Gußgewölbe, n., frz. voüte f. coulée, engl. cast-vaulting, rubble-vault, eigentlich ein unlogischer Ausdruck, denn ein gegossener Körper ist eben nicht gewölbt. Herstellung massiverRaumüberdeckungen durch Gußistmindestens ebenso alt als die eigentliche Wölbung aus Keilstücken; sie kann bes. auf folgende vier Arten geschehen: Man stellt ein Lehrgerüft auf u. verschalt dies nach der gegebenen Bogenform mit Bretern; trägt von unten nach oben auf diese Verschalung aus leichtem Gestein, wie Bimsstein, Tuff, Schlacken mit Puzzolanerde oder dergl., gemischten Beton schichtweise auf, und zwar so stark, als die Wölbung sein soll. Man darf die nächstobere Schicht nicht eher auftragen, als bis die nächst untere getrocknet ist, was bei dem schnell trocknenden Mörtelguß in wenigen Tagen geschieht. Große Risse entstehen, wenn die neuen Lagen zu zeitig aufgetragen werden, da sich die trocknende Masse gewaltig zufammenzieht. — 2. Für Brücken od. Tonnengewölbe schichtet man Steine so auf, daß sie als Lehrgerüst die Brückenbogenform darstellen. Ueber diese bringt man eine schwache Schicht Sand, glättet diesen, schichtet nun darauf kleineres Gestein u. vergießt dasselbe mit Puzzolanmörtel od. dgl. Sobald das Ganze getrocknet ist, räumt man die unteren Steine weg. Aehnlich verfährt man zur Herstellung von Hütten. Man schichtet kegetförmig große Steine auf einander und bringt auf diese schichtenweise einen Guß aus kleinen Steinen und Puzzolane, indem man da, wo Fenster oder Thüren hinkommen sollen, Oeffnungen läßt; räumt man nun, sobald der Guß trocken ist, durch die Oeffnungen den inneren Steinkegel fort, so erhält man einen Raum, der kegelförmig gewölbt ist. — 3. Größere Räume theilt man durch Gurtbogen in mehrere Gewölbjoche od. auch die einzelnen Gewölbflächen durch Bögen und Querbögen in mehrere Felder, welche man dann nach dem Verfahren Isub 1 ausfüllt, oder auch wohl nach Verfahren 2 ausgießt. Dieses Verfahren war bei den Römern besonders beliebt „und viel angewendet. — 4. Man trägt auf die Lehrgerüste, tswelche gehobelt sein müssen, 2½ —3em. starkfeinen Mörtel fauf, und auf diesen bringt man dünnflüssigen Mörtel, mit „Stein⸗ oder Ziegeltrümmern untermengt. Etwa 40 em. über dem Scheitel gleicht man wagrecht aus, u. 14 Tage 1Jnach Vollendung des Ganzen entfernt man die Lehrgerüste. „Die Widerlagsmauern können für das G. schwächer „sein als für andere Gewölbe, bes. wenn man bis zum Austrocknen des Gusses eiserne Hülfsanker einzieht, da in trockeenem Zustand das Gewölbe als einziger ausgehöhlter Stein betrachtet werden muß, der nur senkrechten Druck u keinen tSeitenschub ausübt. Die Wölbstärke muß jedoch größer sein als bei Steingewölben. Von den Römern hatten die Ostgothen u. von diesen die Longobarden das G. nach dem eunter 3. erwähnten Verfahren erlernt. Letztere nannten es tmassa, wendeten es zwar, wie es scheint, beimonumentalen Bauten ziemlich selten an, bei Profanbauten aber sehr ehäufig, sie verpflanzten es nach dem Norden (Aachen etc.); „vom Jahre 1000— 1200 kommt es sehr selten vor. In spätt romanischer Zeit (Magdeburg, Merseburg etc.) wurde die r Eintheilung durch Bogennetze selten vorgenommen, sond dern oft ganze Kappen aus einem Guß hergestellt. Die . Methode 1 findet sich namentlich oft angewendet. An „Bauten der Frühgothik sowie an römischen Bauten der ⸗ gleichen Zeit findet sich öfter das Verfahren 4 angewendet, und in der Zeit der Spätgothik wurde sogar die Schalung —nicht blos gehobelt, sondern auch mit Gliederungen in ibliothek Heidelberg DFC Man gießt in höl yzerne Kästen schichtenweise ein Gemenge von Mörtel und S Steiniteren s. Béton. Die Kästen werden nach Erhärtung der Masse abgenommen. War bei Römern bekannt, bei den Langobarden beliebt.