FeedGallertflechten
PflanzenreichBrockhaus 1882

Gallertflechten nennt man eine Abteilung aus der Gruppe der Flechten, deren Arten sämtlich einen sog. homödmeren Thallus besitzen. (S. Flechten.) Die Form desselben ist teils laub⸗, teils strauchartig, in einigen Fällen auch krustenartig. In trockenem Zustande ist der Thallus schwärzlich und ziemlich hart, mit Wasser benetzt wird er dagegen stets gallertig und nimmt gewöhnlich eine olivengrüne Farbe an. Die Gonidien der G. gehören den Algenfamilien der Nostochineen, Rivulariaceen, Scytonemeen und Sirosiphoneen an. Bei den meisten G., z. B. bei den Gattungen Collema, Ephebe sind die Nostoc⸗, beziehungsweise Sirosiphonfäden fast vollständig intakt, der parasitische Pilz ist nur in die gallertige Kolonie von Nostoc⸗ oder zwischen die einzelnen Zellen der Sirosiphonfäden hineingewachsen. Dies t auch der Grund, weshalb gerade die G. darauf inleiteten, daß die Flechten überhaupt nicht als elbständige Pflanzen, sondern als Pilze, die auf llgen schmarotzten, anzusehen seien. Die Neubilung von Flechten bei künstlicher Aussagt von Sporen des Pilzes auf die dazugehörige Alge ist dei einer G. aus der Gattung Collema zuerst geungen und damit der beste Beweis für das Zuammenleben von Pilz und Alge geliefert worden. Die Apothecien der G. unterscheiden sich nicht weentlich von jenen der übrigen Flechten, nur zeht der Apothecienentwickelung den Stechten ein exueller Akt voraus, was bei den Flechten mit heteromenem Thallus nicht der Fall zu sein scheint. S. Flechten.) Die G. umfassen verhältnismäßig wenige Gatdungen, die man gewöhnlich in zwei größere Grupden, in die der Collemaceen und Byssaceen einteilt. Die erstern haben einen laub- oder strauchartigen, oder auch krustigen Thallus und sind im feuchten Zustande stark gallertartig aufgequollen, während die Byssaceen feine fadenartige Geflechte bilden, da sie aus Algenfäden bestehen, die von Pilzhyphen durchzogen sind; im feuchten Zustande quellen sie nur wenig auf. Die meisten G. gehören der gemäßigten Zone, nur wenige den Tropengegenden an. Sie kommen vorzugsweise an Kalkfelsen vor und sind in Gebirgsgegenden häufiger als in der Ebene; einige wachsen auf dem Erdboden gewöhnlich zwischen Moosen; an Baumstämmen und altem Holze finden sich nur wenige Arten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 485Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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