FeedErdbau
TechnikBrockhaus 1882

Erdbau bezeichnet die Lehre und die Durchführung von Arbeiten, welche die Gewinnung des Bodens (Abgrabung), den Transport desselben, die regelrechte Aufschüttung künstlicher Terrainerhöhunan⸗ die Sicherung der Böschungsflächen, die Anagen zum Schutze und zur Wiederherstellung geährdeter oder abgerutschter Erdkörper zum Gegentande haben. Der E. hat sich zu einem selbstänigen, wichtigen Zweige des modernen Ingenieurwesens herausgebildet und verlangt genaue Bekanntschaft mit den chem., physik. und geolog. Verhältnissen des Bodens, mit der Leistung tierischer und elementarer Motoren, sowie jenen auf mathem. Basis beruhenden Theorien der Massenverteilung, des Erddrucks u. s. w., welche insbesondere in der graphischen Statik ihre weitere Entwickelung gefunden haben. boden (Humus u. s. w.), welcher mit der Schaufel allein gelöst und verladen werden kann; zur Lösung großer Mengen dieser Bodenart in kurzer Zeit hat man heutzutage vielfach Maschinen, die Excavatoren Bagger), angewendet. 2) Der Hauboden (fetter n u. s. w.) wird zunächst mit der Breithaue, dem Krampen, gelöst, mit der Schaufel verladen. 3) Brechboden (fester Thon, zerklüftetes Gestein u. s. w.) löst man mit dem Pickel, der Brechstange, dem Keil oder der Schrämmaschine. 4) Der Sprengboden (Fels) wird gewonnen, indem man Explosivstoffe in Bohrlöchern zur Detonation bringt. Dynamit und Sprenggelatine haben hier das 7— allgemein verwendete Schießpulver verdrängt, für Herstellung der Vohrlöcher ist bei Arbeiten größern Umfangs an Stelle der Handarbeit mehrfach die Gesteinbohrmaschine, an Stelle der Zündung mittels abbrennender Schnüre die elektrische Zündung getreten. (S. Tunnel.) Der Transport des Bodens erfolgt auf ganz kleine Entfernungen durch Wurf mit der Schaufel, auf etwas größere und bei ungünstigen Steigungsverhältnissen mit dem Schubkarren, auf weitere mittels Handkippkarren, Pferdekippkarren, auf Interimsgleisen mittels eigener Lokomotiven u. s. w. Bei Förderung auf langen, steilen Lehnen wird zur Anlage von eigenen munstelun oder Bremsbergen geschritten. Die Ermittelung der zweckmäßigsten Transportweise für die gegebene Menge unter Berücksichtigung der Verführungsdistanzen und der auf denselben zu gewärtigenden Steigungen und Gefälle der Bahn gehört zu den wichtigsten, aber auch schwierigsten Aufgaben des disponierenden Ingenieurs. Hierbei wird bei langgestreckten Erdkörpern (Eisenbahnen, Straßen u. s. w.) vielfach zu erwägen sein, ob z. B.eine bestimmte Partie eines Dammes aus dem oft weit her zu führenden, im nächsten Einschnitte gewonnenen Material mittels Längstransport oder aus einer eigens hierzu angelegten Materialgrube dicht neben demfraglichen Damm, also mittels Auertransport hergestellt werden soll. Die mittlere Transportweite bezeichnet den Abstand der Schwerpunkte einer transportierten Masse in ihrer ursprünglichen und ihrer neuen Lage, die reduzierte Transportweite eine horizontale Weglänge, auf welcher der Transportebenso viel kostet als auf einer bestimmten Weglänge von gegebenem Gefälle oder Ansteigen. Die regelrechte Herstellung der Erdeinschnitte und Dämme erfolgt nach bestimmten Methoden. Man unterscheidet den Abbau in Lagen, den Strossenbau, den Seitenbau, den engl. Einschnittsbetrieb, bei welchem der Herstellung des Erdeinschnitts ein Stollen in der definitiven Bausohle vorangeht, wobei durch Schächte von oben her das abgegrabene Material in Wagen geworfen wird, die in den Stollen auf Arbeitsbahnen eingeführt werden. Bei Herstellung von Dämmen kommen S „e Siche u. s. w. in Anwendung. ie Sicherung der Böschungen erfolgt durch Abflachungen, Berasungen, Bepflanzungen, Pflasterungen, Stütz⸗ und Futtermauern. Die Anlagen zum Schutze des Bestandes der Erdbauten bestehen außerdem auch häufig in sorgfältig auszuführenden Entwässerungsanlagen, welche mitunter zur Herstellung bedeutender Drainierungen, Stollen u. s. w. 4—— können, in einer entsprechenden Gründung des Bauwerks bei nicht widerstandsfähigem Boden (Moor u. s. w.), in einem ausreichenden Schutze gegen die Angriffe des Wassers an Flüssen und Meeren u. s. w. Bei Wied erherstellung zerstörter Erdbauten ist vor allem das noch Bestehende vor dem zerstörenden Einflusse zu sichern, dann die Beseitigung der Entstehungsursache, so z. B. die Entwässerung des Rutschterrains oder der Abbau des Wildbachs u. s. w. anzustreben und hierauf die provisorische oder definitive Herstellung der neuen Anlage zu vollziehen. Unter Umständen kann bei ungünstigem Terrain oft nur die vollständige Umlegung der Trace entsprechende Sicherheit bieten. Litteratur. «Handbuch der Eunmarnn Der schaften» (Bd. 1, Lpz. 1880); Culmann, „Der C.» (Zür. 1873); Henz-Streckert, «Praktische Anleitung zum E.v (3. Aufl., Berl. 1874); W. Heyne, „Der E.» (Wien 1876); von Kaven, «Erdarbeiten bei Eisenbahnen » (Aachen 1877); E. Rziha, «Eisenbahnunterbau» (Bd. 1, Wien 1877); Perdonnet, «Traité élémentaire des chemins de fero (3. Aufl., 4 Bde., Par. 1865); Goschler, «Traité pratique de P'entretien et de l'exploitation des chemins de fero (Bd. 1—5, Par. 1868—81). Vgl. auch die Litteratur zu dem Artikel Brücken, Bd. III, S. 603.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 261Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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