FeedMaximilian I.
GeschichteBrockhaus 1882

Maximilian I., Kurfürst von Bayern 1597— 1651, Sohn des Herzogs Wilhelm V. von Bayern, geb. 17. April 1573 zu Landshut, erhielt seine wissenschaftliche Bildung unter Leitung der Jesuiten und übernahm 1597 die Regierung von Ober- und Niederbayern, die sein Vater, der erst 1626 starb, niederlegte, um frommen Übungen obzuliegen. Im J. 1607 vollzog er die von Kaiser Rudolf II. über Donauwörth ausgesprochene Acht und behielt es trotz der nachdrücklichen Verwendung der evang. Stände im Besitz. Als infolge dessen eine Union der evang. Stände sich bildete, stellte er sich dieser gegenüber an die Spitze einer kath. Ligue. Zu Anfang des Dreißigjährigen Kriegs verbündete er sich mit Kaiser Ferdinand II. gegen Friedrich V. von der Pfalz, brachte Oberösterreich zum Gehorsam, siegte am Weißen Berge zu Zum und eroberte die Ober⸗ und Unterpfalz. Zum Lohn erhielt er 1623 die der Pfalz genommene Kurwürde und zur Vergütung für die Kriegskosten die Erblande Friedrichs von der Pfalz. Nach Tillys Niederlage bei Leipzig sah er seit 1632 und namentlich 1647 sein Land argen Verwüstungen der Schweden und Franzosen preisgegeben. Dagegen erhielt er im Westfälischen Frieden die Oberpfalz, die Grafschaft Cham und die Bestätigung in der Kurwürde nebst dem Erztruchseßamt. Im Innern war er jederzeit auf Verbesserungen bedacht; er reorganisierte die Verwaltung, die Justiz und das Kriegswesen; er verschönerte und erweiterte die Residenz, baute das Zeughaus und das Josephsspital, legte den Hofgarten an und zog die Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein. Auch gründete er die Jesuitenkollegien zu Amberg, Burghausen, Mindelheim und Heidelberg. Dem Kaiser Ludwig dem Bayer ließ er in der Frauenkirche zu München ein prächtiges Denkmal errichten. Er starb 27. Sept. 1651 zu Ingolstadt. Merkwürdig ist die von M. für seinen Sohn und Nachfolger, Ferdinand Maria (1651—79), aufgesetzte Anleitung zur Regierungskunsty, die lateinisch und deutsch von Aretin (Würzb. 1822) herausgegeben wurde. Vgl. Wolf, «Geschichte M.s I. und seiner Zeito (fortgesetzt von Breyer, 4 Bde., Münch. 1807 —I1); Aretin, Geschichte M.s I.„ (Passau 1842); Schreiber, «Maximilian I.v (Münch. 1868); Stieve, (Das kirchliche Polizeiregiment unter M. I.) (Münch. 1876); derselbe, Der Ursprung des Dreißigjährigen Kriegso (Münch. 1875), (Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs » (bearb. von Ritter und Stieve, Münch. 1870 fg.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 543Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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