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BaukunstBau-Lexikon 1881

Grabmal, Grabdenkmal, n., Monument, Grabmonument, n. frz. tombeau, monument m. funéraire, monument sé6pulcral, mausolée, m., möle, f. (u. m.), engl. sepulchral monument, mole, mausoleum, stately tomb, lat. monumentum, monimentum, sepulerum, taplues, mausoleum, n., griech. ννα νρα, -οοε. Die Gestaltung der Grabmäler hat sich natürlich immer in gleichem Schritt mit dem Kultus verändert. Fast bei allen Völkern und Religionen finden sich theils Einzelgräber für besonders hervorragende Personen, theils Massengräber, nicht bei allen aber Familiengräber. I. Vorstufen. Als dieälteste, natürlichste undursprünglichste Form des Grabmals kann wohl der Grabhügel, lat. tumulus, gelten, der aus Erde oder unregelmäßigen Steinen hergestellt sein kann. Diese Grabhügel sind bei den meisten gar nicht oder wenig kultivirten Völkern im Grundriß rund, so bei den Maori's auf Neuseeland „bei den Mußgo-Negern im Süden Afrika's, s. Fig. 1998, bei den Buddhisten der ersten Zeit im Süden f und Norden des Himalaja (s. d. Art. buddhistische Bau-n weise), bei den Chinesen in der ältesten Zeit ihrer Ge-f schichte, bei den Pelasgern, Kelten (s.d. Art. keltische Bau-n ten), bei den Ureinwohnern Nordamerika's 2c. Bei den meisten dieser Völker haben sie ein geradliniges Profil, also Kegelform; s. Fig. 1999, bei wenigen nur, z. B. bei den Mußgonegern, den Buddhisten etc., eine kuppelähnliche Gestalt. Noch seltener kommt auf niederer Kulturstufe die eckige Grundrißform vor, so auf der Osterinsel, auf Otahaiti u. anderen Inseln der Südsee die rechteckigen, Morai genannten Stufenpyramiden. Hier u. da erscheint die obere platte Abgleichung (s. Fig. 1016) oder die Abstufung auch bei runden oder unregelmäßigen Grundformen, z. B. bei den Mounds in Nordamerika, s. Fig. 2000. Einige dieser Mounds haben auch figurirte Grundrisse, s. Fig. 2001, andere runde Kuppen od. spirale Aufgänge, f. Fig. 2002. Diese Grabhügel sind theils als Massengräber, theils als Einzelgräber zu betrachten. Für Einzelgräber findet man auch schon auf sehr niedriger Kulturstufe Fig. die Form aufrecht gestellter Steine (vgl. d. Art.Bautastein u. keltisch, nebst Abb.). Diese Steine wurden sogar vielfach mit Grabschriften versehen. Solche Gie haben sich ebenso bei den Wilden Amerika's gefunden, s. Fig. 2008, als in Skandinavien, s. Fig. 2009. Bei den Kelten u. Germanen wurden häufig, ja vielleicht fast immer, im Innern der künstlichen Hügel Grabkammern angelegt. Die meisten sogenannten Steinkisten, Steingänge etc. sind solche Grabkammern, welche entweder noch keine Ueberschüttung erhielten oder derselben beraubt wurden, erstere aus der sog. Steinzeit, letztere aus der sog. Bronzezeit. Aehnlich diesen, aber durch eine vollständige Spannschicht verschlossen, ist Fig. 2005. Der sog. Eisenzeit gehört die schon bedeutend entwickelter Form an, für welche Fig. 2006 und 2007 das interessanteste Beispiel liefert. Die Kammer selbst ist hier schon ganz wie bei den pelasgischen Schatzhäusern u. Gräbern (s. unten sub III. a. u. Griechisch), durch Ueberkragung in Spitzbogen geschlossen. Weiteres s. in d. Art. Hünenbett, Hünengrab u. keltisch. II. Bei steigender Kultur wurden die erwähnten Formen sämtlich künstlerisch ausgebildet; diese Ausbildung aber nahm oft einen solchen Gang, daß man kaum die Grundform noch zu erkennen vermag. Auch örtliche Verhältnisse wirkten auf diese Gestaltung mit ein: wo man Felsen od. 1999. Grabhügel für Odin, Thor und Freya bei Upsala. überhaupt Berge vorfand, höhlte man natürlich blos die Grabkammern in denselben aus, ohne erst noch einen künstlichen Hügel darüber aufzuführen, wie dies in ebenen Gegenden geschah. Aus diesem Grund finden sich oft bei demselben Volk beide Gestaltungen neben einander, z. B. die Grabmale der Aegypter waren