothique, engl. english gothic style, no nal durchgebildete Abzweigung des gothischen Stils.“ den Engländern oft nur english style gen., und fälsck als besonderer Stil betrachtet, blühte er aus der anglomannischen Bauweise (s. d.) auf u. seine Entwickelung Fortbildung fällt etwa in die Zeit von 1150—1500. englischen Archäologen unterscheiden sehr viele Entwickelungsphasen und nennen jede derselben einen besonderen Stil. Obgleich dies natürlich noch weniger gerechtfertigt ist, so folgen wir doch, um zu dem Auffinden der Ausdrücke in englischen Werken Anhalt zu geben, dieser Eintheilung. — 1. Uebergangsphase, ca. von 1150—1220, engl. semi-norman, mixed norman, transition-style, frz. style roman tertiaire en Angleéterre, das For nensystem ist anglo-normannisch (s. d.), mit Anwendung stumpfer Spitzbogen, Hufeisenbogen und überhöhter Rundbogen (stilted arch), u. zwar scheint es, als wenn die Konstruktionsbogen zeitigerals die dekorativen Bogen, Bogenfriese, kleine Fenster etc., sich zugespitzt hätten; sehr häufig findet man größere Oeffnungen u. Gurtbogen rc in Spitzbogen, kleine Fenster, Bogenfriese etc. in Rundbogen gestaltet. Die Disposition re. ist noch romanisch u nicht sehr von der kontinentaler Bauten verschieden; ja die Entwickelung bleibt sogar in manchen Stücken hinter der kontinentalen zurück. Bes. ist die Opnamentik noch sehr gebunden. In der Gliederung beginnt die Hohlkehle bereits eine Rolle zu spielen. Beisp. Abteien zu Buildmas (Shrapshire), Malmesbury (Wiltshire), die Trinitychapel u. Beckets erowun in der Kathedrale von Canterburyetc. Die Formen der Details s. im Art. Anglo-normannisch. — 2. Frühenglisch, early english style, lancetpointed, first pointed, frz. style ogival primaire en Angleterre, auch Lanzettenstil gen., beginnt mit Heinrich III. um 1216 und herrscht bis etwa 1280. Obgleich aus dem anglo-normannischen hervorgehend, unterscheidetsich doch der unter kontinentalem Einfluß entstandene frühenglische Stil schon in wesentlichen Punkten von seinen Vorgängern; die dicken Mauern weichen den dünneren, blos an den Anfallspunkten der Gewölbe oder Dachbinder durch Strebepfe verstärkten Wänden. Ueber die Gestalt dieser Strebepfe belehrt Fig. 1587; a ist ein Strebepfeiler von 1230; Detail der Abdachungen; dein Strebepfeiler von 1. (mit Giebeln besetzt, pedimented); e Detail der SIEIIOTEEK HEIDELSERE O Und werden nun fast allgemein spitz, die geraden Soffiten derlken-sel von Hohlkehlen und Stäben, wozu an den Thüren der rTben atio-Von hlich Fig. 1587. Frühenglische Formen. nor- und Ueberschlagsims kommt. Fig. 1587 e u. f sind solche Glie-Die derungen von 1230, g von 1240, h von 1250. Die Ornaeiler mente, im anglo-normannischen Stil an diesen Gliedeeiler rungen so häufig, verschwinden wenigstens theilweise, die das Schäfte werden schlanker, die vier Dienste stehen nicht 250⁰ mehr unter den Ecken, sondern auf der Mitte der Seiten Ab-⸗ an rundem Kernschaft und sind in der Mitte ihrer Höhe Fig. 1592. Fig. 1593. Fig. 1596. 