FeedErddruck
TechnikBau-Lexikon 1881

Erddruck, m., frz. poussée f. des terres, engl. pressure of earth. Der E. ist bes. bei der Anlage von Futtermauern (Stützmauern) zu berücksichtigen, indem der gegen die Mauer sich anlehnende Erdboden die Tendenz zum Abrutschen hat und so einen Druck gegen die Mauer ausübt, welcher einestheils vom Rutschwinkel (Reibungswinkel) 5 und anderntheils vom spez. Gewicht Y der Bodenart abhängig ist. Wir geben hier eine Tabelle über diese zu Berechnung des E.s wesentlichen Elemente nach Professor von Ott (Vorträge über Baumechanik I. Th S. 18). Bodenart Rutsch-spez. Rutsch⸗ spez. Rutsch-spez. gestampfte „ gestampfte „ Der E. kann nicht mit mathematischer Sicherheit bestimmt werden: gewöhnlich benutzt man dazu die Formel: 7½h?tang? (45— ½); wird die Höhe h der Mauer in Metern ausgedrückt, so bezeichnety das Gewicht von 1ebm. des Bodens u. gilt die Formel für den laufenden Meter. Neuerdings benutzt man zu dieser Bestimmung gern die graph. Methode, welche von K. Culmann (Graph. Statih), G. Rebhenn (Theorie des Erddrucks u. der Futtermauern) u. E.Winkler(Neue Theorie des Erddrucks) bes. ausgebildet worden ist; nach Winklers Methode, etwas vereinfacht u. in Uebereinstimmung mit obiger Formel, folge hier ein Beispiel. Fig. 1456 giebt die bezügliche Zeichnung in wirklicher Größe. Die Höhe der Mauer h betrage 5 m., der Rutschwinkel 5 sei 40² (feuchter Sand) und das spez. Gew. Y= 1½½, Ppro cbm. 1770kg. Der Mauerquerschnitt bilde ein Trapez mit senkrechter Hinterwand A B und mit einem Anlauf der Vorderwand 1:6. Man ziehe AH unter dem Winkel 40 gegen die Horizontale u. 40 unter gleichem Winkel gegen die Vertikale, dann BPpa-Wsssss Ausdruck ist noch etwas Fig. 1628. umzuformen, um ihn in Kräftemäßstab durch eine gerade Linie darzustellen. Dieser Maßstab wird am bequemsten so gewählt, daß die Längeneinheit die Kraft ¼½ h y darstellt, worin y, das spez. Gew. des Mauerwerks (Y. = 2,) repräsentirt und h die Mauerhöhe (hier also ß5m.) ist. Die Dimensionen senkrecht zur Zeichenebene sind 1 gesetzt. Die den E. darstellende Länge wird nun =⸗ — ner sin OAH= 1, weil Winkel O&H= 90e ist, so daß also der obige Ausdruckin den einfachen E 26010 übergeht, der sich gut konstruiren läßt. Man macht nämlich Wird nun 80 parallel zu 8“ U gezogen, so stellt Aden auf den angenommenen Mäßstab bezogenen E. dar, wie sich aus der Proporrion & AS AU: AE“ sofort ergiebt. Es ist also Ain Millimeter abzumessen und mit 2/4.1000 kg. wiegt) = 3000 zu multipliziren, um den E. E in kg. zu erhalten. In noch einfacherer Weise als durch die früher gegebene Gleichung hat Heuser (Deutsche Bauzeitung 1872 Nr. 45 u. 46) eine Formel zu angenäherter Berechnung des Ers aufgestellt, indem er in der obigen 7. ½ ½ setzt, so daß sich hiernach E ½V1 he ergiebt. Vergleicht man nun die Resultate, welche für den oben angenommenen Fall durch die graphische Methode und durch die Rechnung nach den angegebenen Gleichungen erhalten werden, so ergiebt sich Folgendes: Aus Fig. 1629 ist die Länge 4 = 8½ m., welche Länge, mit 200 multiplizirt, 1,f% m. als wirkliche Dimension ergiebt, die mit der angenommenen Längeneinheit /4hy = 3000 multiplizirt, den E. E= 1,64.3000 = 4920 kg. ergiebt. Nach der 1800 kg. (in runder Zahl), also nahezu derselbe Werth wie oben. (Die Differenz entspringt aus der bei so kleinem Mäßstab ungenau resultirenden Messung von A Q.) Nach Heusers Formel endlich erhält man E 12 2400.25 5000 Kg., was für die Praxis eine genügend genaue Uebereinstimmung der drei Werthe ergiebt und die Heusersche Formel als sehr brauchbar erscheinen läßt, insofern durch den etwas zu großen Werth die Sicherheit der Konstruktion noch erhöht wird. Wirkt der E. gegen eine vertikale Fläche, welche sich im Erdboden befindet, so daß ihr oberster Punkt noch in einer gewissen Tiefe unterhalb des Erdbodens liegt, so ist der wirksame Druck als die Differenz zweier Drücke aufzufassen. Ist nämlich der obere Endpunkt der Fläche um bo, der untere um h. Längeneinheiten unter dem Erdboden, so hat man zuerst den Druckauf eine gedachte Fläche, die vom Erdboden bis zur Tiefe he reicht, und dann auf eine zweite gedachte Fläche, die vom Erdboden bis zur Tiefe b. reicht, durch Einsetzen dieser Werthe für hineiner der beiden letzten Gleichungen zu bestimmen, und schließlich, um den wirksamen Druck zu finden, die Differenz dieser beiden Drucke zu berechnen. Die Entfernung des Angriffspunktes des Druckes ist bei Futtermauern angenähert auf ½¼½ der Höhe vom Boden aus zu nehmen und beträgt für den letzteren Fall, ebenfalls vom Erdboden aus ge-Wester In der gewöhnl. Praxis nimmt man die Mittelstärke der Futtermauern zu ½ der Höhe der Füllerde an. — Weiteres s.im Art. Futtermauer.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 261Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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