theils. Pyramiden, also architektonisch umgestaltete künstliche Hügel, theils Fig. 2002. Mounds mit Aufgang und Kuppe. in dem Felsen gänzlich verborgene, von außen oft absichtlich unfindbar gemachte, oder mindestens nicht architektonisch verzierte Höhlen; dann finden sich solche, die an der Vorderseite mit Fagade versehen sind oder auch in der siothek Heidelberg DFC Vorderseite des Felsens ausgehauene Grotten mit Tempe fagaden und säulengetragenen Decken, welche in besond ren Kammern die Mumienkästen enthielten, s. dar. d. Ar ägyptischer Stil. Bei den Assyriern und Chaldäern fir det man besonders als Massengräber Hügel mit dari aufgeschichteten wannenförmigen Sarkophagen von grü glasirtem gebrannten Thon, s. Fig. 266, auch wohl mit Flachreliefdarstellungen von Kriegern etc., daneben aber Chaldäer, bei den Babyloniern, bei den Medern u. Persern. Die Pyramidengräber der letzteren Völker haben wenige und große Stufen u. sind durch tempelartige Auf-IIII. Die Grabmale der Griechen lassen sich in folgende Klassen eintheilen, deren meiste sich auch bei den Etruskern finden: a) Erdhügel in der frühen, einfachsten Form, *⁰νιον½ο, später Vhere genannt, besonders längs des Hellespont und in den troischen Ebenen erhalten, sowie zu Pantikapäon am kimmerischen Bosporus, bei Marathon etc. Häufig wurden diese Erdhügel an ihrem Fuß mit einer kreisrunden Futtermauer von 1½3 m. Höhe (vennie) versehen (s. Fig. 2011. Vergl. dazu Fig. 1635 im Art. Etruskisch). Die meisten dieser Hügel enthalten eine Grabkammer, s. Fig. 2012 sowie Fig. 1636, und haben bis zu 60 m. Durchmesser bei etwa 40 m. Höhe; ob ihre ziemlich steil (etwa 50%) gegen den Horizont geneigten Spitzen einen Altar od. sonstigen Schmuck trugen, ist noch unentschieden. b) Felsenhöhlen und Grotten, natürlich od. künstlich hergestellt, ohne äußeren Schmuck und ohne feststehende Regel für Gestaltung des Innern; doch zeigen die meisten derselben Reihen von Sarkophagnischen an den Seiten von Gängen u. od. auch, wie bei Syrakus, ganze Gruppen in den Felsen gehauener Sarkophage, so zwar, daß drei od. vier derselben unter einer Deckenabtheilung stehen, die durch stehen gelassene Pfeiler des Felsens selbst gestützt wird. e) Erdgräber, indem entweder Steinsärge (codo)) in die Erde versenkt wurden, oder wenige Fuß unter der Erdoberfläche der Raum zu Aufnahme der Todten schlicht ausgemauert ward. d) Felsenhöhlen mit Fagaden im Abhang des Berges. Die meisten Gräber dieser Art rfinden sich in Phrygien und Lykien, und es scheinen die Gang, von Sarkophagnischen flankirt. Der Gang war oft überwölbt oder gewölbförmig in den Felsen ausgehauen. Bei einigen breitete sich die Vorhalle zu einer hofartigen Anlage aus. Oft reihten sich derartige Gräber aneinander u. bildeten so eine Todtenstadt od. Andropolis, Nekropolis, Gräberstadt, z. B. in Kyrene, s. Fig. 2015. e) Grabmit Altar. War ein G. irgend einer der erwähnten Gattungen einem zum Heroen erhobenen Todten geweiht, so hieß es Heroon u erhielt dann einen Altar, meist von runder Form. Auf diesem Altar oder sonst auch auf dem Gebälk der Säulen befand sich die Grabschrift, das Epitaphium. k) Grabsteine. Einzelgräber wurden durch Auflegen von halbkugelförmigen Steinen, auf der flachen Seite mit Epitaphium versehen, od. durch Aufstellen von Stelen und Eippen, hohen, schmalen Steinen, oder auch breiten, schwachen Platten, mit Akroterien auf dem oberen Ende geziert. g) Freistehende Felsengräber. Die älteste Form ist ganz der Fig. 2013 dargestellten entsprechend, aber eben freistehend gearbeitet, häufig mit spitzbogigem Dach versehen, s. auch den Art. Lykisch. Das Urbild dieser Form kann also entweder ein hölzernes Grabhaus od eine tragbare Todtenbahre gewesen sein; zunächst folgt die nach außen blos mit vertieften Feldern versehene, ziemlich würfelförmige Grabzelle, die auf Stufen einen