Feuerungsanlage, f. frz. chauffage, m., engl. fewel. Die Einrichtung derselben richtet sich nach verschiedenen Umständen. 1. Nach dem Zweck. Hiernach könnte man zwei Hauptgruppen bilden: a) Feuerungen, welche den Zweck haben, einen Raum zu erwärmen; darüber s. d. Art. Heizung, Ofen etc. b) Feuerungen zu dem Zweck, einen besonderen Körper zu erhitzen; dar. s. d. Art. Alaunofen, Bläsenfeuerung, Bratofen, Brennofen, Dampfkessel, Dampfkochapparat, Gasbereitung, Kalkofen, Kapelle, Kesselfeuerung, Küche, Schmiedefeuer., Ziegelfabrikation und viele andere Artikel. — 2. Nach dem Feuerungsmaterial oder Brennstoff (s. d.). Jedes Brennmaterial stellt nämlich, um vollständig, mit möglichst wenig Rauch u. möglichst viel Hitzentwickelung zu verbrennen, besondere Anforderungen an die Beschaffenheit der F. — 3. Nach der Lage. Die Umstände, ob das Gebäude hoch oder tief liegt, ob die F. in einem oberen od. tieferen Geschoß des Gebäudes, in der Mitte desselben oder nahe an der Umfassungsmauer, der Zugluft ausgesetzt od. geschützt liegt u. dgl. m., sind stets zu berücksichtigen, sowohl bei Anordnung der F. selbst, als bes. bei Anlage der Essen; s. d. Art. Dampfesse, Rauch, Schornstein etc. Für alle einzelnen Arten der F.n, soweit sie überhaupt in einem Lexikon Platz finden konnten, müssen wir auf die oben angezogenen sowie auf ähnliche Artikel verweisen. Hier sei nur Einiges über Feuerungsanlagen im allgemeinen gesagt. Jede F. soll durch Verbrennung der betr. Brennstoffe thunlichst viel Hitze erzeugen; die Verbrennung muß also möglichst vollständig sein. Zur Erreichung einer solchen wird der Sauerstoff der atmosphärischen Luft verbraucht. Also ist eine beständige Lufterneuerung im Heizraum Ercfordernis jeder F., ebenso Abführung der durch die Verbrennung erzeugten gasförmigen Produkte, des Rauches etc. Es dürfen aber thunlichst keine unverbrannten oder halb verbrannten Theilchen mit dem Rauch entweichen. Die „Bildung des Rußes (s. d.) ist ein Zeichen unvollständiger 9Verbrennung. Im Uebermaß zugeführte Luft erkaltet den heuerraum und vermindert so den Heizeffekt direkt, sie verhindert aber auch eine vollständige Verbrennung u. vermindert so nochmals indirekt den Heizeffekt. In zu geringem Mäß zugeführte Luft verlangsamt den Verbrennungsprozeß. Die Menge der nicht zur Verbrennung gelangenden u. dennoch zu Erzeugung des Luftzuges nöthigen Luft ist um so größer, je schwieriger das Brennmaterial zu entzünden ist, und je unvollständiger der Rest von demselben bedeckt wird. Bei Kohksbrand ist dieser Verlust an Luft am größten, dann folgen Holz, Steinkohle, Braunkohle u. s. f. Je mehr durch Zerkleinerung der Brennstoffe, durch Schüren, Rütteln etc. dafür gesorgt wird, möglichst viele Flächen der brennbaren Körper der Feuerwirkung u. dem Luftzug auszusetzen, ohne die Geschwindigkeit des Luftdurchzugs zu vermehren od. eine Erkaltung herbeizuführen, um so vollständiger u. ausgiebiger wird die Verbrennung sein. Langsame Verbrennung giebt stets weniger Nutzen als schnelle. In keiner F. darf daher der Rost als Mittel für die Luftzuführung fehlen. Bezüglich der Größe des Rostes ist zu bemerken, daß zum stündlichen Verbrennen von je 200—300 Pfd. Holz, 140—172 Pfd. Braunkohlen, 120—160 Pfd. Steinkohlen, 100—150 Pfd. Kohks 1m. totaler Rostfläche erforderlich ist. Man pflegt die Größe der Rostfläche auch nach der Größe der Heizfläche der Kessel, sowie nach der Anzahl der Pferdestärken, wofür die Kessel Dampf zu liefern haben, zu bemessen. Auf die Pferdekraft bezogen, soll nach Morin die Oberfläche des Rostes bei genommen werden. Die Summe derfreien Zwischenräume zwischen den Roststäben wird durch die Natur, Form, Größe etc. des Brennmaterials bedingt und hängt zunächst von der atmosphärischen Luft ab, welche zu vollständiger Verbrennung des innerhalb einer gewissen Zeit aufzugebenden Brennstoffs erforderlich ist. Nimmt man die zu Verbrennung von 1 Pfd. Steinkohle erforderliche Luftmenge zu 9000 cdm. (Liter) u. die zweckmäßige Geschwindigkeit der durch den Rost strömenden Luft zu 1 m. pro Sekunde an, so werden zu Verbrennung von 100 