FeedFuttermauer
AllerleiBau-Lexikon 1881

Futtermauer, f., frz. contre-mur, m., mur de chemise, mur de revétement, engl. retaining-wall, countermure, auch Afer⸗, Schälungs- und Kaimauer, wenn ihre äußere Seite ganz oder zum Theil im Wasser steht; ist dies nicht der Fall, so heißt sie auch Wand., Schutz, Vorsatz- und Schildmaner. Die F. soll dem Druck des dahinter befindlichen Erdreichs widerstehen. Die Stärke richtet sich daher theils nach der Beschaffenheit der Hinterfüllung, theils nach der Höhe der Mauer felbst. Für diese Stärke geben wir hier A. einige auf Erfahrung begründete Regeln. 1. Man ziehe zwei Horizontallinien in der Entfernung h (der Höhe der F.) und zwischen denselben eine nach dem natürlichen Böschungswinkel (s. Böschung) des Materials geneigte Linie und theile den so gefundenen natürlichen Abhang a des zu stützenden Erdreichs in gleiche Theile, so ist bei gewöhnlichen Fan, die keine Erschütterung zu erleiden haben, zur unteren Stärke ausreichend; bei Erschütterungen ist; ¼ àA als Stärle auf der Mitte der Höhe anzunehmen; bei; parallelen Fin zu den Seiten einer Straße ist , a die untere Stärke. Soll eine F. auf der vorderen Seite mit einer Böschung ausgeführt werden, die ,½/ ihrer Höhe beträgt, so gebe man der Mauer zur oberen Dicke ½ des natürlichen Abhanges. — 2. Die Stärke einer F., wenn der natürliche Böschungswinkel des Materials unbekannt ist, bei ½/ ,¾ Böschung, betrage mindestens: bei 2,, m. Höhe 0,30 obere und 0, untere Stärke, 3. Die Stärke einer senkrechten Mauer, die Strebepfeiler erhält (welche je nach Form und Stärke der Mauer höchstens 2, —3, m. von einander zu stehen kommen), sei mindestens ½ a; die Breite des Theils, wo die Strebepfeiler mit der Mauer in Verbindung stehen, die Wurzel derselben,‚ sei mindestens der doppelten Mauerstärke gleich, also ½ à. Ihre Stärke sei mindestens: bis 2, m. Höhe 0,5 h, bis 4, m. Höhe 0% 4. Wenn die Mauer, welche man mit Strebepfeilern versieht, auch eine Böschung hat, so muß die obere Dicke der Mauer mindestens auf / a festgesetzt werden. Wird die Mauer höher als 2½ m., so wird bei einer Böschung der Mauer von ½ der Höhe für jede 30 em. Erhöhung 1 em. zur Stärke addirt; bei ½/ auf jede 24 cm. 1 cm.; bei ½ Dossirung auf jede 16 cm. 16cm. Die Mäße der Strebepfeiler seien mindestens folgende: bis 2,, m. Höhe (h) 0,4 h Breite, 0,6 h Stärke, 5. Das Banket habe mindestens die doppelte Breite der unteren Mauerstärke. — 6. Die Fugen legt man oft recht= winklig gegen die Böschung; dies muß aber mit Vorsicht geschehen, indem hierdurch dem Regen und der Nässe das Eindringen in die Fugen leicht möglich gemacht wird. — 5. Die Futtermauern dürfen nur nach geschehener Austrocknung hinterfüllt werden. B. Cheoretische Berechnung der Stärken etc. 1. Erddruck; s. d. Art. Erddruck. Außer der dort gegebenen Formel kann man auch da, wo nach Fuß gerechnet wird, folgende anwenden. In derselben bezeichnet D den horizontal wirkendenErddruck inPfunden, pro laufenden Fuß der Mauer-EIDELBERG O Universitatsbibl länge, a den Abstand des Angriffspunktes von D, von der oberen Mauerkante abwärts gemessen, h die Mauerhöhe, e das Gewicht eines Kubikfußes des Erdreichs, den Böschungswinkel; s. d. Art. Böschung. Wenn das Erdreich oben mit der Mauer abgeglichen ist, und die Masse sich auf hi Fuß Höhe senkrecht abschneiden läßt, ohne nachzurollen (B. ist bei durchweichter Erde = O, bei feuchter Dammerde — 0,5, bei dichter