thurmähnlichen Pfeiler trägt. Für Familiengräber mußte natürlich die ganze Gestalt an Schlankheit verlieren, an Breite zunehmen; dabei machte oft der Pfeileraufbau im Zurückgreifen auf frühere Formen einem Erdhügel Platz, der sich über dem quadratischen Unterbau aufthürmte. b) Frei hingestellte Sarkophage, wie auf dem Schlachtfeld von Platäa, Fig. 2016. ) Gebäute Grabkammern, außen pyramidal, aber ohne Stufen gestaltet, offenbar aus den Erdhügeln hervorgegangen, meist rechteckig od. quadratisch im Grundriß. k) Pyramiden mit lothrechter Fußeinfassung, rechteckig oder rund im Grundriß, dann aber meist noch auf viereckigen Unterbau gesetzt. )Grabhäusermit Giebeldach, wohlentstanden aus der Grabkammer von der in Fig. 2005 dargestellten Form; Beispiele bei Delphi u. am Berg Ocha auf Euböa. m) Durch künstlerische Durchbildung sowie durch gegenseitige Verschmelzung der genannten Formen entstanden nun die manchfachsten und schönsten Kombinationen; unter diesen zeichnen sich besonders folgende aus: Grabtempel mit Cella, auf hohem, etwas geböschtem Unterbau, denselben ganz ausfüllend; Tempelbau ohne Cella, auf dem die Grabzelle enthaltenden, etwas breiteren Unterbau, der auf einem pyramidalen Sockel steht. Daraus entstand n) Der Grabthurm. Solche hatten auch schon die Phöniker, s. d. Art. Phönikisch. Die reichste Kombination zeigte das Denkmal des Königs Mausolus in Halikarnaß, nach welchem noch Jjetzt alle großartigen Grabmale Mausoleen heißen. Die H Grabstein eines Tschippeway-Häuptlings hinseln. Eisenzeit. mit Bildschrift. Restaurirung in Fig. 2017 basirt auf den Nachrichten in den klassischen Schriftstellern, zusammengestellt mit den Ausgrabungen der letzten Jahre. o) Kegelgräber. Von den Etruskern sind uns Gräber mit mehreren kegelförm. Aufsätzen auf viereckigem Unterbau erhalten (s. Fig. 1638). Auch die Phöniker scheinen diese vielleicht aus den runden Erdhügeln entstandene Form gekannt zu haben, ob auch die Griechen, das steht noch dahin. p) Man baute auch Denkmäler für solche Todte, deren Gebeine Fig. 2009. Uplandischer Runenstein. nicht zu erlangen waren; diese hießen dann Kenotaphien (s. d. und Denkmal). IV. Römische Grabmale. Die Römer sußten, wie in anderen Kunstzweigen, so auch im Gräberbau, auf den griechischen undetrustischen Traditionen; daher finden sich denn bei ihnen fast dieselben Grabformen, wie bei jenen Völkern. a) Unterirdische Grabzellen mit Sarko-Sbibliothek Heidelberg COFC Familien- u. Massengräber zu Aufbewahrung der Aschenkrüge; s.d. Art. Columbarium c) Unterirdische Einzelgräber kommen höchst selten vor. d) In Felsen gehauene, aber mit Façade versehene Gräber, sowohl einzeln wie Fig. 2018, die Konsulargräber zu Palazzuola, als auch in größerer Anzahl, zu Todtenstädten vereinigt wie in Petra, aus spätrömischer Zeit, s. Fig. 2019. Petra ist die ausgedehnteste und formenreichste Gräberstadt, die uns erhalten ist; eins der elegantesten Gräber BLIOTHEK Stühle etc. Vor dem Eingang stand der Altar zur Verbrennung. Das Ganze war meist von einem Gärtchen umgeben. k) Altarähnliche Bauten oder riesige Sarkophage, deren Unterbau die Grabzellen enthält. Fig. 2023 zeigtein Beispiel auf der Campagna Roms. J) Grabzellenunterbau, ein Postament mit Statue tragend. m) Stelen und Votivplatten. n) Thurmbauten in großem u. kleinem Mäaßstab und in den manchfachsten Formen. Wir geben S als Beispiel Fig. 2024 ein Thurmgrab bei St. Remy in Frankreich. Während die Griechen ihre Gräber zu Nekropolen in der Nähe der Städte vereinigten und die Etrusker dieselbe Sitte hatten, pflegten die Römer, um die Inschriften zu Aufmunterung der Nachahmung großer Männer etc. möglichst vielen Leuten lesbar zu machen, die

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 504Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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