8 Fig. 1597. Frühenglisch-gothische Bauformen. gebunden. Die Basen behalten die attische Form, haben aber nicht immer Eckblätter, auch manchmal runden Plinthus. Die Helmbedachung der Thürme wird allgemeiner, das Hauptverhältnis der Thürme schlanker; überhaupt alle Hauptformen werden eleganter, behalten aber dabei noch die alte Schlichtheit, s. Fig. 1588, auch das Vorherrschen der Horizontale u. die Betonung der Längenperspektive. Der Chorschluß ist meist rechtwinklig, woran sich oft noch eine rechtwinklige Lady-chapel schließt; das Langhaus schmal und niedrig, das Querhaus oft mit einem östlichen Seitenschiff versehen, wohl auchnoch ein zweites kleines Querhaus hinzugefügt. Die Symbolik spielt eine größere Rolle als früher in der Dekoration und selbst in den Konstruktionstheilen; so findet man z. B. Pfeilergrundrisse gebildet durch 3 Kreise (die Dreieinigkeit), 5 gerade gestellte (5 Wunden) u. 7 diagonal gestellte Quadrate (7Sakramente); horizontale Unterbrechungen sind jedoch bei weitem häufiger als im Deutsch-Gothischen. — Die Gurtsimse zeigen ziemlich unreife Formen. Einige davon geben wir in Fig. 1589: a ist ein quirked ogee (gedrückter Karnieß) von 1220, b ein roll-moulding (aus der Rolle 8 hergeleitet) von 1240, d u. e sind roll-and-filletmouldings von 1250; k ein filleted round maoulding u. gein filleted ogee aus derselben Zeit. Auch indented tables (s. d.) kommen vor. Allmählich, namentlich bei reicheren Hauptsimsen, werden die Profile kühner; die lozenges, zigzags werden häufig unterarbeitet, das 1ozenge geht allmählich in das toothed-ornament (s. d.) über. In den Hohlkehlen oder an größeren Fasen sitzt entweder nur wenig oder ungraziös bewegtes Blattwerk, namentlich len, s. Fig. 1590, 4 von 1180, b von 1220, von 1250, e und fvon 1246, d u. g später, oder ungeheuerliche Darstellungen, aus Menschen⸗ und Thiertheilen zusammengesetzt und gewöhnlich ziemlich roh gearbeitet; Fig. 1590 h ist ein Beispiel vom Jahr 1280. Die Kämpfergesimse werden seltener, sind aber da, wo sie vorkommen, ziemlich stark ausgeprägt; Nasen in den Fensterbogen sind anfangs ziemlich selten, von 1250 an häufiger; größere Portale sind häufig in zwei Oeffnungen getrennt; die Vorhallen, porches, stets mit hohen Giebeln versehen; die Schäfte sind noch häufig rund, oder haben doch einen runden Kern, an welchem nicht mehr an den Ecken, sondern auf der Mitte der Seiten die Dienste als Halbsäulen sitzen; letztere sind, wenn sehr schlank, durch Ringe unterbrochen od. auch gebunden; die Hauptform der Kapitäle ist glockenförmig mit einem schnabelförmigen Glied, round Hlleted, um den Hals; jeder Dienst hat sein eigenes Kapitäl, welches aber mit dem danebenstehenden durch Herumziehen des Halsgliedes und Abakus zusammenhängt; der Abakus ist meist rund im Grundriß, die Gewölbrippen steigen noch nicht organisch aus den Diensten hervor, sondern ruhen oft auf Kragsteinen, während die Dienste nur die Gurtbögen tragen. Die Wölbrippen fehlen auch wohl ganz, bes. am Steingewölbe, wo sie aber eintreten, nehmen sie buntere Profile an, s. Fig. 1591. — Aehnlicher Wandlung unterliegen die Bogenglieder der Fenster u. Thüren; das Blattwerk entweder trefoil, wie in Fg. 1592, ein Kapitäl aus Stockbury in neben einander stehender Fenster umzieht ein Ueberschlagsims, der am Kämpfer auf Konsolen ruht. Beispiele davon Fig. 1146, 1147 und 1595. Die Hauptsimse tragen öfter Brüstungen statt der früheren Zinnen; Fig. 1596 von 1250 u. Fig. 1597 von 1280 lassen zugleich die Maßwerkformen erkennen. Die Dächer, unter 50e bis höchstens 60 geneigt, haben Giebel, sämtliche Konstruktionstheile des Daches, sogar die Mauerlatten sind verziert; Weiteres darüber s. unten beim Profanbau. Ueber dem Porch liegt ein