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BaukunstBau-Lexikon 1881

Gräber entlang den aus Städten auslaufenden Landstraßen zu reihen; soentstanden die Gräberstraßen. Erhalten sind viele, darunter besonders die Gräberstraße in Pompeji bliothek Heidelberg TCOFC und die Via Appis bei Rom; s. Fig. 2025. Die Bilder! der Verstorbenen wurden theils auf den Sarlophagen lie gend, sitzend, selten stehend, thells an der Vorderwand der Sarkophage zur Handlung mit anderen Gestalten vereinigt, meist in Reliefs, theils als Medaillons, ebenso häufig aber auch, und zwar in manchfachster Weise, an der Außenseite der Grabgebäude angebracht, s. z. B. Fig. 2026, das Grab der Seipionen bei Tarragona in Spanien. V. Die ältesten Christen blieben in der Hauptsache zunächstbei den römischen Grabformen stehen. Man könnte bes.folgende Grabmale unterscheiden: bauten von Kirchen, theils als Unterbauten der Thürme errichtet, aber sie charakterisirten sich äußerlich nicht als Grabmäler, waren vielmehr nur Hüllen für das eigentliche G., welches das ganze Mittelalter hindurch nicht als Gebäude, sondern als Kleinwerk im oder am Gebäude, selten isolirt, auftritt. Der Kern u. die Hauptsache dieses mittelalterlichen Grabmals war und blieb der Sarg oder Sarkophag, in einzelnen Fällen wirklich den Leichnam enthaltend, meist aber blind. Während die altchristliche, frühromanische und byzantinische Kunst die kastenähnliche, rechteckige Form des römischen Sarkophags beibehielt, sind die Särge späterer romanischer Kunst sowie ihrer Abzweigungen meist nach den Füßen zu schmäler, an den Schultern am breitesten und mit besonderer Aushöhlung für den Kopf versehen, s. d. Art. Angelftichsisch und Anglonormannisch. In der gothischen Zeit kam die rechteckige Form wieder zur alleinigen Geltung, aber schon in romanischer Zeit wurden die Sarkophage nicht immer aus einem Stück, monolith, hergestellt, sondern aus Steinplatten zusammengesetzt, aus Metall, bes. Bronze, gefertigt (engl. brazen tombs). Die Verzierungsweise der Sarkophage folgte natürlich dem Gang der Stilentwickelung. Abgesehen von diesen stilistischen Umwandelungen, blieben die Klassen der Grabmale durch das ganze Mittelalter hindurch folgende: a) Sarkophag mit od. ohne ornamentalen Schmuck, mit oder ohne liegende Statue, frei auf dem Fußboden, meist auf Stufen stehend, oft mit einem Gitter umgeben; Beispiel Fig. 2027 G. Kaiser Friedrichs III. im Stephansdom zu Wien, um 1340 vollendet. Wenn eine Porträtstatue auf dem Sarkophagdeckel (coffinslab) lag, so war in Gebrauch, frz. tombe plates en bronze, plaque tumu- b. laire, fenéraire, engl. monumental brass, Iat. lapis p funeralis auricalcius. Auch sie sind, gleich den steinernen,‚ de nicht immer in Relief gearbeitet, getrieben oder gegossen, re Kölner Platten, frz. Colognein England wurden auch nur einzelne Bronzetheile in eine Steinplatte eingesetzt. d) Arcisolium, Sarkophag in einer Nische, frz. tombeau arqué, meist auf Konsolen od. sehr hohen Postamenten stehend, mit oder ohne Porträtstatue, Fig. 2029. Oft stehen zu den Seiten in Nischen Statuen, engl. weepers. e) Sarkophag mit liegender Statue u. Baldachin, in Nische oder freistehend, s. Fig. 2030, Sebaldsgrab in Nürnberg; sehr häufig hängen, namentlich bei in Nischen stehenden derartigen Grabmalen, vom Baldachin Vorhänge (tetravela) herab, die von Engeln aufgehoben