FeedFutter
Sport & SpielBrockhaus 1882

Futter nennt man die Nahrung der Tiere, insbesondere der Haustiere. Die letztern wählen ihr F. fast durchweg aus dem Pflanzenreich (Herbivoren); Katzen, Hunde und einige Fische meist oder auch zugleich aus dem Tierreich (Carnivoren); nur Schweine und Enten, zuweilen auch Hühner fressen alles, was ihnen vorkommt (Omnivoren). Wenn man jedoch von F. und Fütterung im allgemeinen spricht, so hat man nur Vegetabilien im Auge; von animalischen Stoffen spielt nur die Milch eine hervorragende Rolle bei der derialen welc Die Futtermittel, d. h. die Materialien, welche die Nahrung der Tiere bilden, werden entweder in der Landwirtschaft selbst, sei es durch den Feld⸗ und Wiesenbau, sei es aus den damit verbundenen technischen Gewerben, gewonnen oder von außen zugekauft. Bei den jetzigen Untersuchungsmethoden werden als Bestandteile des F. folgende Stoffe ermittelt: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, stickstofffreie Extraktstoffe, Mineralstoffe und Wasser. Das Rohprotein erhält man durch Multiplikation des direkt gefundenen Stickstoffgehalts mit 6,25; es werden also alle stickstoffhaltigen, auch nicht protein⸗(eiweiß⸗)artigen Körper hierbei als Protein in Rechnung gebracht: bei der Futterberechnung (s. d.) ist allein der Gehalt an verdaulichem Protein in Rechnung zu ziehen. Unter Rohfett versteht man die aus dem F. durch Ather extrahierten Stoffe; dieselben bestehen einerseits aus wirklichem Fette, andererseits aus harz⸗ und wachsartigen Stoffen, welche letztern natürlich nicht den Wert für die Fütterung besitzen als das erstere. Die Rohfaser ist der nach Kochen des F. mit verdünnter Schwefelsäure und Kalilauge zurückbleibende Ln ouhe Anteil, welcher in seiner Menge etwa dem auch vom Tiere nicht verdauten Quantum des betreffenden F. gleichkommt. Die Rohfaser besteht aus einem Gemische von Lignose und Cellulose. Mit stickstofffreien Extraktstoffen (auch Kohlehydraten genannt) bezeichnet man denjenigen Teil des Futtermittels, welcher sich nach Abzug des Rohproteins, des Rohfettes, der Rohfaser, der Mineralstoffe und des Wassers ergibt. Die genannten Extraktstoffe werden repräsentiert durch die im F. enthaltene Stärke, den Zucker, Pektinstoffe u. s. w. Die Mineralstoffe werden durch Veraschen der Substanz und Abzug der Menge der etwa vorhandenen Kohle beziehungsweise des Sandes ermittelt. Je nach der äußern Prodein u und dem vorwiegenden Gehalt an Protein, Fett, Kohlehydraten oder Rohfaser teilt man das F. ein in Grün- oder Weichfutter, Rauhfutter, Wurzelfutter, Rückstände technischer Gewerbe, von denen eine große Zahl ihres hohen Proteingehaltes wegen auch den Namen Kraftfutter führt, F. tierischen Ursprungs, sowie endlich Gewürzfutter. Das Grünfutter wird geliefert von den auf dem Acker gebauten Futterpflanzen, Klee, Luzerne, Esparsette, Wicken, Erbsen, Seradella, Spörgel, Mais u. a., von verschiedenen Grasarten, welche im Gemenge mit Klee angebaut werden, von den auf den Wiesen wachsenden Pflanzen, namentlich den Gräsern, vom Halmgetreide im jugendlichen Zustande, von Rübenblättern u. s. w.; unter Rauhfutter versteht man die in den trockenen Zustand übergeführten obengenannten Grünfuttermittel, ferner das Stroh der Dreichemoder und Hülsenfrüchte, sowie die beim Dreschen derselben abfallende Spreu; zum Eutter Zuchnn gehören sämtliche Rübenarten (Futter⸗, Zucker⸗, Kohl⸗, Mohr⸗, Wasserrübe), Pastinake, Kartoffeln und Topinambur; zum Bei- oder Kraftfutter rechnet man die Körner der Cerealien und Hülsenfrüchte, die Rückstände der Brennerei (Schlempe), der Brauerei (Malzkeime, Biertreber), der Stärkefabrikation (Weizentreber, Kartoffelfaser), der Zuckerfabrikation (Schnitzel, Preßlinge, Melasse), der Müllerei (Kleien), der Olgewinnung (Olkuchen, Lein⸗, Raps⸗, Dotter⸗, Palm⸗, Erdnuß⸗, Sesam⸗, Sonnenblumen⸗, Baumwollsamen⸗, Candlenuts⸗, Kokos⸗, Hanf⸗, Buchecker⸗ u. s. w. Kuchen), der Milchwirtschaft (Buttermilch, Magermilch, Molken); als Futtermittel tierischen Ursprungs sind zu nennen Milch, Fleisch⸗ und Knochenmehl; als Gewürzfutter namentlich das Salz. In der Regel erhalten die landwirtschaftlichen Nutztiere das F. im Stalls, die Schafe und zuweilen das Rindvieh, wie auch die Pferde im Sommer auf der Weide, wonach man Stall⸗ und Weidefütterung unterscheidet. Unter Erhaltungsfutter versteht man ein solches, bei welchem die Tiere sich auf dem jeweiligen Körperzustande erhalten, ohne dabei nutzbare Stoffe zu produzieren, unter Produktionsfutter dagegen ein solches, welches die Tiere in den Stand setzt, noch nach irgend einer Nutzungsrichtung, Fleisch, Milch, Wolle, Arbeit, erzeugend thätig zu sein. Der Gehalt der wichtigsten Futtermittel an den obengenannten Rohnährstoffen in Prozenten ist nach J. Kühn im Mittel folgender: Wiesengras 3,0 0,s 13,1 6, 2,1 Rotrle 3,6 0,7 8,5 5,6 1½ Lupinen 3,1 0, 6, 4, 0,7 Wiesenhuu:ueu 9,5 2,3 40,3 27,1 6,5 Kleehe 1150 3,2 32,9 29,9 6,3 Weizenstroh ...... 3,1 1,2 37,5 40,0 3, Haferstrob.. 4,0 2,0 35,6 39,7 4, Erbsenstroh ...... 7,3 2, 32,3 39,2 4½ Erbsen . 22,4 3,0 52,6 6,4 2, Lupinen.... 35,4 5,3 29,2 13,8 3,5 Rapskuchen. 31, 9,6 29,3 11,0 Palmkernkuchen .. 16,9 12,0 39,0 17,4 4,½ Baumwollsamenmehl. 41,5 18,0 24, 3/,1 5,8 Kartoffelschlempe . 14 0,2 4,6 0,9 0,6 Diffusionsrückstände 0,9 0,0 6,7 2,5 0, Fleischmehl ..... 72,8 12,„ — — 3,7 Die Fütterungslehre bildet einen wichtigen Teil der allgemeinen, iowie der besondern Tierproduktionslehre. (S. auch Futterbau, Futterberechnung und Futterbereitung.) Vgl. Henneberg und Stohmann, «Beiträge zur Begründung einer rationellen Fütterung u. s. w. v (Braunschw. 1864); dieselben, «Neue Beiträge u. s. w. » (Gött. 1872); von Gohren, «Die Naturgesetze der Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztieres (Lpz. 1872); Wolff, „Die Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztieres (Berl. 1876); Kühn, „Die zweckmäßigste Ernährung des Rindviehes (8. Aufl. Dresd. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 433Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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