kleines Gemach, Zimmer, als Gewandraum; neben dem Porch die Küsterwohnung, zeta, zeticula gen.; der Taufstein steht am Westende bei der südlichen Thür. Von steife Stengel u. krause Blätter; für die im Vergleichzeitigen kontinentalen Arbeiten höchst un-Formen der Kriechblumen, Kreuzblumen u. geben wir Beispiele in Fig. 1600: à ein Taberin Longeompton (Warwickshire) aus der Zeit um —. blume von diesem Frühenglisches Tabernakel. condaire, rayonunserm hochgothischen Stil, beginnt 1275 unter und dauert bis 1380 (Edward III.). In dieser entfernte sich die engl.gothische Bauweise immer ihrem Mutterstil; im Anfang schien das Ganze Fig. 1601. Formen des decorated style. Aufschwung nehmen zu wollen, der aber bald eine Richtung nahm; der Spitzbogen wird etwas stum-Auskehlungen in den Simsprofilen werden flacher kleinlicher, zwischen den Rundstäben treten kleine Plätthervor, der Karnieß fängt an, sich hier u. da geltend zu Fig. 16014 giebt einige Fenster⸗ u. Portalbogen-Säulenfuß von 1320, Fenster-Mittelpfosten, e Gurtsimse, f Abakusprofile, g u. h Hauptsimse von 1290 u. 1320; im Innern findet man selten runde, hier u. da achtseitige od. sechseckige, häufiger noch sternförmige od. bündelförmige Schafte. Fig. 1602 a ist ein Pfeilergrundriß aus der Wellskathedrale von 1350; oft auch haben die Dienste keine Kapitäle, sondern erscheinen als Verlängerung der Rippen nach unten; die Eintheilungen der Gewölbe werden vielfältiger, die oft tief herabhängenden Schlußsteine reich verziert, die Rippenprofile s. Fig. 1602 b, cu. d; wo die Gewölbe fehlen, werden die Dachstühle reich gekehlt u. Balken und Streben bilden zusammen einen gedrückten Spitzbogen, manchmal sogar einen Stichbogen; die Dächer sind häufig ganz flach, selten steiler als 45e, wie denn überhaupt die Verhältnisse der Gebäude aus dieser Periode breiter sind als die in dervorigen; die Portale, selten in zwei Lichten getheilt, gehen nicht mehr so tief ein, die Gewände aber sind tiefer u. reicher gegliedert, die Fig. 1603. Säulen an denselben klei⸗ Formen des decorated style. ner, nicht mehr einzeln eingesetzt, sondern mit den Gliedern verbunden, häufig ganz ohne Kämpfergesims, od. mit kleinen, schlanken, blattlosen Kapitälen. Die Porches sind meist wägrecht durch eine Brüstung bekrönt, Giebel werden seltener und sind dann von Holz; die Thürflügel erhalten ihre Verzierung nicht nur durch Bänder, sondern auch durch reich verzierte Felder; auch das Mäßwerk in den Fenstern, anfangs nur aus Kreisen u. Vierblättern bestehend‚ gestaltet sich allmählich reicher, namentlich kommen mehr Fischblasen vor als früher; selten ist das Mäßwerk organisch entwickelt, die Nasenenden aber sind oft sehr reich verziert, s. den Art. Featheéring. Ueberschlagsimse folgen nur selten noch der Bogenform, sondern sind meist viereckig, werden mächtiger u. gehen oft beim Kämpfer horizontal bis zum nächsten Fenster weiter od. sitzen auf Kopfkonsolen (Corbelheads); die Mittelpfosten d. Fenster gehen alle am Kämpfer in das Mãäßwerk über; geschweifte Bogen (Eselsrücken) kommen hier u. da vor, auch scheitrechte „Fenstermitu ohne Ueberschlag. Gurtsimsförmen sind roll1 moulding, s. Fig. 1589 b; bevelled off, s. Fig. 560, doch auch die in Fig. 1601 e gegebenen. In den größeren Hohlkehlen sitzen, statt des immer seltener werdenden toothed,i einzelne Ballenblumen (s. d.) oder vierblätterige