Franseini (Stephan), schweiz. Statistiker und Nationalökonom, geb. 1796 zu Bodio im Kanton Tessin, wurde zum Geistlichen hestimmt, widmete sich aber später dem Lehrfach und bekleidete 1819— 23 eine provisorische Stelle an einer öffentlichen Schule zu Mailand. Im J. 1824 in das Vaterland zurückgekehrt, erhielt F. hier 1826 die Direktion einer Schule des wechselseitigen Unterrichts zu Lugano. In seinem Heimatskanton beteiligte er sich an der im Mai 1829 in Anregung gebrachten Verfassungsreform, besonders als Mitbegründer und erster Redacteur des „Osservatore de Carefiop, welcher w1830 unterdrückt wurde. Rach Annahme der neuen Konstitution vom 4. Juli 1830 ward F. Mitglied des Großen Rats und im Oktober Kanzler (Segretario di stato) der neuen Regierung. Im Mai 1837 wurde er ordentliches Mitglied des Staatsrats; 1844 war er abermals Kanzler und 1847.—48 von neuem Mitglied der Regierung. In dieser 18jährigen Laufbahn ließ er sich besonders den öffentlichen Unterricht angelegen sein. F.wurde auch zur Tagsatzung gewählt und 1844 zum Mitglied der eidgenössischen Untersuchungskommission über Handel und Industrie ernannt. Nach Annahme der neuen Bundesverfassung ward F. 1848 zum Mitglied des Bundesrats gewählt und ihm der Geschäftskreis des Innern angewiesen. Er starb 19. Juli 1857 in Bern. n litterarischer Beziehung ist F. als eigentlicher Schöpfer der schweiz. Statistik zu betrachten. Er schrieb «Statistica della Svizzera v (Lugano 1828; deutsch von Hagenauer, Aarau 1829; 2. Aufl., 2 Bde., Lugano 1848 49; «Supplementov, 1851; deutsch 2 Bde., Bern 1848—49, Nachtrag 1851); „«Statistica della Svizzera italianao (3 Bde., Lugano 1837—-39). F. ist 9— Verfasser der «Übersichten der Bevölkerung der Schweiz (Bern 1851), die zugleich als erster Band der amtlichen Beiträge zur Statistik der schweiz. Eidgenossenschaft» ranse, Frange oder Franze (frz. frange, engl. fringe), ein zur Verzierung dienender Besatz, aus Fäden von Gold und Silber, Seide, Wolle, Zwirn, Kamelgarn u. s. w. bestehend, die, an ihren obern Enden an einem Saum oder Band zusammengewirkt, in regelmäßiger, größerer oder geringerer Länge dicht herabhängen und von Gold- und Silberarbeitern, von Posamentierern, häufig auch von den Klöpplerinnen des sächs. Erzgebirges verfertigt werden. Pder Jnfan (Eduard Friedr. von), preuß. General der Infanterie, wurde 16. Nov. 1807 als der Sohn eines preuß. Offiziers zu Gedern in Hessen geboren, in den Kadettenhäusern zu Potsdam und Berlin erzogen und trat 1825 als Secondelieutenant in das 16. Infanterieregiment. In diesem war F. fünf Jahre (1828—33) Bataillons⸗ und Regimentsadjutant, wurde 1833—43 als Adjutant zur 13. Division kommandiert, bei welcher er fünf Jahre hindurch unter dem nachherigen Feldmarschall Grafen Wrangel eine strenge, aber ergiebige Schule durchmachte. In diese Zeit fallen die ersten litterarischen Produktionen F.s, welche außer der (Geschichte des 16. Infanterieregimentso (Münst. 1834) die Bekleidung und Ausrüstung des preußischen und die Organisation fremder Heere behandeln. Eifriges Privatstudium der Kriegswissenschaften bildete F. frühzeitig so erfolgreich und vielseitig aus, daß er ohne vorherigen Besuch der Kriegsakademie und des Topographischen Bureaus 1843 in den Generalstab gelangte. In letzterm war F. zuerst als Hauptmann bei der kriegsgeschichtlichen Abteilung hervorragend thätig, dann U50 der Taktik an der Allgemeinen Kriegsschule und nahm 1848 als Generalstabsofsizier Wrangels an dem Feldzuge in Schleswig, namentlich an den Treffen und Gefechten bei Schleswig, Oversee, Düppel und Seggelund Bierningkirche teil. Als Major stand F. 1849 in Berlin bei dem Oberkommando der Truppen in den Marken; sodann wirkte er im Großen Generalstabe als Chef der kriegsgeschichtlichen Abteilung und Redacteur des „Militär-Wochenblattesv, als welcher er für die Beihefte eine große Zahl von kriegsgeschichtlichen und biographischen Arbeiten lieferte, welche dauernden Wert haben. Dabei war er als Mitglied der Studienkommissionen der Divisionsschulen, zuletzt auch der Kriegsakademie