Forster (John), engl. Publizist und Historiker, eb. 1812 in Neweastle, kam in der Absicht, Advot zu werden, nach London, wo er auch an die Barre berufen wurde, wählte jedoch bald eine publizistische und litterarische Thätigkeit. Bekannt machte er sich zuerst durch seine Beiträge zu der radikalen Wochenschrift The Examinero, an der er während der dreißiger Jahre neben Fonblanque einer der wirkungsvollsten Mitarbeiter war und deren Redaction er selbst 1842—52 leitete. In Gemeinschaft mit Dickens, mit dem eine frühgeschlossene, lebenslange Freundschaft ihn verband, begründete er 1845 die Daily Newso, und fungierte, nach Dickens' bald erfolgendem Rücktritt von der Redaction dieser Außerde ein Jahr lang als deren Hauptredacteur. Außerdem war er Mitarbeiter an der Edinburgho und «Quarterly Reviewo und andern Zeitschriften. Seinen Ruf als Schriftsteller begründete F. durch sein auf fleißigen Ouellenstudien beruhendes 4 Werk «Statesmen of the commonwealth of Englando (5 Bde., 1841—44), dem später die dieselbe Geschichtsperiode behandelnden und viel Neues enthaltenden Schriften Arrest of the five members by Charles Io (1859), (Debates on the grand remonstrance o (1860) und „Sir John Eliot. A biographyo (2 Bde., 1864; 2. Aufl. 1873) folgten. Noch Ausgezeichneteres leistete F. auf dem Gebiete der litterarischen Biographie, das er zuerst mit seinem «Lite, adventures and times of Oliver Goldsmitho (2 Bde., 1848; 5. Aufl. 1873) betrat. Diesem vortrefflichen, allgemein als mustergültig anerkannten Werke schloß sich an: »Walter Savage Landor. A biographyv (2 Bde., 1868; 2. Aufl. 1872), «The life of Charles Dickens „ (3 Bde., 1871—74; deutsch von Althaus, 3 Bde., Berl. 1872—75) und das unvollendet ebliebene Life of Jonathan Swifto (1876). Umfassende, selbständige Forschung, übersichtliche Anordnung des Stoffs, kritische Schärfe, verständnisvolle Sympathie und ein kräftiger prägnanter Stil zeichnen diese Leistungen aus. Eine Sammlung seiner Beiträge zu Revuen und Zeitschriften veröffentlichte er unter dem Titel Biographical and historical essays v (1859; 3. Aufl. 1873). Seit 1855 verwaltete F. auch das Amt des Sekretärs der Kommission für Irrenanstalten, seit 1861 dasjenige eines ordentlichen Mitgliedes dieser Kommission. Er starb zu London 1. Febr. 1876. orster (William Edward), engl. Staatsmann, Abkömmling einer angesehenen Quäkerfamilie, wurde als der einzige Sohn eines Predigers dieser Sekte und einer Tochter Sir Thomas Favell Buxtons 11. Juli 1818 in Bradpole in Dorsetshire geboren und empfing seine Erziehung in der Quäkerschule in Tottenham. Später wurde er Fabrikant in Bradford. Seine erste bemerkenswerte Beteiligung am öffentlichen Leben war eine Reise, die er während der großen Hungersnot 1846—47 nach Irland machte, um in den notleidenden Distrikten einen durch die Quäker gesammelten Unterstützungsfonds zu verteilen. Im J. 1861 wurde er als liberaler Kandidat in Bradford gewählt und hat seitdem diese Stadt unausgesetzt vertreten. Als entschiedener Liberaler aus der Schule Cobdens und Brights, als kenntnisreicher, umsichtiger Politiker und als gewandter Redner erlangte F. bald einen 0 günstigen Ruf, daß Lord Russell ihm schon 1865 as Unterstaatssekretariat für die Kolonien übertrug. Nach dem raschen Sturz des Ministeriums Russell im Juli 1866 verlor er diesen Posten, erlangte jedoch im Dez. 1868 in dem Ministerium Gladstone das Amt des Vizepräsidenten des Erziehungsrats, das er mit ungewöhnlicher H nung verwaltete. Die Hauptthat seiner Amtsführung war einer der wichtigsten Akte der neuern engl. Gesetzgebung: die Erziehungsbill vom J. 1870. Die echt staatsmännische Begabung, welche F. bei den Verhandlungen über diese Bill entwickelte, nötigte auch seine Gegner zur Anerkennung und hatte seine Aufnahme ins Kabinett zur Folge. Dieselben Eigenschaften bewährte er 1872 ei der Durchführung der Ballotbill. Bei dem Sturze des Ministeriums Gladstone im Febr. 1874 hatte er eine