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HeilkundeBrockhaus 1882

Galle (bilis, fel) heißt die von der Leber zubereitete Absonderungsflüssigkeit, welche durch einen besondern Ausführungsgang in den Darm abfließt und sich hier dem Speisebrei beimischt. Die G. ist eine neutrale oder schwach alkalische, dunkelgelbe oder (bei pflanzenfressenden Tieren) grüne Flüssigkeit von 1,02s bis 1,032 spezisischem Gewicht und intensiv bitterm Geschmack. Sie wird in den sog. Leberzellen (s. Leber) aus Bestandteilen des die Leber durchströmenden, aus Magen, Darmkanal und Milz stammenden Blutes auf chem. Wege erschen und fließt durch feine, die ganze Leber durchsetzende Kanälchen, die sog. Gallencapillaren, ab, welche sich, ähnlich den Wurzeln eines Baums, durch wiederholte Vereinigung zu einem Hauptmine sammeln, der, von der Dicke einer Raben⸗ „die Leber verläßt und nicht weit vom Magen in den Dünndarm mündet. In diesen sog. Lebergang (duetus hepaticus) mündet ein zweiter kurzer Hang ein, welcher von der Gallenblase (esica fellea) kommt und als Gallenblasengang ductus cysticus) unterschieden wird. Außer der dauungszeit wird die Mündung des Lebergangs in den Darm durch Muskelwirkung geschlossen. Die aus der Leber stetig ausfließende G. kann da3 nicht in den Darm gelangen, staut sich im Leergange an und tritt deshalb durch den Gallenblasengang in die Gallenblase, welche also einen Behälter für die außer der Verdauungszeit abgesonderte G. darstellt. Da die Gallenblase mit einer Schleim absondernden Haut ausgekleidet ist, so mischt sich dieser Schleim der G. bei, und letztere wird dadurch trüb und zähflüssig. Sobald die im Magen halb verdauten Speisen in Form eines Breies in den Darm übertreten, ergießt sich die in der Gallenblase aufgespeicherte G., um sich dem Speisebrei beizumischen. Die wichtigsten Bestandteile der G. sind die Gallensäuren (die stickstoffhaltige Glykocholsäure, sowie die stickstoff⸗ und chwefelhaltige Taurocholsäure, beides gepaarte, an Natron gebundene Säuren, welche vorzugsweise den bittern Geschmack der G. bedingen), mehrere Farbestoffe, insbesondere das aus dem Blutfarbestoff stammende Bilirubin, das durch oxydierende Einflüsse leicht in Biliverdin und Bilifusein no Ribt die Gallenfette, Cholesterin, und verschiedene Mineralsalze, vorzugsweise Chlornatrium und phosphorsaure Salze. Was das Mengenverhältnis dieser Gallenbestandteile anlangt, so fand Gorup-⸗Besanez in der aus der Gallenblase entnommenen G. eines enthaupteten 49jährigen Mannes in 100 Teilen 82,27 Teile Wasser und 17,8 Teile feste Stoffe; von den letztern kamen 10,¾9 Teile auf die gallensauren Alkalien, 4,23 Teile auf Fett und Cholesterin und 2,21 Teile auf Schleim und Farbstoffe; dazu noch 1,s Teile anorganische Salze. Die Absonderung der G. erfolgt beständig und ununterbrochen und ist wahrscheinlich nicht direkt von Nerveneinflüssen abhängig. Die Menge der täglich abgesonderten G. schwankt zwischen 450 und 600 g und ist in hohem Grade von der Nahrung abhängig; sie ist am reichlichsten bei reichlichem Wassertrinken und vorwiegender Fleischkost; wenier reichlich bei vegetabilischer Nahrung, am geringten bei starkem Fettgenuß; außerordentlich vermindert wird sie durch längeres Hungern. Die G. hat die Fähigkeit, sich mit flüssigem Fett innig zu mischen, und wird dadurch das wichtigste Verdauungsmittel für das mit der Nahrung genossene Fett. Dasselbe vermag, wenn es mit G. innig gemischt ist, als seifenartige Lösung leicht auf dem Wege der Endosmose die feuchte Schleimhaut des Darms zu Die Wirkung und so ins Blut zu gelangen. Durch die Wirkung der G. wird überhaupt erst die Resorption der Fette mechanisch ermöglicht, wie man sehr leicht an zwei Papierfiltern nachweisen kann, von denen man das eine mit Wasser, das andere mit G. tränkt; das erstere ist für Ol ganz undurchgängig, während das zweite dem Ol den ufuhr zum Darm bedingt deshalb mangelhafte Fettaufnahme ins Blut, woraus wieder ein schlechter nrgehten Szustand des Organismus überhaupt hervorgeht. Außerdem hemmt die G. die faulige Zersetzung des Darminhalts, wenn sie dieselbe auch nicht ganz verhindern kann. Wenn der Abfluß der G. aus der Leber in den Darm durch Schwellung oder Verschließung des Gallengangs erschwert oder ganz gehindert ist, so tritt die G. in das Blut über und es entsteht die Gelbsucht (s. d.). Beim Erbre⸗ +* tritt leicht G. in reichlicherer Menge in den dagen über und wird dann besonders bei wiederholten Brechanfällen mit ausgebrochen. Das Erbrochene schmeckt dann gallig bitter und bekommt eine grünliche, etele Färbung. Als Heilmittel benutzt man besonders die Ochsengalle in ben Eigenschaft als Bitterstoff.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 479Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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