Gesimse ist die Bezeichnung einer Kunstform, welche in der Architektur und den ihr verwandten Künsten sehr verschiedene Zwecke erfüllt. Ursprünglich und rein konstruktiv betrachtet ist das G. ein wagerecht fortlaufendes, aus einer senkrechten, im Freien stehenden Wand eines Gebäudes heraustretendes (vor⸗ oder ausladendes) architektonisches Glied, welches den Zweck hat, diese Wand durch Ab⸗ oder überdeckung vor den Einflüssen der Witterung oder vor dem von dem Dache herabfließenden Wasser zu schützen. Es geschieht dies, indem das G. auf seiner untern Seite mit einer scharfen Kante, der Wassernase, versehen ist, welche bewirkt, daß das Wasser, statt längs der Wand herabzulaufen, senkrecht neben der Wand herabtropft. Da ein solches G. stets den obersten Rand der Wand bilden muß, wurde es zugleich Bekrönung der Wand, erhielt dadurch zugleich eine ästhetische Funktion und wurde als solche in mehr oder weniger reicher Weise künstlerisch ausgebildet. Der wichtigste Teil eines G., die hängende Platte (Hängeplatte) wird, schon aus konstruktivem Grunde, noch mit tragenden Gliedern, Wulsten, Zahnschnitten oder Tragsteinen und auch selbst wieder noch mit einem bekrönenden Gliede (Sima oder Rinnleisten) versehen, das, wie am griech. Tempel, ugleich die Wasserrinne aufnimmt. Das in ihr sich dammmeinde Regenwasser vom Dache wird dann durch besondere, in gewissen Entfernungen angebrachte Offnungen abgeleitet. Diese Offnungen wurden im Altertum mit Löwenköpfen, im Mittelalter mit phantastischen Ausguß-Bestien, im Zeitalter der Renaissance mit metallenen Wasserspeiern oder Drachen geschmückt. Die künstlerische Ausbildung der Gesimsgliederungen ist natürlich se verschieden und richtet sich ganz nach dem Stil des Gebäudes. Außer dem Hauptgesim se versah man später auch noch einzelne Teile der Wand mit kleinern G., welche dann, ihrer Stelle entsprechend, Fuß- oder Sockelgesimse als Bekrönung des Sockels, Gurtgesimse in der Höhe der Balkenlage zur Andeutung der Etagenscheidungen, Brüstungsges imse als Bekrönung der Brüstungsmauer, Thür⸗ und Fenstergesimse über Thüren und Fenstern genannt, dementsprechend ausgebildet und selbst im Innern von Gebäuden zur Bekrönung der Zimmerwände, an Möbeln, Kaminen u. s. w. angewendet werden, also auch an Stellen, wo kein Wasserabfluß stattfindet. Die G. dienen zuletzt vielfach nur dekorativ zur Teilung und Gliederung größerer Flächen. Wenn ein G. um Vorsprünge der Mauer herumgeführt wird, so nennt man die dadurch entstandene Brechung der geraden Linie im G. eine Verkröpfung desselben. In der Regel laufen die G. wagerecht oder (am Giebel) aufsteigend, doch immer in geraden Linien fort. Im Zeitalter des Barock- und Rokokostils dagegen wurden auch G. in geschwungenen Linien angewendet und mit häufigen Verkröpfungen versehen. Die Verwendung der G. im ganzen, die richtige Gliederung oder Proflierung (der Querschnitt des G. — t sein Profil) desselben mit Rücksicht auf schöne nis zueinander und zum ganzen Gebäude sind von wesentlichem Einfluß auf Material fur die Wirtung der Architektur. Das Material für die G. ist meist dasselbe, aus welchem die Fagade, deren integrierender Teil sie sind. besteht. Doch kommen auch oft massive Hausfagaden mit hölzernen G. vor, die dann gewöhnlich sehr weit vortreten. Bei den Holzhäusern des sog. Schweizerstils wird das Hauptgesims durch die weit vortretenden Sparren (Sparrensims) gebildet, die verschiedenartig ausgeschweift und mit Zierbrettern u. dgl. verkleidet sind. Bei einfachern Gebäuden werden die G. oft nur vorgemauert und mittels einer Schablone in Mörtel, Gips, Cement u. dgl. gezogen.