FeedGalli hießen
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Galli hießen, ——½ nach einem Flüßchen Gallus bei Pessinus in Phrygien, die verschnittenen Priester der Göttin Kybele (s. Cybele), welche sich zu Ehren dieser und des Attis (s. d.) selbst verstümmelten. Mit dem orgiastischen Kulte der Kybele und des Attis verbreiteten sich auch die kleinasiat. Gallen über die antike Welt und kamen so namentlich auch nach Rom, wo sie schon 204 v. Chr. in dem aus Pessinus eingeführten Staatskult der Kybele als der großen Mutter vom Ida (Magna Mater Idaea) eine zunächst allerdings noch untergeordnete Stelle fanden. Seit den letzten Zeiten der Republik aber, wo der ganze fanatische Kultus der Kybele immer mehr um sich griff und (seit dem Kaiser Claudius) im März ein Fest mit allen orgiastischen Bräuchen des Orients begangen wurde, traten die G. im röm. Leben immer mehr hervor. Namentlich der 24. März, der Tag des Blutes (Dies Sanguinis) war es, wo die Trauer um den der Sage nach gestorbenen Attis aufs höchste getrieben wurde und die G., den Archigallus an der Spitze, rasten, sich verwundeten, verstümmelten, brannten und oft darüber starben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 486Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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