Blumen e (quatrefoils), in regelmäßiger Wiederholung, oder auch anderes Blattwerk, wie Fig. 1603 4 u. b. Ein Beispiel für das an Kapitälen häufig vorkommende orumbled leaf ist Fig. 1603 6. Die selten abgesetzten, aber stets begiebelten (pedimented) und oft sehr reich verzierten Strebepfeiler (Fig. 1604 a) enden, wenn im kleinen Mäßstab angewendet, z. B. bei Chorstühlen etc., oft sehr unorganisch, z. B. in Geigenknopfform. Die Thürme haben häufiger als früher Diagonalstrebepfeiler, überhaupt aber ein oft sehr massives Strebepfeilersystem mit Fialengruppen am Fuß des Helms; letzterer ist zwar oft achteckig, hat aber selten einen achteckigen und dann nur einen kurzen dergl. Thurmleib unter sich. Fig. 1604 b zeigt eine Fialengruppe von 1350. Giebel und Helmkanten sind häufiger als früher mit Blumen reich besetzt, die Bilderblenden mit durchbrochenen Baldachinen versehen. Giebel⸗, Kreuz⸗ und Kriechblumen haben zwar eine ähnliche Form wie die deutschen, sind aber nicht so kühn entwickelt. In Fig. 1605 geben wir einige Beispiele, und zwar a u. b Giebelkriechblume, e Giebelkreuzblume vom Persy⸗-shrene in Beverleyminster, d u. e Helmkriechblume, kHelmkreuzblume von der Kirche zu Dronfield. Für die Grundrißdisposition ist eins der besten Beispiele die Kathedrale von Wells, Fig. 1606; in den hier dunkel schraffürten Theilen allerdings schon 1214 begonnen, aber in den hell schraffirten erst nach 1465 vollendet. Für die Formgebung das Grabmal Edwards III. in der Westminsterabtei, Fig. 1607, und das Portal 2 am Kapitelhaus der Kathedrale von Rochester, welches von Hanno v. Hythe, dem Beichtvater Edwards II., herrührt. Fig. 1608 sowie die unteren Theile der Westfront der Kathedrale von York s. Fig. 1622. — 4. Third pointed, perpendicular Style, 1380—1540, in der letzten Zeit auch Tudorstil, florid gothie style genannt. Dieser zeigt im Anfang noch ziemlich leichte Verhältnisse, auch schlanke Fenster mit reinem Spitzbogen; allmählich jedoch werden die Gesamtverhältnisse der Hauptmassen, sowie der Fenster und Bogen, UNIVERSHTATS- http: igi. ub. uni-hei immer gedrückter bis zum Tudorbogen, der entweder unter einem ihm parallel folgenden Ueberschlagsims sitzt, wie in Fig. 1609, oder unter einem viereckigen, wie in Fig. 1610, und bis zu dem an diesen Ueberschlagsims sich direkt anschließenden scheitrechten Fenster. Zuletzt kommt der Eselsrücken nochmals auf, äußerlich stets im Viereck von einem Ueberschlagsims umzogen, mit reich verzierten Spandrillen, innerlich oft von einem Wimberg überragt. Sogar auf den Thürmen u. Fialen erscheint er in Gestalt einer welschen Haube statt des Helms, od. die Thürme sind ganzohneelm. Horizontalgesimse werden immer häufiger u. mächtiger, die Dächer flacher (oft kaum 20 Neigungswinkel), die Strebepfeiler (s. Fig. 1611 a und b) immer breiter etc.; die dadurch hervorgebrachte Schwerfälligkeit suchte man durch Zierlichkeit in den Details u. durch übertriebene Schlankheit der Fialen zu vermindern. Fig. 1612 a zeigt einige Fenster⸗ u. Thürbogenprofile, beinige Gurtsimse, e Sockel, denen auch die Säulenfüße gleichen, d, e Rippen von 1386 u. 1450, k, g, h, i Hauptsimse von 1386, 1465, 1505, K und 1 Abakusprofile; Fig. 1613 a ist ein Schaft aus St. Mary in Oxford von 1490, bvon 1450, C von 1480. Zu demselben Zweck brachte man Vertikaltheilungen an, wo es nur irgend ging, ließ z. B. die