FeedFriedrich II.
BaukunstBrockhaus 1882

Friedrich II., Kurfürst von der Pfalz, ohne zureichenden Grund der Weise genannt, geb. auf Schloß Winzingen bei Neustadt 9. Dez. 1482, verlebte unter ritterlichen und galanten Zerstreuungen eine vielbewegte Jugend an den Höfen in den Niederlanden, Frankreich und Spanien, wo er Philipp dem Schönen nahe trat, diente Maximilian I. 1508 gegen Venedig, danach König Karl I. in Brüssel, dessen Wahl zum röm. König er betrieb und zu dessen Hauptstützen er am Regiment von Nürnberg 1521—25 und auf den folgenden Reichstagen gehörte; 1529 und 1532 kämpfte er als Reichsfeldherr gegen die Türken. Im J. 1535 verheiratete er sich mit der Tochter des gefangenen Christian II. von Dänemark, Karls V. Schwager, in der Hoffnung, die skandinav. Kronen zu gewinnen. Am 16. März 1544 starb sein Bruder Ludwig und F. folgte ihm in der Kurwürde; im Mai desselben Jahres aber machte Karl V. mit Christian III. von Dänemark Frieden und verschloß damit F. die Aussicht auf die skandinav. Erbschaft. Dies war für diesen Anlaß zur Abkehr von der kaiserl. Politik und zur Annäherung an den Schmalkaldischen Bund, dessen Religion er seit Ende 1545 im Kurfürstentum zur Geltung brachte. Die Spannung mit dem Kaiser mehrte sich durch die Begünstigung, die dieser dem rivalisierenden kath. Herzog Wilhelm von Bayern gewährte. Am 7. Juni 1546 schloß Karl mit letzterm einen Waffenbund gegen die Schmalkaldener, in dem Bayern die pfälz. Kurwürde versprochen wurde, falls F. auf der Seite der Feinde stehe. Wirklich schickte dieser mehrere hundert Kürassiere in das prot. Lager, wußte sich dann aber durch seine vorsichtige Haltung so wenig zu kompromittieren, daß ihm Karl nach dem Siege gegen persönliche Abbitte und Buße an Gut und Geld seine fürstl. Stellung ließ. Von nun ab hielt sich F., der 1548 das Interim einführte, wieder auf kaiserl. Seite, allerdings mit Hinneigung zu der prot. Partei. Während der Empörung Moritz' gegen Karl V. hielt er sich neutral; 1553 stiftete er den Heidelberger Fürstenbund, der auf Aussöhnung der Parteien unter fürstl. Führung abzielte. Sehr wohlthätig war seine Regierung für die Universität, die ihm den Beginn ihrer Blüte verdankte. F. starb 26. Febr. 1556. Da seine Che kinderlos geblieben, folgte ihm Ottheinrich von Pfalz-Neuburg in der Kurwürde.“ Vgl. Hubertus Leodius (F.s Sekretär), &De rita et rebus gestis Fridericih (1624); Häusser, 4Geschichte der rhein. Pfalzo (Heidelb. 1845). fürst von der Pfalz, geb. zu Simmern 14. Febr. 1515, der älteste Sohn Herzogs Johann II. von Simmern, verlebte seine Jugend an den Höfen von Nancy, Lüttich und Brüssel, nahm 1533 am Türkenkriege teil, heiratete 1537 Maria von Brandenburg-Kulmbach, die Schwester Albrecht Alcibiades', lebte dann aber während Lebzeiten seines Vaters in stiller Zurückgezogenheit. Er folgte diesem 18. Mai 1557 in der Regierung des pfalz-simmerischen Landes, wo er sofort die Reformation einführte, 12. Febr. 1559 auch dem kinderlosen Ottheinrich als Kurfürst von der Pfalz. Anfangs ziemlich strenger Lutheraner, neigte er doch stets der vermittelnden Richtung zu, die in den schroffen Gegensätzen zu Heidelberg ihn nach dem Naumburger Im J. 159 1561 in das reform. Lager führte. * 1562 säuberte er die pfälzer Kirche in Lehre und Kultus von allen Anklängen an die kath. Vorstellungen, und schuf in dem Hewelberger Katechismus eins der symbol. Bücher der reform. Kirche. Die neue Kirchenordnung 1564 fundamentierte besonders durch die Kirchenratsordnung und die Kgeistliche Güterverwaltungo den Calvinismus in der Rheinpfalz aufs festeste, während die luth. Stände der Oberpfalz sich mit Glück widersetzten. Hierdurch regte F. die luth. und die kath. Partei im ganzen Reiche gegen sich auf, und nur durch die schroff päpstl. Haltung Kaiser Maximilians II. auf dem augsburger Reichstage kam eine Annäherung seitens des luth. Hauptstaats, Kursachsen unter August I., zu Wege, die den Ausschluß der Pfalz aus dem Religionsfrieden verhinderte und 1568 sogar zu einem Ehebündnis des zweiten Sohnes F.s, Johann Kasimir, mit Augusts Tochter führte. ö Bauit nach außen entfaltete F. eine sfuhn reform. Politik. In den J. 1567 und 1574 führte Joh. Kasimir ein Hilfsheer den Hugenotten nach Frankreich zu, und die niederländ. Protestanten fanden in Deutschland keinen eifrigern Freund als den pfälzer Kurfürsten, der nach dem Tode seiner ersten Gemahlin (1567) im April 1569 die Witwe des Grafen von Brederode, Amalie, geborene Gräfin Nuenaar, heiratete. Durch dies Auftreten verschärfte sich jedoch der Zwiespalt mit dem dresdener Hofe von neuem bis zu völligem Bruch. F. selbst ward mit den Jahren immer starrer in Konfession und Politik. Die Leugnung der Gottheit Christi ließ er an Sylvanus mit dem Tode ahnden. In den Grenzen der Konfession aber begünstigte er ein reiches wissenschaftliches Leben, dem er in der heidelberger Universität eine Pflanzstätte von europ. Ruf bereitete. Sein Alter ward durch Krankheit und den Widerstand seines streng luth. Sohnes Ludwig gegen das Bekenntnis des Vaters, wie durch das Schicksal seiner an den unglücklichen Herzog Johann Friedrich den Mittlern von Sachsen verheirateten Tochter Clisabeth sehr getrübt. Er starb 26. Okt. 1576. Vgl. Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalzy (Heidelb. 1845); Kluckhohn, Briefe F.s des Frommeno (2 Bde., Braunschw. 1868 — 72); derselbe, „F. der Fromme, der Schützer der reform. Kirche (2 Hälften, Nördl. 1877—79).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 346Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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