FeedFreiarchen
ErdkundeBrockhaus 1882

Freiarchen sind Wehranlagen in fließenden Gewässern, ohne eigentlichen festen Wehrkörper, welche bei eintretenden Hochwassern diesen freien Abfluß durch aufziehbare Schützen und ähnliche Verschlußvorrichtungen gewähren. (S. auch Wehre.) reiberg, Bergstadt in der Kreishauptmannschaft Dresden des Königreichs Sachsen, 3 km westlich von der östl. oder Freiberger Mulde, am Münzbache und am Knotenpunkte der Linien Dresden-F.⸗ Chemnitz und Nossen-F.⸗Bienenmühle der Sächsischen Staatsbahn, 412,müber der Ostsee (Bahnhof, Schienenkopf des Hauptgleises) gelegen, ist der Sitz des obersten Bergamts des Landes, einer Amtshauptmannschaft, eines Land-⸗, Schwur⸗ und eines Amtsgerichts, Hauptsteueramts, sowie einer Superintendentur und zählt (1. Dez. 1880) 25 445 E., darunter 468 Katholiken. Die Garnison besteht aus dem Jägerbataillon Nr. 12 und der 2. Abteilung des Feldartillerieregiments Nr. 28. Unter den sechs Kirchen (fünf evang. und eine kathol.) der im ganzen altertümlichen Stadt ist hervorzuheben der Dom, welcher von Otto dem Reichen gegen Ende des 12. Jahrh. erbaut, nach dem Brande von 1484 aber neu aufgeführt (1490 — 1512) wurde. Ein Überrest des alten Gebäudes ist die sog. Goldene Pforte, ein schönes Denkmal roman. Bildhauerkunst. Die Domkirche umschließt die kurfürstl. Be-Nromuneigen in welcher Herzog Heinrich der fromme (gest. w1541) nebst 39 seiner Nachkommen bis einschließlich Georg IV. (gest. 1694) ruht. Am sehenswertesten unter den Grabdenkmälern ist das des Kurfürsten Moritz, entworfen von Italienern und ausgeführt durch den antwerpener Bildhauer A. von Zerum. Die kunstvolle zweite Kanzel der Kirche ist das Werk eines unbekannten Meisters. Die Orgel gehört zu den vorzüglichsten Werken Silbermanns. Vgl. Puttrich, „Denkmale der Baukunst des Mittelalters in Sachsen» (Abteil. 1, Bd. 1, Lpz. 1836), und Heuchler, Der Dom zu F. (Freib. 1862). Auf dem höchsten Punkte der Stadt steht die Peterskirche mit drei Türmen, deren höchster, 72 m hoch, das Bergglöckchen trägt. Sonst sind von öffentlichen Bauwerken noch das alte Rathaus (vom J. 1410), das Gebäude der Bergakademie, das neue Gymnasium, die Real⸗ und Mädchenbürgerschule, das neue Justizgebäude und die Jägerkaserne zu erwähnen. Auf dem Obermarkte bezeichnet ein durch ein eingehauenes Kreuz kenntlicher Stein die Stelle, wo 1455 Kunz von Kaufungen (s. unter Prinzenraub) hingerichtet wurde. Von höhern Lehranstalten hat F. ein Gymnasium (mit Bibliothek), eine Realschule, eine Bergschule, und eine Handelsschule. Außerdem besteht hier die berühmte (1765 gestiftete) Bergakademie (1882/83 mit 145 Studierenden), schon seit einem Jahrhundert die vorzüglichste Bergwerksschule in Europa. Dieselbe besitzt seit 1791 ein eigenes Gebäude, welches seit 1837 mehrfach vergrößert wurde und außer den Lehrsälen die Bibliothek, die Mineralienverkaufsanstalt, die geolog., mineralog., bergmännischen und physik. Sammlungen und das Wernersche Museum enthält. Vier Laboratorien für Chemie, Hüttenkunde und Probierkunst sind in besondern Häusern untergebracht. Auch besitzt die Stadt ein Altertumsmuseum und ein Naturhistorisches Museum. Außer den gewöhnlichen städtischen Gewerben bestehen zu F. noch Fabriken für Leonische und Lederwaren, Maschinen, Dosen, Schrot, Tabak, Superphosphat u. s. w. Die wichtigsten Erwerbsquellen der Bevölkerung bieten indessen das Berg- und Hüttenwesen (mit etwa 6000 Arbeitern) und die darauf gegründete Industrie, welche 11000 Personen des freiberger Bergreviers nährt. Der Verkehr F.s hat sich infolge der Eisenbahnverbindungen sichtbar gehoben. Wie einst die Wiege, so ist F. auch jetzt noch der Mittelpunkt des sächs. Bergwesens. Außer dem Bergamt und Oberhüttenamt, den unmittelbaren Behörden für den gesammten Bergbau in Sachsen, bestehen zu F. auch noch ein Revierausschuß für die Verwaltung des freiberger Bergreviers und eine Haupt-Bergkasse. Unter den sechs Revieren, in welche der sächs. Bergstaat geteilt wird, ist das freiberger das bedeutendste. Demselben gehört fast die ganze Produktion Sachsens an Silber (jährlich für 4½ Mill. Mark) und silberhaltigen Erzen an. Die Grube Himmelsfürst war Jahrhunderte hindurch sowohl hinsichtlich ihrer Ergiebigkeit als der Regelmäßigkeit ihres Baues und