werden. k) Stehende Porträtstatue in einer Nische oder unter einem Bal-Sarkophag mit stehender oder ganz gegen Ausgang des Mittelalters h) sitzende Porträtstatue auf dem Sarkophag. VII. Renaissance 2c. Alle die Variationen, die im Mittelalter sich ausgebildet hatten, noch vermehrt durch eine große Anzahl weiterer, namentlich reicherer Dispositionen, oft mit sehr prätentiösen, mehr oder weniger an die Triumphbogenform dekorationen hinter und um den Sarkophag, ziehen sich durch die ganze Renaissancezeit hindurch. Schon in dieser Periode, ja schon im 15. Jahrh. erschienen, zunächst in England, Auswüchse u. Abarten. So findet man eine Art Tischgrab mit zwei liegenden Statuen über einander; die untere ist dann ein Skelett, die obere die Porträtfigur; solche Gräber vorchristlichen Stile gestaltet. Demnach wãären dazu folgende Formen geeignet: Eine das Grab bedeckende Platte mit Porträtfigur oder Inschrift; ein Sarkophag, oben mit Porträt, an den Seiten mitchristlich allegorischen oder direkt christlichen, d. h. biblischen Darstellungen besetzt; ein Hügel mit daneben oder darüber in die Wand eingesetzter Porträt⸗ oder Inschriftsplatte, oder zu Häupten des Hügels ein Kreuz, ein Postament mit einem trauernden, christlich gestalteten Engel oder einem andern, jedenfalls aberchristlichen Symbol. — 2. Ehrengrabmale, einzelnen Personen oder auch einer Anzahl gefallener Krieger gewidmet, in Gestalt und Darstellungen möglichst dem Charakter und der vorherrschenden Lebensthätigkeit des Verstorbenen angepaßt. — Dergleichen Grabmale sind bei unzureichenden, spärlichen Familien anderer Stände gebräuchlich. Man giebt ihnen am besten die Gestalt einer Grabkapelle, d. h. einer kleinen‚ vielleicht vorn offenen Kapelle, mit darunter befindlicher Gruft. Man kann auch entlang der Friedhofsmauer die Begräbnisse der Familien unter einer Arkade reihen, wie dies z. B. in Halle, Leipzig re. im 16. Jahrh. u. neuerdings in München geschah u. wodurch der Friedhof zu einem Campo Santo (s. d.) wird; zopfige Ausartungen dieses Motivs sind die sogenannten Schwibbogen auf vorsichtig behandelt werden, bes. wenn sie nur an verziert werden, damit diese nicht der Vornicht vorhandenen Gebäudes gleiche, auch aussehe. Zu ihrer Dekoration ist wohl Wandfläche mit einem Tabernakel, einer Nische oder einem Altarbau in der Mitte das Anzubringende Allegorien müssen stets christlich bei adeligen Familien können die Wappen bürgerlichen, wenn solche erbliches Gewerbe haben, Anspielungen auf dieses, oder sonst das Porträt eines berühmten Mannes, der der Familie angehörte. Vor allem hüte man sich ebenso vor Roheit als vor Koketterie in der Anordnung. In das Gebiet der ersteren fällt die Belegung der Mauer mit Pflastersteinen, in das Gebiet der letzteren die Anbringung von Blumenampeln u. anderen kleinlichen Spielereien, sowie die Gestaltung der Wand als Columbarium, deren Ausstattung mit Knochen, Sensen, Sanduhren u. dgl. mehr. B. Jüdische Grabmale, in der Regel eine Art Stelen oder Cippen, oben mit Darstellung u. blos mit Inschrift versehen sind, sehr selten b liegende Grabplatten, s. Fig. 2033, Friedhof bei Kairo; L s. übr. noch d. Art. Kirche, Denkmal, Friedhof, Begräbnisplatz etc. 0

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 508Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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