Pfosten der Fenster, welche sehr manchfaltig profilirt wurden (s. 3. B. Fig. 1614), beim Kämpfer vorbei bis an den Bogen fahren u. brachte das Mäßwerk dazwischen; aus dieser häufigen Vertikaltheilung in den Details ist der Name — der im Gesamtcharakter des Stils rundriß der Kathedrale von Wells (decorated stylo). wird der Stil immer schwerer u. überladener, die tragenden Massen immer stengelhafter, die Simse massiv u. schwer. Auch die Gliederungen werden unter den Tudors immer willkürlicher und flacher, das Blumenwerk in den Simsen immer konventioneller; s. Fig. 1615 4 von 1470, bu. e von 148⁰, zug leich nehmen die Blumen eine besondere stereotype Form an: s. Fig. 1615 d u. die Art. Tudorblume u. Tudorrose. Die Perpendikulartheilung tritt wieder in den Hintergrund, die Gestalt des Mäßwerks (s. Fig. 1617 aus der aber Carlisle-Kathedrale) rechtfertigt den Namen klorid oder eine Hamboyant gothie, den man dieser Richtung des Stils 183 zu geben pflegt. Nur im Innern behielt dieser Stil seine in Vorzüge, ja steigerte sich zu höchster Pracht in der Ausstat⸗ sond tung der Gewölbe; s. Fig. 1618, Henry's VII. Kapelle in kam Westminster vom Jahr 1485. Um 1291 begonnen, gegen Lai 1360 bis zu den Kämpfern des großen Mittelfensters, gegen ihre 1390 bis mit den Mittelgiebeln, 1402 bis obenauf voll⸗ trep endet, zeigt die Facade der Norkkathedrale, Fig. 1622, alle Anf Phasen des Stils. — 5. Debased english style, Verfallstil, schm fällt der Zeit nach mit dem Elisabethstil zusammen. Die mit Bemühungen, neben der hereindringenden Renaissance die Abh Gothik noch zu halten, gingen bes. von den Bürgern aus, pen während Hof u. Geistlichkeit sich der neueren Richtung zu⸗ Tre wendeten. So finden sich denn die Beispiele dieser Spät⸗ gen, gothik fast nur an Wohnhäusern sowie an Anbauten und Hol Zusätzen zu älteren Bauten; bes. reizvoll in Holzgiebeln Ecke u. dgl.; s. d. Art. Holzarchitektur. das Profanbau. Das Wohnhaus (manor-house) der ältesten hun Zeit bis um 1150,f. Fig. 1619, rechteckig, mäßig lang, hatte halt selbst in Städten nur höchst selten mehr als zwei Geschosse; die das Untergeschoß war gewölbt, das Obergeschoß, in Dat Städten oft, auf dem Lande stets, über eine Freitreppe zu⸗ wur gänglich, enthielt den einzigen mit einem Kamin (fire- also place) versehenen Raum. Eine Art Galerie lief ringsum, war aber nicht dicht am Gebäude Die Fenster waren eng und Kaf schmal, im Rundbogen geschlossen. Im 12. Jahrh. schon hoch diesem noch eine andere Gattung auf, mit durch beide Geschosse durchgreift. Im Jahr der letzten derselben mit dreischiffiger Halle demolirt. Diese Halle war nicht immer gewölbt, Holzdecke versehen. In dieser Zeit, um 1200, viereckigen Fenster mit mullions u. Sitzen in der Aufnahme. Die Burgen hatten nach wie vor Obergeschoß über eine überbaute Freiwaren im Rundbogen geschlossen. Im Jahrh. werden die Gebäude lang und Flügeln. An beiden Langseiten lagen Höfe, umschlossen, an den Enden waren jähe Außenwall hatte eine Art von Graben (ditch), aber sehr seicht. Die Fenster waren viereckig mit zwei Lichten. Jedes Haus hatte im Obergeschoß drei bis vier fire-places, Beispiel: Aydoncastle in Northumberland. Maukeefield-Hall aus der Mitte des 13. Jahrh. hat den Eingang unten, das Untergeschoß zum Theil gewölbt, die Haupträume oben, die Treppe in einem Thurm; die Fenster haben steinerne Kreuzstäbe. Ein diteh umzieht das Haus. