FeedFürst (Jul.)
GeschichteBrockhaus 1882

Fürst (Jul.), ausgezeichneter Orientalist, geb. 12. Mai 1805 zu Zerkowo im Posenschen, wurde für den Rabbinerstand erzogen, trat aber 1820 in das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin ein, widmete sich dann auf der Universität daselbst philos. und linguistischen Studien. Doch bald vertauschte er die Universität mit der Rabbinerschule in Posen, bis er sich 1829 nach Breslau wandte, wo er orient., theol. und archäol. Studien oblag. Er vollendete seine wissenschaftliche Ausbildung 1831 besonders unter Gesenius, Wegscheider und Tholuck in Halle. Nachdem er die philos. Doktorwürde erworben, ließ er sich als Privatgelehrter in Dir intverdle erhielt hier w1839 eine Lektorstelle an der Universität, an welcher er durch seine Vorlesungen über hebr. Sprache, alttestamentliche Erese und biblische Litteratur zahlreiche Schüler nbildete. Er wurde bei Gelegenheit seines 25jährigen harb in L 1864 zum Professor ernannt und starb in Leipzig 9. Febr. 1873. Die israel. Gemeinde zu Leipzig, deren Ehrenmitglied er war, hat zum Andenken an sein Wirken eine ürst-Stiftung für Studierende begründet. 6. hat sich um die Kunde der hebr. und aramäischen Sprache sowie um die Geschichte des Judentums und der jüd. Litteratur große Verdienste erworben. Sein erstes Werk von Bedeutung war das 4Lehrgebäude der aramäischen Idiome » (Lpz. 1835), welchem Perlenschnüre aramäischer Gnomen und Liedere (Lpz. 1836) folgten. Seine Concordantiae librorum sacrorum Veteris Testamenti hebraicae et chaldaicaes (Lpz. 1837—40) sind ein Werk des mühsamsten Fleißes und sorgfältiger Forschung. Sein „Hebr. und chald. Handwörterbuche (Lpz. 1857—61; 3. Aufl. 1876), welchem ein „Hebr. und chald. Schulwörterbuch (Lpz. 1812) vorausgegangen war, ist als vorzüglich anerkannt und wurde 1864 von Davidson in das Englische übertragen. Auch lieferte F. eine neue Bearbeitung von Winers Chald. Lesebuche (Lpz. 1864). Neue Gesichtspunkte für die Bibelforschung eröffnete er in seinen Werken: „Geschichte der biblischen Litteraturo (2 Bde., Lpz. 1867—70) und Der Kanon des Alten Testamentso (Lpz. 1868). Von Fis histor. Arbeiten sind die Kultur- und Litteraturgeschichte der Juden in Asieno (Bd. 1, Lpz. 1849) und die ⸗Geschichte des Karäertumso (3 Bde., Lpz. 1862—65), in welcher indes die unzuverlässigen Mitteilungen des Firkowitsch (s. d.) mehr als billig benutzt worden, hervorzuheben. Neben diesen Arbeiten veröffentlichte er Übertraungen, wie die der Glaubenslehre und Philoophie des Saadia Fajjumi (Lpz. 1845), sowie Ausgaben der „Sprüche der Vätero (Lpz. 1838), des «Ari Nohem oder Streitschrift über die Echtheit des Sohar» (Lpz. 1840) und die Illustrierte Bibel für Israeliteno (Lpz. 1874). Ein wertvolles bibliographisches Sammelwerk ist F.s „Bibliotheca judaicad (3 Bde., Lpz. 1848—63). Von 1840 — 51 gab er zu Leipzig die Zeitschrift „Orient v heraus. Sein Sohn, Livius F., geb. 27. Mai 1840 zu Leipzig, Docent der Gynäkologie und Pädiatrik an der Universität daselbst, hat sich durch mediz. Schriften vorwiegend auf dem Gebiete der Kinderkrankheiten und Kinderhygieine, sowie durch Einsuhrung der animalen Impfmethode in Sachsen (seit 1877 in der von ihm zu Leipzig begründeten Anstalt für animale Impfung) verdient gemacht. Als Dichter trat er auf mit „Drei Märchendichtun⸗ »(Dornröschenv, Die sieben Raben», Meluinen, Lpz. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 418Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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