FeedForstlamm
ErdkundeBrockhaus 1882

Forstlamm oder Schmiedeberger Kamm heißt ein von NNW. nach OSd. ziehender Teil des Riesengebirges in Schlesien, welcher sich zwischen Schmiedeberg und der Schneekoppe von Steinseifen bis in den NW. bei Liebau hinzieht, mit dem 1219 m hohen Forstberg. Zwischen Steinseifen“ und dem Forstberge liegt in 1175 m Höhe die aus 13 Bauden (den Forstbauden) bestehende kleine Ortschaft Forst-Langwasser, am Nordabhange auf grünem Wiesenplane zerstreut, an beiden Quellarmen des Langwassers. FJorstliches Versuchswesen. Schon seit sehr langer Zeit verschlossen sich tüchtige Männer nicht der Erkenntnis, daß auch in der Forstwissenschaft an Stelle der auf bloße Erfahrung begründeten Hypothesen zur Lösung wirtschaftlicher Probleme der Weg der induktiven Forschung, d. h. der der exakten Versuche, betreten werden müsse. Wenn die Landwirtschaft in dieser Beziehung der Forstwirtschaft voraneilte, so 9 dies in der großen Schwierigkeit der forstlichen Versuche. Ein landwirtschaftlicher Versuch kann in vielen Fällen schon in wenigen Monaten zu befriedigenden Resultaten führen, während über einen einzigen forstlichen Versuch eine ganze Generation aussterben kann, ehe derselbe zum Abschluß gelangt. In so langer Zeit ist er nicht bloß sehr vielen, oft vernichtenden Storungen durch Elementarereignisse ausgesetzt, sondern bietet auch deshalb so große Schwierigkeiten, weil derjenige, welcher ihn begann, häufig die Zeit des Resultats nicht erlebt. Derartige lange dauernde Versuche dürfen nicht in der Hand eines Einzelnen liegen, sondern müssen von einer bleibenden Regierung, einer wissenschaftlichen Anstalt oder dergleichen begonnen und fortgesetzt werden. Schon seit Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrh. richteten Männer, wie Hundeshagen von Wedekind, K. Heyer u. a. ihr Streben dahin. Letzterer verfaßte im Auftrage der Versammlung süddeutscher Forstwirte (1845) seine «Anleitung zu forststatischen Untersuchungen » (Darmst. 1846). Die Sache kam aber immer wieder in Stockung, wenn auch einzelne Regierungen sich später derselben annahmen. Letzteres geschah namentlich im Königreich Sachsen seit 1860; in Bayern seit Ende der vierziger Jahre, besonders aber seit 1866; in Baden schon seit Ende der dreißiger Jahre, wenn auch nicht in großer Ausdehnung. Einen neuen Aufschwung nahm die Sache 1868 durch mancherlei litterarische Anregungen, namentlich durch Baur: „Uber forstliche Versuchsstationen. Ein Weck- und Mahnruf u. s. w.» (Stuttg. 1868), und durch einen auf Antrag des sächs. Oberlandforstmeisters von Kirchbach von der Versammlung der deutschen Land⸗ und Forstwirte in Wien gefaßten Beschluß, infolge dessen noch in demselben Jahre ein beratender Kongreß in Regensburg zusammentrat und einen Organisationsplan ausarbeitete. Mancherlei Gründe verhinderten dessen Ausführung. Gelegentlich der Versammlung deutscher Forstwirte in Braunschweig konstituierte sich 1872 ein Verein der I½½ Versuchsanstalten Deutschlands; derselbe tagte das erste mal 1873 in Mühlhausen und ist seitdem alljährlich zusammengetreten. Durch Feststellung gemeinsamer Arbeitspläne für größere Versuchsarbeiten, als Aufstellung von Ertragstafeln, Kultur- und Durchforstungsversuche, verschiedene Untersuchungen aus dem Gebiete der Holzmeßkunst und Zuwachslehre, durch Anlegung forstlich meteorologischer Stationen u. s. w., sowie durch gemeinsame usführung der Arbeiten hat dieser Verein das forstliche Versuchswesen bedeutend gefördert. An denselben beteiligten sich die von den betreffenden Regierungen unterstützten forstlichen Versuchsanstalten Preußens, Bayerns, Sachsens, Württembergs, Badens und Thüringens. Später (1882) trat das Großherzogtum Hessen r Abgesehen von der nur durch einen so großen Verband möglichen Förderung ausgedehnter Arbeiten, war es ein Verdienst desselben, als in der Versammlung des Vereins zu Rügen im J. 1875 die Einführung en Holzsortimente und einer gemeinschaftlichen echnungseinheit für Holz im Deutschen Reiche beschlossen wurde. Der Beschluß wurde zunächst in den genannten Staaten durchgeführt. Durch die größern gemeinsamen Arbeiten wurde natürlich nicht ausgeschlossen, daß die einzelnen Anstalten auch andere Aufgaben, namentlich aus dem Gebiet der forstlichen Naturwissenschaften, in Angriff nahmen. Üüber die Thätigkeit des Vereins, seine Arbeitspläne vgl. Ganghofer, «Das forstliche Versuchsweseno» (Augsb. 1877). Zahlreiche Veröffentlichungen in der forstlichen Litteratur zeigen, daß die Versuchsarbeiten in Deutschland energisch gefördert worden sind. Auch in Osterreich wurde 1872 durch das Ackerbauministerium ein staatliches sorstliches Versuchswesen ins Leben gerufen, dazu ein besonderes Büreau unter Leitung von Seckendorffs errichtet, und seit 1877 erscheinen «Mitteilungen aus dem forstlichen Versuchswesen Osterreichsö. Mehrere der Großgrundbesitzer Osterreichs baben ebenfalls Mittel zur Förderung des forstlichen Versuchswesens gewährt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 24Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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