Freiübungen werden diejenigen Leibesübungen genannt, welche ohne Zuhilfenahme eines Gerätes auf ebenem Boden im Stehen, Gehen, Hüpfen, Springen, Drehen und Laufen ausgeführt werden. Es ergeben sich dieselben aus der natürlichen Gliederung des menschlichen Körpers und den davon hergeleiteten Möglichkeiten der Bewegung. Sie bilden die Grundlage aller, auch der zusammengesetztesten Turnübungen, und verleihen der turnerischen Ausbildung das Schul⸗ und Kunstmäßige, indem die damit erzielte geistige Beherrschung aller Bewegungen eine anständige und gefällige Körperhaltung zu Wege bringt. Sie eignen sich namentlich für die Gemeinthätigkeit einer Mehrzahl von Turnenden und sie erhalten dadurch etwas besonders Gefälliges und Anziehendes, wenn sie in entsprechendem Takte zur Ausführung gelangen. Um ihre Wirksamkeit auf den Körper zu erhöhen, beschwert man die Arme mit hölzernen oder eisernen Stäben (s. Stabübungen) oder mit Hanteln (s. d.). Die Jahnsche Turnschule kannte die noch nicht. Obgleich die Idee der F. zuerst bei estalozzi in seiner Elementargymnastik auftritt, so sind dieselben doch erst von A. Spieß mit künstlerischer und pädagog. Meisterschaft zu einem Hauptteile der Turnkunst gemacht worden seit dem Erscheinen seines Werks: „Das Turnen in den F. für beide Geschlechter o (Bas. 1840). Vgl. ferner Spieß, Turnbuch für Schulen „ (2 Tle., Bas. 1847—51); 4Die Freiübungen und ihre Anwendung im Turnunterricht (Darmst. 1862); Lion, «Leitfaden für den Betrieb der Ordnungs⸗ und Freiübungen » (5. Aufl., Lpz. 1875). Für die neuere Betriebsweise: Zettler, Methodik des Turnunterrichts» (2. Aufl., Berl. 1881). Die F. sind auch ein wesentlicher Bestandteil der Heil- und Zimmergymnastik. Beim Militärturnen bilden die F. die Grundlage für die körperliche Ausbildung des Soldaten, sowohl im Exerzieren wie im Turnen. Bei Hinzunahme des Gewehrs dienen sie gleichzeitig als Vorübung zu den Griffen und zum Anschlage; in diesem Falle heißen sie Gewehrübungen. In England sind die F. unter dem Namen Calisthenics namentlich in Familienkreisen als Zimmergymnastik für gesundheitliche und ästhetische Zwecke verbreitet.