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. werden die Thürme viereckig. Im 14. Jahrh haben alle Häuser Thürme, in den Städten häufig mehrere einen gemeinschaftlichen Hof, mit Fußeingang von der Straße. Die Obergeschosse sind vorgebaut. Holzhäuser sind in einzelnen Exemplaren erhalten. Im 15. Jahrh. ist der Wallgraben noch allgemein gebräuchlich. Die große Halle hat eine Einfahrt. Kleine Besitzer bauen sich border-towers (Grenzthürme), die größeren castles. Gipsstucku. Figuren fangen an aufzutreten. Häufig sind die Holzhäuser mit durchlaufenden Fensterreihen und Galerien. Die Untergeschosse sindin Städten oft hallenartig offen. Innerlich Täfelwerk, keine Tapeten, sondern gemalte Wände. Decke zum Theil Holz, in den Feldern neit Stuck verziert. Viel Gitterwerk(scréeen, s. d.), weniger Boiserie (Wainscott, s. d.). Im 16. Jahrh. wird das wainscott häufiger, in den Zimmern reicht es oft bis zur Decke, in Hallen etc. blos etwas über 2 m. hoch. Der italienische Einfluß macht sich in den Deckendispositionen geltend. Die Hauptbalken, oft auch girders u. joists, sind sichtbar gelassen, aber gegliedert, die Felder zwischen ihnen durch Stuckrippen oder Eichenrippen eingetheilt, oft auch mit versehen, dazwischen mit Stuck belegt. Die erhalten statt der Docken Stuckverzierunchimney-pieces gehen bis an die Decke. Bei die Obergeschosse, aber blos an den in der Mitte geht eine Halle bis unter fire-place. Gegen Ende des Jahrdie Galerien häufiger. Die Holzhäuser den mittelalterlichen Formen fest als Im frühen Mittelalter war fast stets die sichtbar. Bei Speichern und Scheunen Dachstuhl vom Fußboden aus gegründet, war von den Wänden. Im dekorirten Stil sehr flach und dann mit quadratischen reicher Holzschnitzerei versehen, oft aber auch ahmte man durch Verschalung die Form der Gewölbe nach. Ueber die eigentliche Konstrt Art. Dach. Hier geben wir in Fig. 1620, Halle devon Eltham, einen Dachstuhl aus der Zeit um 1400, in Fig. 1621 a einen von 1480, b einen von 1508. Ueber die äußeren Verzierungen der Dächer f. d. Art. Giebel, Hip etc. Feueressen kommen erst seit etwa 1200, Kamine schon seit 1130 vor; diese entließen den Rauch blos durch Oeffnungen in Wand oder Dach, welche durch louvers (s. d.) vor dem Einregnen geschützt waren. Bei weiten Räumen lagen die Holzdecken auf achteckigen Schäften, die statt der Kapitäle mit je 2 Corbels versehen waren. — In keinem Lande zeigen die Architekten der neuesten Zeit ein so ernstes Bestreben, das gesamte Formsystem der mittelalterlichen Baukunst wieder zur Geltung zu bringen, wie in England, wo in den letzten Jahr-Fig. 1609. Portal am Kreuzgang zu Windsor (perpené zehnten sehr vielseitige und vollständige Fe über den mittelalterlichen Baustil das bauen den Stand gesetzt haben, sich eine dapitelhaus der Kathedrale von Rochester (dece Geschmack für dessen Wiederanwendung sich denn auch sehr eingebürgert h. moderne Renaissance wenig Eingang Heidelberg Fig. 1614. Formen des Tudorstils. Fig. 1615. Fig. 1616. Aus dem Chor der Kathedrale zu Oxford (Tudor-style). Fig. 1517. Fenster der Carlisle cathedrale (florid-gothich. Fig. 1618. Kapelle Henry's VII. in Westminster (klorid-gothic).

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 245Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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