so angesehene Stellung errungen, daß, als Glädstone zu Anfang der folgenden Session von der Führerschaft der liberalen Partei zurücktrat, . zu seinem Nachfolger vorgeschlagen wurde. Er lehnte indes diese Ehre noch vor der Wahl ab, weil, wie er meinte, sein persönlicher Einfluß den notwendigen Erfordernissen einer solchen Stellung nicht genüge. Während der folgenden Jahre kämpfte F. in den vordersten Reihen der Opposition gegen die Ausschreitungen des Ministeriums Disraeli-Beaconsfield. Als nach dessen Sturze Gladstone im April 1880 sein zweites Ministerium bildete, übernahm F. den unter den Umständen besonders schwierigen Posten des Hauptsekretärs für Irland. Als solcher nahm er in der Session von 1881 einen leitenden Anteil an den Debatten über die irische Landbill und die Bill, betreffend den Schutz des Lebens und Eigentums Die strenge Durchführung der letztern Akte, welche die Verhaftung vieler des Mordes und der Einschüchterung verdächtigen Personen und im Herbst 1881 auch die Gefangensetzun Parnells zur Folge hatte, zog ihm ebens o den Ha der irischen Parlamentspartei wie der geheimen Gesellschaften zu und nur wie durch ein Wunder entging er den Mordanschlägen der Irischen Unbezwinglichen o, auf deren Prostriptionslisten sein Name obenan stand. Inzwischen war die Mehrheit des Ministeriums zu der ÜUberzeugung gekommen, daß die fortgesetzte strenge Anwendung der Zwangsakte ihren Zweck verfehle, und zu Anfang Mai 1882 wurde die Freilassung Parnells beschlossen. F., der diesen Schritt nicht billigte, legte infolge dessen sein Amt nieder. Obgleich in allen Hauptpunkten noch immer im Einklang mit seinen frühern Kollegen, trat er seitdem doch öfter gegen die ministerielle Politik auf, nicht bloß in Hinsicht auf Irland, sondern auch neuerdings in der Transvaalfrage. Von ihm erschien: ein Hricht über seine Reise nach Irland im J. 1847; William Penn and T. B. Macaulay v (1849), eine Widerlegung der in Macaulays „Englischer Geschichtey gegen Penn erhobenen Anklagen; How we tax India; a lecture on the condition of India unter Britisbh Rulen (1858) und „Speech delivered after laying the memorial store of the first school built by the Liverpool School Boardy (1873). „Förster (August), Schauspieler und Theaterdirektor, geb. 3. Juni 1828 zu Lauchstädt, besuchte die Schulen zu Donndorf und Pforta, studierte von 1847 bis 1851 Philologie in Halle und promovierte 1851 in Jena. Noch in demselben Jahre, am 25. Mai 1851, debütierte er dann als Seckendorf (Zopf und Schwerte) bei der Bredowschen Gesellschaft in Naumburg und begleitete sie vom August 1851 bis 1853 auf ihren Wanderungen durch Sachsen und Thüringen. Im J. 1853 engagierte ihn Wallner für Posen und Bromberg als Konversationsliebhaber, von hier ging er 1855 nach Stettin, 1856 als Schauspieler und Regisseur nach Danzig und 1857 in der gleichen Eigenschaft nach Breslau. Schon vor Antritt seines stettiner Engagements hatte F. am Burgtheater gastiert und wurde nun 1858 von Laube an dieses Institut nach Wien berufen, um Jakob Lußberger und Karl Lucas zu ersetzen. Bis zum 18. Mai 1876 wirkte F. in ersprießlicher Weise an diesem ersten deutschen Theater, 1865 zum wirklichen Hofschauspieler, 1870 zum wirklichen Regisseur ernannt. Vom 1. Juli 1876 bis 30. Juni 1882 war F. Direktor des leipziger Stadttheaters. Im Herbst 1883 trat er als Regisseur und stellverkretender Direktor an die Spitze des in Berlin zu begründenden Deutschen Theaters. Als Schauspieler gefällt F. mit Recht in feinen Eharakter⸗ und Väterrollen, bei deren Darstellung ihm seine Bildung, sein geistvoller Vortrag und die sichere Einfachheit seines Spiels die Anerkennung des Kenners sichern. Rollen, in denen sein Talent besonders glücklich zum Ausdruck kam, sind Friedrich Wilhelm J. (Zopf und Schwerty), Odoardo, Musikus Miller, Nathan, Erbförster, Herzog Karl (Karlsschülero), Kattowitz (Prinz von Homburgo) u. s. w. Auch F.s beide Söhne widmeten sich der Bühne.