Friaul war in früherer Zeit ein selbständiges Land mit besondern Herzögen, in seiner einstmals weitesten Ausdehnung bestehend aus der lombard.⸗ venet. Provinz Udine (6619 akm mit [1879] 513 650 E.), welche das ehemalige venet. F. bildet, und aus der am linken Isonzoufer gelegenen (ietzt mit der Grafschaft Görz vereinigten) Grafschaft Gradiska, welche das österreichische F. bildet. Das alte F., ital. Friuli oder Patria del Friuli, hat seinen Namen ohne Zweifel von der altröm., einst in seinem Bezirk gelegenen Stadt Forum Julii. Es ist ein an Getreide und Wein fruchtbares und mit Mineral-und Heilquellen gesegnetes Land, das von mehrern Zweigen der Karnischen und Julischen Alpen, welche die Gebirgspässe von Chiusa di Venzone und die Flitscher Klause bilden, durchschnitten und vom Tagliamento bewässert wird. Die Einwohner sind katholisch und im venet. F. meistens sog. Furlaner (Friauler), ein den Italienern verwandtes Volk, dessen Sprache mit altkelt. Elementen gemischt sein soll. Die wichtigsten Orte sind: Udine, die Hauptstadt des ehemaligen venet. Friaul, Campo-Formio, Cividale. F. teilte in den alten Zeiten das Schicksal der Länder des nördl. Italien. Ursprünglich von den Carniern bewohnt, wurde es, wie die Nachbarländer, wiederholt von den verheerenden Eroberungszügen der deutschen barbarischen Völkerscasten heimgesucht, dann im 6. Jahrh. von den Longobarden erobert und zu einem der 36 Herzogtümer gemacht, in welche man nach der Besitznahme das ganze longobard. Italien teilte. Es wurde vom König Alboin 569 seinem Neffen Gisulf übergeben, welcher um 610 im Kampfe gegen die Avaren gefallen sein soll; 1874 wurde in Cividale sein Grab entdeckt. Sagenhafte Erzählungen, welche Paulus Diaconus berichtet, knüpfen sich an seinen Namen. Von den folgenden Herzögen wurde Ratchis 744 nach Liutprands Tode und Hildeprands Absetzung König der Longobarden undsebenso nach Ratchis' Abdankung 749 sein Bruder Aistulf (s. d.). Karl d. Gr. erhob 774 nach seinem Siege den Longobarden Rotgaud zum Herzog, welcher sich 775 mit andern Herzögen und dem Sohne des Königs Desiderius in eine Verschwörung einließ, aber 776 von Karl überwältigt wurde. An seine Stelle trat ein fränk. Graf, welcher aber auch Herzog genannt wird, und als Grenzgraf (Markgraf) größere Befugnis hatte. Nach der Besiegung Bayerns standen auch Kärnten, Istrien, Dalmatien u. a. unter dem Markgrafen von F.; aber 828 wurde Markgraf Balderich abgesetzt und F. wieder mit Italien vereinigt. Kaiser Lothar I. setzte den Grafen Eberhard ein, der mit Ludwigs des Frommen Tochter Gisela vermählt war und dessen Sohn Berengar 888 zum König von Italien erwählt wurde. Nach seiner Ermordung 924 wird F. seltener genannt, bis Kaiser Heinrich IV. im 11. Jahrh. den größten Teil desselben (das sog. venetianische F.) dem Patriarchen von Aquileja schenkte, der es mit seinen übrigen weltlichen Besitzungen vereinigte. Unter der Herrschaft dieser Patriarchen blieb F., bis es sich 1420 der Botmäßigkeit der Venetianer unterwerfen mußte. Zwar eroberte Kaiser Marimilian I. die Stadt Udine 1509, allein 1515 nahmen es die Venetianer wieder. Das österreichische F. gehörte seit früher Zeit dem Geschlechte der Grafen von Tirol, deren eine Linie, die görzische, an welche F. vererbt worden war, 1500 mit Leonhard, Grafen von Görz, ausstarb, worauf Kaiser Maximilian I. vermöge alter Verträge von 1361 und 1486 die Grafschaft, die ihm ohnehin schon verpfändet war, in Besitz nahm. Das venetianische F. blieb bis zum Frieden von Campo-Formio (1797) bei Venedig, kam dann mit diesem an Ssterreich und 1805 durch den Frieden zu Preßburg an das von Napoleon I. gestiftete Königreich Italien, von welchem es zugleich mit einem Teile des österreichschen F. das Depart. Passariano bildete. Österreich verlor 1809 auch noch den übrigen Teil von F. durch Abtretung an die illyr. Provinzen, gewann aber 1814 ganz F. wieder, und der Kaiser war seitdem als Herzog von F. und gefürsteter Graf von Görz und Gradiska im Besitz dieser Landschaft, bis im Nikolsburger Frieden 1866 das venetianische F. wieder an Italien abgetreten wurde. l. von Czörnig, «Das Land Görz und Gra⸗ (im «Archiv für österr. Geschichtexv, Bd. 57, Abteil. II); und für F. in den letzten Tagen der Republik Venedig: Ippol. Nievo, Le confessioni di un ottuagenario (Flor. 1867).