Pfd. Steinkohlen pro Stunde 10.3090 25 dm. oder dm. freie Rostfläche erforderlich sein. Nimmt man nun das Verhältnis der freien zur totalen Rostfläche =1:4 an, so würde man zu Verbrennung von 100 Pfd. mittlerer Steinkohle pro Stunde 1m. totaler Rostfläche benöthigen. Für Holz ist bei gleichem Gewicht des stündlich zu verbrennenden Quantums eine halb so große, für Braunkohle eine um ca. 10 Proz. kleinere, für Kohks eine um 14 Proz. größere Rostfläche nöthig als für Steinkohle. Die Schlitze zwischen den einzelnen Roststäben bemißt man ungern unter 6 mm., bei gewöhnlichen Feuerungen zwischen Nu. 14½ Cm.; bei lebhaftem Flammenfeuer, überhaupt da, wo der lebhafte Luftzug mehr in Anschlag kommt als der Verlust an durchfallenden kleinen Brennmaterialstücken, bis zu 2½ Cmh. weit. Weiteres s. im Art. Rost. Zu Leitung u. Vorwärmung der atmosphärischen Luft sowie zu Aufbewahrung der durch den Rost fallenden Asche dient der Aschenraum, der wohl auch, um bequemer Reinigung willen, mit einem Aschenkasten versehen oder mindestens durch eine Aschenthür verschlossen ist. Regulirbare Oeffnungen in dieser Aschenthür od. eine Klappe in einem seitwärts eingeführten Luftkanal ermöglichen eine Regelung des Luftzutritts. Mangelhafter Luftzutritt ist eine der Ursachen des Einrauchens, indem, wenn die unten zugeführte Luft für die Verbrennung nicht ausreicht, die kalte Luft durch den Schornstein eindringt und den Rauch mit sich dem Rost zuführt. Um diesem Uebelstand zu steuern, bringt man Gebläse (s. d.) an. Der eigentliche Feuerraum, auch Feuerkammer gen., d. h. der Raum über dem Rost, ist in Form u. Größe, je nach dem Zweck der F., sehr verschieden. Im allgemeinen wird er sich vom Rost aus nach der zu erhitzenden Fläche (bei stationären Kesselfeuerungen ist die Rostfläche /3 ½ der gesamten Heizfläche) hin erweitern u. dabei so hoch sein müssen, daß die Flamme sich nvollständig entwickeln kann, aber nicht so hoch, daß Stich⸗ „flammen entstehen, die leicht zerstörend auf das Metall. „einwirken. Bei kleinen Feuerungen (Küchen⸗ u. Zimmertöfen) rechnet man für Steinkohlen 15—20, für Holz 20 „bis 25 em. Höhe, je nach der zugleich einzubringenden Menge von Feuerungsmaterial, für Steinkohlen bis zu t 60, für Holz bis zu 90em. Die schräg aufsteigenden Wände edes Feuerraums beginnen bei Anwendung zerkleinten Materials sofort an den Kanten der Rostfläche, während ebei Holzfeuerung der Boden des Feuerraums sich um den Rost noch wägrecht ausbreitet. Der Feuerraum wird oft, um ihn vor Erkaltung zu schützen, noch mit einer doppelten „Mauer umgeben, deren Zwischenraum mit Asche, Bauschutt u. anderen schlechten Wärmeleitern ausgefüllt oder hohl gelassen wird. In letzterem Fall wird die äußere Luft in diesem Raum vorgewärmt, bevor sie dem Rost zugeführt wird. Auch geschieht diese Vorwärmung wohl in besonderen Oefen oder durch Regeneratoren (s. d.). Vom Feuerraum „aus führt man den Rauch nicht direkt nach der Esse, sondern, um auch seine Hitze noch auszunutzen, durch Feuerzüge, Zugkanäle, deren Weite mindestens gleich der Fläche der „NRostschlitze sein muß, aber um so größer gemacht werden (kann, ja muß, je größer ihre Gesamtlänge ist. Diese aber twird natürlich um so größer, je öfter man sie um das zu erhitzende Gefäß herum, oder bei Heizungsöfen hin u. her oder hinauf und herab führt; doch ist auch hier eine Beschränkung vorhanden, denn in zu langen Zügen wird der „Rauch zu sehr erkalten u. dann nicht mehr abziehen. Bei. Anlage mehrerer Züge vom Feuerraum aus müssen sie alle gleichen Zug haben, sonst benutzt das Feuer blos denjenigen, welcher am kürzesten ist und daher am meisten Zug hat. Am besten ist es daher, bei getrennten Zügen in jedem derselben eine Regulirungsvorrichtung, Schieber od. Klappe, anzubringen. An Stellen der Züge, wo Ruß oder Flugasche sich besonders ansammeln können, z. B. an Knieen, sind Reinigungsöffnungen anzubringen, die mit Kacheln, Ziegeln, Eisenthürchen, Blechschiebernetc. verschlossen werden. Bei Dampfkesseln, Blasen etc. müssen die oberen Züge, sobald die Flüssigkeittiefer steht, abgesperrt werden können.