Frauenhäuser (später auch Bordelle genannt, vom got. baurd, Brett, angels. bord, Brett, Bretterhaus, Hütte, mittellat. bordellum) hießen die Dirnenhäuser des Mittelalters. Diese Bedeutung ist nicht ursprünglich. Auf den großen Höfen bestand ein eigenes Frauenhaus (gynaecéum), in welchem bei dem großen Bedarf an selbstgefertigten Kleiderstoffen die unfreien Mägde hauptsächlich mit Weberei beschäftigt wurden. Das Treiben dieser Kleidermägdey artete oft in Leichtfertigkeit aus, und schon Karl d. Gr. mußte in Kapitularien strenge Aufsicht und Zucht durch besondere Ministerialen einschärfen. Auch in seinem Palast zu Aachen ging es nicht sehr züchtig zu, und gerade in Städten, die aus königl. Pfalzen erwuchsen, wie Ulm, Frankfurt und Straßburg, wird zuerst der F. als Wohnstätten feiler Sinnenlust erwähnt, wo die Ithörichten Töchtero und fahrenden Frauen unter Schutz und Frieden der Obrigkeit und unter Obhut eines Frauenwirts oder einer «Abtissino in Häusern, welche der Gemeinde zinsten, eine eigene berechtigte Zunft bildeten. Bald bestanden F. in allen größern und vielen kleinern Städten. Die Dirnen, meistens aus andern Gegenden bezogen, waren mehr oder weniger verachtet, oft rechtlos, dem Henker oder Büttel untergeben, durch Abzeichen kenntlich gemacht. aber selbst die Geistlichkeit bezog Einkünfte aus F. und der Ertrag aus ihrem Schutzgelde gehörte verschiedentlich zum Lehn der Erdmarschälle von Fürsten. Im 15. Jahrh. waren die F. der Lieblingssitz jeglicher Lebenslust, verschlossen nur den Geistlichen und Juden. Die Zeit der Reformation machte dem Unfug allmählich ein Ende. Aber schon im 13. Jahrh. veranlaßte das Mitleid fromme Seelen, die Gefallenen zu bekehren, zu retten und durch Vorsorge vor Rückfall zu bewahren, und so entstanden die Klöster der Büßerinnen, Reuerinnen und Magdalenenschwestern, in welche einzutreten den «schönen Frauen » wohl auch durch eine Aussteuer von seiten städtischer Verwaltungen erleichtert wurde.