der Vollkommenheit ihrer Maschinen eine der ersten Europas. In neuerer Zeit ist sie jedoch in ihrer Ausbeute zurückgegangen, während die Grube Himwelfahrt (mit 2000 Arbeitern), dicht vor den Thoren der Stadt, sich auf den ersten Rang erhoben hat. In der Nähe F.s befinden sich unter mehrern andern Anstalten zur Förderung des Bergbaues große Silberschmelzhütten (Muldener Hütten [s. d.] und Halsbrückener Hütten (s. d.)) und der zur Zuführung der Erze 1788 angelegte Kurprinzenkanal. Um die seit Ende der dreißiger Jahre von den Gewässern überwältigten Erzreichtümer der freiberger Gegend benutzen zu können, ließ die Regierung 1844 einen Stollen (den Rothschönberger Stollen ss. d.) bauen, welcher das Wasser aus den tiefsten Gruben, besonders dem mächtigen Halsbrückener Gangzuge, in die Triebisch bei Rothschönberg abführt; derselbe wurde 1844 in Angriff genommen und 12. April 1877 eröffnet. Der Hauptstollen von Halsbrücke nach Rothschönberg hat eine Länge von 14 km, die Seitenflügel im Innern des erielluu Reviers ungefähr 35 km. ie Gesamtherstellungskosten beliefen sich auf 7186 697 Mark, jährlich im Durchschnitt auf 210000 Mark. Die Saigerteufe, die der Stollen unter dem jetzigen tiefsten Wasserabführungsstollen einbringt, beträgt durchschnittlich 125 m. Juteressant ist die unweit Halsbrücke gelegene, gut erhaltene Ruine der Altväterbrücke, einer alten Wasserleitung. Die Stadt F. verdankt ihren Ursprung der Entdeckung der Silbererzgänge im 12. Jahrh., infolge deren Bergleute vom Harz sich an der Stelle des frühern Ortes Christiansdorf anbauten. Durch die vielen, vom reichen Bergsegen herbeigelockten Ansiedler gewann die neue Kolonie schnell eine größere Ausdehnung. Zum Schutze derselben sowie des Bergbaues erbaute Markgraf Otto der Reiche zwischen 1171 und 1175 eine Burg, den Freudenein, und umgab 1187 die Stadt mit Mauern. nter Heinrich dem Erlauchten war F. schon eine namhafte Stadt, die auch viele ritterbürtige Geschlechter unter ihrer Bürgerschaft zählte. Ihre ersten bekannten Statuten und Privilegien aber gehören in die Zeit Friedrichs des Gebissenen (1294), der gleichzeitig auch ein Bergrecht festsetzte. Bei den vielfältigen Landesteilungen, welche seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. in dem Hause Wettin vorsielen, blieb F. samt den Bergwerken als das schönste Kleinod stets Gemeingut des Hauses, und selbst in dem leidenschaftlichen Bruderkriege (1445) wußte die Stadt ihre Neutralität zu behaupten. Durch die Hauptteilung von 1485 aber kam sie (die Bergwerke jedoch erst 1547 durch die Wittenberger Kapitulation) für immer in den ausschließlichen Besitz der Albertinischen Linie. Heinrich der Fromme wählte F. zu seiner 4½½ Der Dreißigjährige Krieg verminderte die Bevölkerung sehr bedeutend und zerstörte den Wohlstand der Stadt. Zum Andenken an die ruhmvolle Abwehr der Schweden im Winter 1642 —43 wurde 1843 vor dem im Siedenein schönes Monument errichtet. Auch im Sieben29 Oit Kriege hatte die Stadt viel zu leiden; am 29. Okt. 1762 erfochten die Preußen unter Prinz Heinrich und General von Seydlitz bei F. einen vollständigen Sieg über die Reichstruppen und Osterreicher unter General Hadik. Das von Heinrich dem Frommen vergrößerte Schloß (Freudenstein oder Freidenstein) wird gegenwärtig als Magazin benutzt. Die alten Wälle, Türme, Mauern und Gräben sind jetzt größtenteils in geschmackvolle Promenaden umgewandelt, in denen auch das 1851 errichtete Denkmal des berühmten Mineralogen und Geologen Abr. Gottlob Werner, sowie das am 2. Sept. 1874 eingeweihte Denkmal zur Erinnerung an die im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 gefallenen Krieger aufgestellt wurden. Vgl. Breithaupt, «Die Bergstadt F.» (2. Aufl., Freib. 1847); Benseler, Geschichte F.s und seines rabaueso (2 Bde., Freib. 1853); Gerlach, Kleine Chronik von F.y (Freib. 1876); (Codex diplomaticus Saxoniae regiaen (2. Haupttl. Bd. 12, auch unter dem Titel „Urkundenbuch der Stadt F.», herausg. von Ermisch, Bd. 1, Lpz. 1883); (F.s Berg⸗ und Hüttenweseno (herausg. durch den Bergmännischen Verein zu F., Freih. 1883) und die jährlichen Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 258Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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