thätig. Zur Zeit der Wiederaufnahme der Neuenburger Angeiegenheit (1857) wurde Oberstlieutenant von F. seit 1855 bereits Chef des Generalstabes beim 3. Korps, in besonderer Mission 1. bis 24. Jan. nach Karlsruhe entsendet, 10. Dez. 1857 aber als Kommandeur des 31. Infanterieregiments nach Erfurt versetzt, wo er bald zum Direktor der dortigen Divisionsschule ernannt und zum Mitgliede der dortigen Akademie für emeinnützige Wissenschaften gewählt wurde. Im 8 1858 zum Obersten befördert und Anfang 1860 vorübergehend in das Kriegsministerium kommandiert, übernahm F. gleich darauf auf Antrag des Großherzogs von Oldenburg als Generalmajor das Kommando der oldenb.⸗hanseatischen Brigade, welche er bis gegen Ende 1864 führte und dann als Kommandeur der 7. Division in Magdeburg in den preuß. Dienst zurücktrat. Diese Bivision führte F., der inzwischen, 18. Juni 1865, zum Generallieutenant befördert worden, im Deutschen Kriege von 1866 mit überall glücklichen Erfolgen: das Gefecht bei Münchengrätz (28. Juni) entschied F. durch die Wegnahme des Muskybergs und die Eroberung des Dorfes Bossin. In der 2.½½ bei Königgrätz (3. Juli) ermöglichte nur F.s zähe Behauptung des Sweepwaldes während fünf Stunden gegen mehr als vierfache ÜUbermacht das rechtzeitige Eingreifen der kronprinzlichen Armee. Im Gefecht bei Preßburg (Blumenau) endlich (22. Juli) fehlte infolge des um Mittag eingetretenen Waffenstillstandes nur noch die Zeit zur Vollendung des Siegs. In den J. 1867 — 69 wurde F. alljährlich mit der Inspizierung der königl. sächs. Infanterie betraut und 11. Juli 1870 zum kommandierenden General des 2. Armeekorps, sowie 26. Juli zum General der Infanterie ernannt. Er führte dieses Korps in dem Kriege gegen Frankreich 18. Aug. bei Gravelotte zum ersten male ins Feuer, und zwar nach etwa 16stündigem Marsche, am Abend, als der rechte Flügel des deutschen Heeres zur Erstürmung des Plateau von Moscou-Ferme frischer Kräfte bedurfte. Nach der Kapitulation von Metz führte F. das 2. Korps vor Paris, wo es ansan 38 zwischen Seine und Marne, dann auf dem linken Seine-Ufer seinen Platz in dem Einschließungskreise erhielt. In diesem Verhältnisse wurde dem General 1. Dez. das Kommando über die sämtlichen zwischen Seine und Marne versammelten preuß., württemb. und sächs. Truppen (gegen 50000 Mann mit 200 Geschützen) übertragen, um den am Tage zuvor begonnenen großen Durchbruchsversuch des Generals Ducrot zurückzuschlagen. F. nahm 2. Dez. dem Feinde die Dörfer Champigny (s. d.) und Brie (dieses nur vorübergehend) ab und wies den Durchbruchsversuch erfolgreich zurück. Am 2. Jan. 1871 wurde das 2. Korps aus der Einschließungslinie von Paris südwärts gegen die Loire entsendet und später der Südarmee unter Manteuffels Oberbefehl überwiesen. F. führte das Korps vom 2. Jan. bis 1. Febr., bei einer Kälte bis zu —15 R., über das mit Glatteis bedeckte Gebirge Cöted'Or und quer durch den bis 60 em tief im Schnee liegenden Jura bis zur schweiz. Grenze. Während dieses den höchsten militärischen Leistungen beizuzählenden Marsches lieferte das Korps 16 Gefechte und gab dem Feinde schließlich bei Pontarlier den letzten entscheidenden Stoß. Nach eingetretener Waffenruhe wurde F. an die Spitze des neu formierten 15. Armeekorps in den deutschen Reichslanden mit dem Sitze in Straßburg gestellt und 16. Herln bei dem feierlichen Einzuge der Garden in Berlin zum Chef des 5. pommerschen Infanterieregiments Nr. 42 ernannt; auch ist das Fort Nr. 1 bei Straßburg 1. Sept. 1873 nach ihm benannt worden. Im 3. 1879 wurde F. Gouverneur von Berlin und trat 1882 in den erbetenen 12⁷ stand unter Belassung in seinen Stellungen als Chef des vorgenannten und à la suite des 26. Regiments. F. gehört zu den Generalen, welche auf Grund des Reichsgesetzes vom 22. Juni 1871 für den Deutsch-Französischen Krieg dotiert wurden. ranskillon, vläm. Bezeichnung derjenigen Belgier, welche die franz. Bildung und Sprache der vlämischen vorziehen; in neuerer Zeit wird der Ausdruck auch in Elsaß-Lothringen als Bezeichnung der franzosenfreundlichen Partei gebraucht.