FeedMonogramm
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Monogramm (grch.) oder Handzeichen (lat. signum), auch mit dem franz. Worte Chiffre nennt man eine Figur, in welcher durch einen oder auch mehrere in einen verschlungene Buchstaben, durch ein Zeichen u. s. w. der Name und Titel einer Person ausgedrückt werden. Die Anfänge des M. verlieren sich bis in die frühesten Epochen der menschlichen Kultur, wo man, vor Erfindung der Buchstabenschrift, mit einfachen Zeichen an den Gegenständen das Eigentum anzudeuten pflegte. Es ist in der ältesten Geschichte der Indier nachzuweisen und kommt noch heute bei den Chinesen als Siegel vor. Namenllich bieten die griech. Münzen eine reichhaltige Sammlung von M. dar. Immer häufiger kamen sie in Gebrauch unter den fränk. Königen. Durch Kaiser Karl d. Gr., der ihnen eine bessere Gestalt gab, wurden sie ein allgemeiner Gebrauch in allen zu dem großen Frankenreiche gehörigen Ländern, sowol auf Münzen wie in Urkunden. Geistliche und weltliche Regenten wählten sich nach Willkür bei ihrem Regierungsantritte M. ihres Namens. Erst im 12. Jahrh. wurden sie des veränderten Geschäftsganges wegen im amtlichen Verkehr allmählich wieder außer Gebrauch gesetzt. Am längsten hielten sie sich in Deutschland, wo sie erst 1495 auf dem Reichstage zu Worms abgeschafft wurden. Doch blieben sie im Geschäftsleben als Hausmarken bis in das 17. Jahrh. im Gebrauch. Die Lehre von den mittelalterlichen M. ist für die Erklärung und Kritik der Denkmäler und Urkunden dieser Zeit von großer Wichtigkeit und bildet einen besondern Teil der Diplomatik oder Urkundenlehre. Später trug man das Wort auf alle Namenschiffren, Züge, sonstige Zeichen der Maler, Kupferstecher und anderer Künstler über, womit dieselben ihre Arbeiten als die ihrigen zu bezeichnen pflegten. Vgl. Heller,Monogrammen-Lexikon» (Bamb. 1831); Bruillot, Dictionnaire des monogrammesv (neue Aufl., 3 Bde., Stuttg. 1832 —34); Nagler und Andresen, Die Monogrammisteno (fortgesetzt von Claus, Münch. 1857 fg.); Müller, «Sammlung von M.v (2. Aufl., Stuttg. 1876 fg.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 825Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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