Fuenterrabia (bask. Ondarrabia, frz. Fontarabie), Stadt in der span. Provinz Guipuzeoa, 16 km im ONO. von San-Sebastian, links an der Bidassoa, unfern von deren Mündung in das Meer, gegenüber von dem franz. Orte Hendaye, zählt (1870,3713 C. Die Flußufer bedecken sich bei Ebbe und Flut mit Sand und werden dann wieder geleert. Der Ort liegt sehr malerisch am Fuße des 583 m hohen Jaizquivel; zerschossene Mauern umziehen denselben. Das zum Teil von Kaiser Karl V. gebaute Schloß ist im Verfall und dient gelegentlich als Kaserne. In der Neustadt Magdalena am Strande wohnen die Fischer, Schiffer und Badegäste. Der kleine Hafen dient dem Küstenhandel, welcher die Gießereien im Bidassoathale versorgt. Am Jaizquivel werden lithographische, Mühl-⸗ und Bausteine gebrochen, und auf der Höhe steht die besuchte Wallfahrtskapelle von Guadalupe; 5 km nördlich bildet das mit einem Leuchtturme versehene Capo de Higuer oder Figuier die äußerste Landspitze Spaniens nach O. am Biscayagolfe. F. war früher eine Festung und ist in den Kriegen zwischen Spanien und Frankreich während des 16., 17. und 18. Jahrh. mehrfach belagert und erobert worden. 1Fuentes (Don Pedro Henriquez d'Azevedo, Graf von), von den Franzosen Fontaines genannt, span. Feldherr und Staatsmann, geb. 18. Sept. 1560 zu Valladolid, machte seinen ersten Feldzug 1580 unter dem Herzog Alba in Portugal, dessen Gunst er sich erwarb. Im J. 1589 befehligte er das span. Heer in Portugal, deckte Lissabon gegen die Engländer und schlug dieselben derartig, daß sie das Land verließen. Gegen 1591 wurde er nach den Niederlanden geschickt, um dem berühmten Alexander Farnese im Kabinett wie im Felde Beistand zu leisten. Nach dem Tode desselben blieb er in gleicher Stellung bei dem Grafen Peter Ernst von Mansfeld und dann auch bei dem Erzherzog Ernst. Nach dessen plötzlichem Tode wurde F. 1594 Statthalter der Niederlande, stellte die Mannszucht im Heere wieder her, nahm Dourlens, Catelet und Cambrai ein, wurde aber durch den Kardinal Erzherzog Albrecht 1596 ersetzt und ging um 1600 als Gouverneur und Generalkapitän nach Mailand. Durch seine listige und unruhige Politik, wie durch ein starkes, auserlesenes Kriegsheer erregte er hier die Furcht der ital. Fürsten, besonders aber der Venetianer. Er kaufte den Hafen Finale auf der genues. Küste und erbaute 1603 an den Grenzen des Veltlin, beim Einflusse der Adda in den Comersee, die Feste Fuentes, wodurch er die Graubündener äußerst erbitterte. In Besorgnis über den Aufschwung, den Frankreich unter Heinrich IV. nahm, brachte er 1599 das Bündnis mit dem Herzoge von Savoyen zur Zerstückelung Frankreichs und die Verschwörung des Marschalls Biron zu Stande. Als in der letzten Zeit Ludwigs XIII. der Krieg wieder ausbrach, fiel der hochbetagte F. mit einem Heere von 25000 Mann span. Kerntruppen 1635 in die Champagne ein, um unmittelbar nach Paris vorzudringen. Bei Rocroi aber, das er belagerte, wurde er 19. Mai 1643 von dem jungen Herzoge von Enghien, dem spätern großen Condé, mit geringerer Macht angegriffen und gänzlich geschlagen. Mit 6000 Spaniern blieb F. auf dem Platze; eine gleiche Anzahl wurde gefangen, während die Franzosen kaum 2000 Mann verloren. F. war ein kühner und thätiger Charakter, aber zugleich hart, eigensüchtig und unbeugsam.