Formelbücher nennt man Sammlungen, welche im Mittelalter in den Kanzleien angelegt wurden, um Muster für Urkunden und Briefe zur Hand zu haben. Solche Muster können erfunden sein, wurden aber ebenso häufig wirklichen Urkunden und Briefen entnommen, meist mit Hinweglassung oder Veränderung des geschichtlichen Inhalts, da es nicht so sehr auf diesen ankam, als auf die formelhaften Sätze, durch welche ein Schriftstück erst zur Urkunde wurde. Die ältesten f olcher Formelsammlungen schließen sich noch dem Gebrauche der röm. Kaiserzeit an; zu den berühmtesten gehört die des Marculf aus dem 7. Jahrh. (Vgl. de Rozière, «Recueil générale des formules usitées dans L'empire des Francso, 3 Bde., Par. 1859—71; Zeumer, Formulae Merowingici et Karolini acvio, Tl. 1, Hannov. 1882.) Die Formeln selbst wurden im Laufe der Zeit vielfach nach dem Bedürfnisse umgearbeitet und die Zahl der wird besonders seit dem 11. Jahrh. sehr groß. (Vgl. Rockinger, «Briefsteller und F. des 11. bis 14. Jahrh. », 2 Bde., Münch. 1864; Bärwald, «Zur Charakteristik und Kritik mittelalterlicher F.v, Wien 1858.) Etwas Ahnliches bieten die Briefsteller für Liebende, Kaufleute u. s. w. der neuern Zeit. Tormell, s. u. Formal und Formalismus.