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BaukunstBrockhaus 1882

Galerie (Gallerie) nennt man im Hochbau einen langen, schmalen, bedeckten Raum, welcher wenigstens dreimal so lang als breit ist und dadurch sich vom Saale unterscheidet. Da man in Schlössern und herrschaftlichen Wohnhäusern u. s. w. die G. meist mit Gemälden, Statuen und andern Kunstwerken zu schmücken pflegt, so nennt man auch Sammlungen von Kunstwerken G., selbst wenn sie nicht in einem, sondern in mehrern aneinander stoßenden Zimmern sich befinden. Bisweilen Korat man G. auch für Korridor. In den Theatern nennt man G. die obersten, der Decke nächsten Plätze; mitunter führen diesen Namen die vor den Logen ringsum laufenden Reihen der Plätze, sowie man ihn auch auf die dort versammelten Zuschauer überträgt. Überhaupt heißt eine auch anderswo, z. B. in großen Sälen angebrachte, ringsum laufende oder doch eine ganze Seite einnehmende Loge eine G., welche Bezeichnung endlich auch für die Brüstung gebraucht wird, zumal wenn sie aus leichtem Stab- oder Gitterwerk besteht. Im Straßenbau führen den Namen G. die z. B. bei den schweizer Poststraßen vorkommenden, zum Schutze vor Lawinen erbauten überwölbten Gänge an den Einschnitten der Gebirgswände. Im Festungsbau (s. d., Bd. VI, S. 7289) heißt G. ein langer, bedeckter Gang, wie er im Mauerwerk der Escarpe und Contrescarpe eines Festungsgrabens vorkommt, aber auch in Holz ausgeführt sein kann. Man unterscheidet danach Esgarpen- und Contrescarpengalerien; letztere heißen auch Reversgalerien. Beide können mit Scharten versehen und somit verteidigungsfähig sein. (S. auch Kasematte.) G. heißen ferner die Minengänge, insofern sie ohne bedeutenden Fall geführt sind. Die von der Contrescarpe ins Vorterrain laufenden Gänge heißen Hauptgalerien; von ihnen zweigen sich wieder andere Gänge (Rameaus) seitwärts ab. (S. Mine.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 464Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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