Freytag (Gust.), hervorragender deutscher Dichter und Schriftsteller, geb. 13. Juli 1816 zu Kreuzburg in Schlesien, besuchte seit 1829 das Gymnasium in Oels und widmete sich seit 1835 dem Studium der deutschen Philologie in Breslau unter Hoffmanns, in Berlin unter Lachmanns Leitung. Nachdem er 1838 in Berlin mit der Abhandlung 4De initiis Scenicae poeseos apud Germanoso den philos. Doktorgrad erlangt, trat er 1839 in Breslau als Privatdocent für deutsche Sprache und Litteratur auf und ließ hierbei die Abhandlung De Hrosuitha poetria) erscheinen. Neben seiner wissenschaftlichen Thätigkeit entfaltete sich mehr und mehr eine poetische. So veröffentlichte er unter dem Titel In Breslau (Bresl. 1845) eine Reihe von kleinen, größtenteils epischen Dichtungen im Volkston; 1841 schrieb er das Lustspiel «Die Brautfahrt, oder Kunz von der Roseno (Bresl. 1844; neue Ausg., Lpz. 1858), welches bei der von dem königl. Theater in Berlin ausgeschriebenen Konkurrenz einen Preis errang. Seinen Ruf als dramatischer Dichter begründete er indes durch die beiden Schauspiele (Die Valentiner (Lpz. 1847; 3. Aufl. 1873) und Graf Waldemar» (Lpz. 1850; 4. Aufl. 1883), von denen das erstere 1846 in Breslau entstand, das letztere 1847 zu Dresden. Beide Dramen machten rasch die Runde über alle deutschen Bühnen und haben sich im Repertoire derselben eingebürgert. Die genannten Stücke nebst einem frühern, zuerst 1844 in Ruges «Poetischen Bilderno abgedruckten Trauerspiele (Der Gelehrter) sind auch in seinen Dramatischen Werkeno (3 Bde., Lpz. 1848 — 50; 4. Aufl., 2 Bde., 1881) enthalten. Inzwischen hatte F. 1847 sein Verhältnis zur Universität Breslau gelöst und war nach Dresden übergesiedelt. Als das Jahr 1848 den Kreis von Schriftstellern und zerstreute, in welchem er daselbst gelebt hatte, wandte er sich nach Leipzig, wo er zu Julian Schmidt in nähere Beziehungen trat und mit diesem, nach Kurandas Rücktritt, die Leitung der (Grenzboten» übernahm, von welcher er Ende 1870 wieder zurücktrat. Für dieses Journal schrieb er unter anderm auch eine Reihe vorzüglicher kulturhistor. Aufsätze aus der deutschen Vergangenheit. Das Jahr 1854 brachte das Lustspiel «Die Journalisten v (4. Aufl., Lpz. 1873), das zu den vorzüglichsten Leistungen auf dem Gebiete des neuern deutschen Lustspiels gehört. Demselben folgte zunächst 1855 der Roman Soll und Habend 3 Bde., Lpz. 1855; 28. Aufl., 2 Bde., 1883), welcher, in mehrere neuere Sprachen übersetzt, den Namen MI über die Grenzen Deutschlands hinaustrug. Mit der Tragödie Die Fabierv (Lpz. 1859; 4. Aufl. 1882) griff der Dichter, der sonst seine Stoffe meist dem modernen Leben entnimmt, zur Antike zurück. Das Gemälde bürgerlicher Tüchtigkeit, welches F. in 4Soll und Haben » entworfen hatte⸗ erhielt ein Seitenstück in dem zweiten Roman Die verlorene Handschrift o (3 Bde., Lpz. 1864; 13. Aufl., in 2 Bdn., 1883). Zu F.s vorzüglichsten Werken gehören die 4Bilder aus der deutschen Vergangenheit o (2 Bde., Lpz. 1859), mit denen später die Reuen Bilder aus dem Leben des deutschen Volks⸗ (Lpz. 1862) vereinigt wurden (zusammen 4 Bde. in 5 Tln., in 13 Auflagen erschienen); diese Bilder bekunden gründliche histor. Kenntnisse, patriotischen Sinn und eine bedeutende Gabe für geschichtliche und kulturgeschichtliche Darstellung. Die Grundregeln des dramatischen Schaffens hat F. in der Schrift Die Technik des Dramas (Lpz. 1863; 4. Aufl. 1881) gründlich und treffend dargelegt und durch Beispiele erläutert. Nach dem Deutsch-Französischen Kriege, welchen F. bis zur Schlacht bei Sedan im Hauptquartier der Dritten Armee in der Nähe sah, erschien sein umfangreichstes Werk, eine Reihe histor. Erzählungen, welche er unter dem Titel „Die Ahnen» zusammenfaßte. Die einzelnen Teile sind betitelt: Ingo und Ingrabano (Lpz. 1872; 12. Aufl. 1881), «Das Nest der Zaunkönige (Lpz. 1873; 10. Aufl. 1882), „Die Brüder vom deutschen Hause » (Lpz. 1874; 8. Aufl. 1882), „Markus König» (Lpz. 1876; 6. Aufl. 1883), «Die Geschwister » (Lpz. 1878; 6. Aufl. 1882) und Aus einer kleinen Stadto (Lpz. 1880; 4. Aufl. 1881). Außerdem schrieb F. Karl Mathy, Geschichte seines Lebenso (Lpz. 1870; 2. Aufl. 1872), Doktor Luther. Eine Schilderungy Eyz. 1883). Eine Reihe von Jahren lebte F. im Winter in Leipzig, im Sommer in Siebleben bei Gotha, von wo er 1879 nach Wiesbaden übersiedelte. Von 1867 bis 1870 vertrat er Erfurt im Norddeutschen Reichstag. F. ist ein durchaus moderner Dichter, der scharfe Gegensätze aus dem Leben aufgreift und manche Anklagen gegen die Gesellschaft erhebt, die jedoch, in liebenswürdige Formen gekleidet, nirgends verletzen. In seinen Dramen liebt er psychol. Probleme, aber mit natürlicher Lösung. Seine Charaktere sind klar und durchsichtig, aus Einem Guß, ebenso ist die Technik in der Komposition verständig, die Sprache frei von Schwulst und graziös.