Uhl (Friedr.), deutsch-österr. Schriftsteller, geb. 14. Mai 1825 zu Teschen, studierte zu Wien und war dann Mitarbeiter und Redacteur an mehrern größern wiener Zeitungen, zuletzt Chefredacteur der Wiener Zeitungy. U. schrieb: Märchen aus dem Weichselthals (Wien 1847), »Aus dem Banat⸗ (Lpz. 1848), An der Theiße (Opz. 1851), und die Romane: «Die Theaterprinzessin» (3 Bde., Wien 1863), „Das Haus Fragstein »(2. Aufl., Wien 1878), Die Botschafterind Bde., Berl. 1880). Uhland Goh. Ludw.), berühmter lyrischer Dichter und ausgezeichneter Forscher auf dem Gebiete des german. Altertums, geb. 26. April 1787 zu Tübingen studierte auf der Universität daselbst die Nechtswiffenschaften und wurde 5. April 1810 Doktor der Rechte. Hierauf unternahm er eine litterarische Reise nach Paris, das er erst nach einem Aufenthalte von acht Monaten im Jan. 1811 wieder verließ. Offentlich trat er zuerst als Dichter auf in Seckendorfs „Musenalmanach» (1807 und 1808), im „Poetischen Almanach⸗ (1812) und im „Deutschen Dichterwald (1813). Seit dem Spätjahre 1812—14 praktizierte er in Stuttgart, wo er im Bureau des Justizministers arbeitete. Als 18¹⁵ der König von Württemberg seinem Lande eine neue Konstitution zu geben gedachte und der Kamp um die alten und neuen Rechte begann, fühlte sich auch U. berufen, als Dichter das Wort zu erheben. it Begeisterung wurden seine Lieder in fliegenden Blättern aufgenommen, und seine patriotischen Bestrebungen blieben nicht ohne Erfolg. Die erste Sammlung seiner Gedichter erschien 1815. Schon im zweiten Drucke 1820 wurde dieselbe durch patriotische und andere Dichtungen vermehrt, und auch die folgenden Ausgaben erschienen vielfach bereichert (60. Aufl., Stuttg. 1875, mit Gedichten aus dem Nachlasse und von dem Herausgeber, Wilhelm Ludwig Holland, mit einer Übersicht der Gedichte nach der Zeitfolge ihrer Entstehung ausestattet). U. wurde 1819 von dem Oberamte Tübungen, für das 1Etadt ahr von seiner Vaterstadt, 1832 von der Stadt Stuttgart in die Ständeversammlung und von der Kammer in der Folge zum Beisitzer des weitern Ausschusses erwählt. — Dez. 1829 wurde er zum außerord. Professor der deutschen Sprache und Litteratur und zum Mitglied der philos. Fakultät an der Universität Tübingen ernannt, im Mai 1833 erfolgte jedoch bereits seine Entlassung aus dem Staatsdienst, die er nachgesucht hatte, als er beim Beginn des zweiten Landtags, um auf demselben als Abgeordneter zu erscheinen, den erbetenen Urlaub nicht erhalten. In der Kammer gehörte er zu den hervorragendsten Mitgliedern der konstitutionellen Opposition. Bei den Wahlen von 1839 leistete er aber, wie fast alle seine Ceitdem kebse er auf Wiedererwählung Verzicht. Seitdem lebte er in Zurückgezogenheit, nur daß ihn 1848 die Wahlbezirke Tübingen-Rotenburg in die Deutsche Nationalversammlung wählten, in der er der Linken angehoörte. Er starb 13. Nov. 1862. Sein von Kietz gefertigtes Denkmal zu Tübingen ward 14. Juni 1873 Vicher Seine Witwe, Emilie U., geborene Vischer, geb. 1799, starb 5. Juni 1881 zu Stuttgart. U.s gelehrtem Fleiße verdankt man noch, außer einer Abhandlung «über das altfranz. Epos y (in Fouques „Museno, 1812), der trefflichen Schrift Walther von der Vogelweide, ein altdeutscher Dichter⸗(Stuttg. 1822) und einem Aufsatze 3** Geschichte der Fratrhen⸗ (vorgedruckt in der Ausgabe des «Glückhaften Schiffso von Auelen-Tüb. 1828), das aus der sorgfältigsten Quellenforschung hervorgegangene Wert Der Mythus von Thor nach nordischen Quellen⸗(Stuttg. 1836) und die meisterhafte Sammlung »Alte hoch⸗ und niederdeutsche Volkslieder⸗ 1 in 2 Abteil., Stuttg. 1844—45). Alle diese Arbeiten (die Ausgabe der „Volkslieders ausgenommen) erschienen zusammen mit andern mehr oder weniger vollendeten aus seinem Nachlasse vereinigt in der Sammlung U.s Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage (herausg. von W. L. Holland, A. von Keller und F. Pfeiffer, Bd. 1—8, Stuttg. 1865— 73). Seine Lieder zeichnen sich aus durch Gemüt, Wahrheit und Innigkeit der Empfindung, malerische Naturan schauung und vielseitige objektive Unterlage. Seine Balladen und Romanzen sind vor allem unübertroffen in der seltenen 42 1 mit wenigen Worten vollkommen abgerundete, ebensvolle Gestalten und Charaktere zu zeichnen. Auch ist der Inhalt und die Anordnung der Handlung in sehr vielen bedeutsam. Allen gemeinsam aber bleibt eine in Scherz und Ernst warme vaterländische Gesinnung, ein tiefes Verständnis alles Großen und Herrlichen früherer Jahrhunderte, ohne daß der Dichter dabei in eine ißachtung der Gegenwart verfiele. So Ai ab U. in mancher Beziehung der Romantik an, ist aber zu einer Klarheit und Gediegenheit hngachhedrae, wie kein anderer Dichter dieser Schule. Weniger bedeutend sind seine dramatischen Arbeiten »Ernst, He von Schwaben⸗ (Heidelb. 1817) und Ludwig der Bayerr (Berl. 1819), beide vereinigt in neuer Aufe (Heidelb. 1846) und in der edmiausgahe „U.s Gedichte und Dramen» (3 Bde., Stuttg. 1863; neue Aufl. 1876). Vgl. Pfizer, „U. und Rückert⸗(Stuttg. 1837); Liebert, Ludwig U. Eine Skizzer (2. Aufl., Hamb. 1863); Notter, Ludwig U. Sein Leben und seine Dichtungen» (Stuttg. 1863); O. Jahn, „Ludwig U. » (Bonn 1863); „Ludwig U. Eine Gabe für Freunde. Zum 26. April 1865(als Handschrift gedruckt, von Emilie Uhland); Mayer, „Ludwig U., seine Freunde und Zeitgenossen „ (2 Bde., Stuttg. 1867); Pfeiffer, Ludwig U. (Wien 1862); Weismann, ⸗Ludwig U.s dramatische Dichtungen erläuterts» (Frankf. 1863); „Ludwig U.s Leben. Aus dessen Nachlaß und aus eigener Erfahrung zusammengestellt von seiner Witwey (Stuttg. 1874); Keller, »U. als Dramatiker mit Benutzung seines handschriftlichen Nachlasses dargestellto (Stuttg. 1877); Düntzer, «U.s Balladen und Romanzen»(Lpz. 1879).