Pflanzenerde =3 -6, bei Lehm = 6 bis — Der Keil des größten Drucks bildet demnach mit der Vertikalen einen Winkel von 45 — /2. Wenn die lockere Masse oben noch belastet ist u. diese Belastung pro Quadratfuß der Oberfläche des größten Druckkeils mitp Pfund drückt, so wird Ist die lockere Masse über die Mauerkante noch be Fuß hoch mit natürlicher Böschung aufgeschüttet, so ist 2. Untere Stärke der Futtermauer. Man trage von dem mittels a gefundenen Angriffspunkt die Kraft D nach beliebigen Längeneinheiten (jede Gewichtseinheit in eine Längeneinheit übersetzt) als Horizontale, das Gewicht der Mauer als Vertikale an, so muß die Diagonale Rdieses Kräfteparallelogramms die Fußlinie noch innerhalb der Mauer schneiden; da aber diese Diagonale keine Gerade ist, da ferner auch Gesich erst noch bestimmen soll, so konstruire man Rnach folgender Formel: wenn X die lothrechte Abscisse, y die wagrechte Ordinate (sür beide der Angriffspunkt von D als Anfangspunkt der Achsen gerechnet) ist, und K beliebig oder gleichmäßig wachsend angenommen wird, so ist ) U „dabei ist g das Gewicht der Mauer pro Kubikfuß in Pfunden. Hat man so die Widerstandslinie, also auch ihren Durchschnittspunkt mit der Basis gefunden, so muß y, also die Entfernung dieses Durchschnittspunktes von der innern Mauerkante, jedenfalls kleiner sein als B, die untere Breite der Mauer. Um aber zuverlässige Stabilität zu erzielen, muß das Profil der Mauer so gestaltet werden, daß der Quotient s aus der Entfernung der Schwerlinie von der äußeren Mauerkante, dividirt durch die Entfernung der Schwerlinie von dem Durchschnittspunkt der Widerstandslinie, beide auf der Basis gemessen, welchen Quotient man den Stabilitätskoéffizienten nennt, mindestens ½J, am besten „/ ist. Nennen wir nun noch pden Reibungskosffizienten (s. d.) am Fuß der Mauer u. setzen wir tg (45°— %/2) = so ist a) für Mauern, die unten und oben gleich stark sind, lothrecht stehen und nicht in die Erde gehen, bei lockerem Erdreich, oben mit der Mauer abgeglichen: v 6 5 von Erdreich über der Mauerkante bis zu he Fuß ist b) Für lothrechte Mauern von gleicher Unter⸗ u. Oberstärke, die in die Erde gehen, wenn he die äußere Erdhöhe, das Gewicht dieser Erde pro Kubikfuß, ½ der Böschungswinkel derselben unds 1, angenommen ist: o) Für geböschte Mauern, mit der Böschung npro der Höhe und Ueberschüttung bis zu ha Fuß Höhe: d) 25— geneigte Futtermauern, wenn 1 die schrägeNauerhöhe in 99— und 6 1— 25 Mauer ist: Für aa oben. CO. Die Futtermauer (Kriegsb.) kann sein a) eine todte oder anliegende F., frz. reyvétement mort oder terrassé, engl. dead revetment, und zwar eine ganze, d. h. bis zur Oberkante der Hinterfüllung aufsteigend, oder eine halbe, auf deren Krone also noch eine Erdböschung aufliegt; b) eine entlastete, auch Breschmauer genannt, frz. revstement en décharge, engl. counterarched revetment; besonders die F. der Estarpen von permanenten Befestigungen wird ELBERG O Universitätsbibliothe häufig mit Breschbögen hergestellt, d. h h. zwischen starken Schäften mit ca. 4 — 5 m. Abstand wölbtman einen Gurtbogen dicht über den andern, um das Nachstürzen der oberen Mauertheile zu verhindern, wenn die unteren durchschossen sind. Zuweilen werden diese Mauern auch mit Eisenplatten armirt. P2.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 389Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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