FeedSchreibmalerei
Bildende KunstBrockhaus 1882

Schreibmalerei, die Verzierung der Bücher durch den Schreiber selbst, im Gegensatz zur Miniaturmalerei, übrigens häufig mit dieser Kunst selbst zusammenfallend. Sie geht früh bis in das Mittelalter zurück, ohne daß man ihren Ursprung genau anzugeben vermöchte. Doch weist alles darauf, daß sie im Norden entstanden. Es gibt irische Grab- und german. Runeninschriften, von verzierenden Linien umgeben, welche beide als Ausgang der spätern Schreiberzüge angesehen werden können. Seit der karolingischen Zeit sind sie in Büchern allgemein üblich, stets im Anschluß an die jeweilige, die ganze Kunst beherrschende Stilart und unter vermehrter Hinneigung zur obengenannten Malerei, welche sie im 15. Jahrh. ziemlich absorbiert hatte, freilich nur, um die S. im 16. und 17. Jahrh. mit den eigentlichen Schreibemeistern und sog. Modisten als selbständige Kunst (Kalligraphie) von neuem hervorgehen zu lassen. Zu den berühmtesten derselben gehörte Joh. Neudörffer, der um 1550 zu Nürnberg blühte und jene in verschiedenen Werken systematisch behandelt hat. Schon vor ihm war sie indes von der Buchdruckerkunst aufgenommen. Das 18. Jahrh. brachte sie 1* und mehr außer Gebrauch. Verwandt damit ist die Kleinschreiberei Mikrographie), welche weit später entstand, aber länger sich hielt und Schriften lieferte, die zum Teil nur unter dem Vergrößerungsglas lesbar werden. Man führte das Vaterunser, einzelne Psalmen, wie den 128., u. dgl. auf so engem Raume aus, daß sie in Ringe gefaßt werden konnten. Man ging, die Spielerei übertreibend, so weit, daß man Bildnisse, selbst ganze Reiterporträts zeichnete, deren Umrisse samt den Beigaben geschrieben waren und die Geschichte oder das Lob der dargestellten Person, Bibelstellen u. s. w. enthielten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 494Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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