Galvanoplastik heißt ein Verfahren, die Metalle aus ihren wässerigen Lösungen durch den galvanischen Strom in kohärentem, regulinischem Zustande abzuscheiden, und zwar in der besondern Absicht, entweder um Gegenstände der Ornamentik, Plaftit u. dgl. dadurch zugleich massiv darzustellen und beliebig zu vervielfältigen, oder um bereits fertige Metallwaren mit einem dünnen überzuge eines andern Metalls zu versehen, wodurch erstern der äußere Schein des Überzugs oder auch dessen ganzes Verhalten im Gebrauch und in der Anwendung erteilt werden kann. Im letztern Falle umfaßt die G. die galvanische Vergoldung, Versilberung, Vernickelung u. dgl. m. und heißt speziell Galvanostegie. Als weiterer Zweig der G. ist zu nennen die Galvanochromie oder die Galvanische Färbung der Metalle (s. d.) Die G. ist eine Wissenschaft und eine Kunst. Ersteres insofern, als ein Verständnis des Vorgangs wie sachgemäße Anordnung und ein Fortschreiten überhaupt nur bei Kenntnis und richtiger Anwendung der Lehren der Elektricität und der Chemie möglich ist. Sie ist aber auch eine Kunst, indem zu ihrer Ausübung eine Reihe von Fertigkeiten und Manipulationen erforderlich sind, die sich nur durch wiederholtes Probieren des Praktikers ausfindig machen lassen, um den Erfolg in jeder Weise zu sichern. Die G. wurde durch den deutschen Physiker Jakobi in Petersburg 1837 erfunden, jedoch erst 1838 veröffentlicht, indem er zuerst konstatierte, daß der am negativen Pol einer Daniellschen Batterie entstehende Kupferniederschlag beim Ablösen einen genauen Abdruck der Oberfläche des Pols bildete. Es bedurfte nur weniger Jahre, um den größern Teil der Anwendungen, deren die Jakobische Beobachtung ähig war, ausfindig zu machen, insbesondere wurde in England die neue Kunst äußerst populär. Im Herbst 1840 etablierte bereits Elkington in Birmingham seine große, heute noch blühende Anstalt zur galvanischen Versilberung. Seitdem sind in vielen Städten Fabriken für G. entstanden, welche sich nicht nur mit der Galvanostegie beschäftigen, sondern auch Beträchtliches im Kunstgewerbe und im Nachbilden von Kunstwerken leisten. Allgemein bekannt sind die galvanoplastischen Erzeugnisse von Christofle in Paris. Das Prinzip der G. beruht zunächst auf einem Gesetze der 1 (s. d.), nach welchem aus jeder Lösung eines Sauerstoffsalzes durch den galvanischen Strom an der Kathode das Metall, an der Anode dagegen die Säure und Sauerstoff ausgeschieden wird. In solcher Weise scheidet auch im geschlossenen Daniellschen Element durch den galvanischen Strom aus dem Kupfersulfat (Kupfervitriol) chemisch reines Kupfer an der Kathode aus, und setzt sich an letztere in kohärenter Form an. Hat man Laus vorher die Kathode metallisch mit einem galvanoplastisch nachzubildenden Gegenstande, z. B. mit einer Münze, Medaille, radierten Metallplatte u. dgl. verbunden, so erfolgt der zusammenhängende Kupferniederschlag auf das plastisch abzunehmende Objekt. Jener Kupferüberzug, wenn er nach einiger Zeit genügend dick geworden ist, läßt sich von dem Original ablösen. Zu diesem Behufe wird letzteres mit einer Spur feinen Ols oder mit feinstem Bronzepulver bedeckt. Hat das Original irgendein geprägtes Wort, eine erhabene gestochene Zeichnung enthalten, so findet man dieselben aufs getreueste bis zum feinsten Striche auf der abgenommenen Kupferplatte wieder, aber mit vertieften Strichen (negativer Abdruck). Ersetzt man nun das Original durch diese Kopie, so erhält man nach einiger Zeit wieder eine Kupferplatte, bei der das Wort, die Zeichnung u. s. w. erhaben erscheint, und die genau jener auf der ursprünglichen Platte gleich ist (positive Kopie). Um auf eine einfache Art einen positiven Abdruck zu erhalten, der die Erhabenheiten und Vertiefungen des Originals sogleich als solche genau wiedergibt, nimmt man von dem Original einen Abdruck mittels einer Mischung aus Wachs und Stearin, Hartgummi, Guttapercha u. dgl. Diesen Abdruck macht man durch Bepinseln mit feinstem Graphit⸗ oder Metallpulver gut leitend, und verbindet ihn metallisch mit der negativen Elektrode; man erhält dann an dieser negativen Kopie eine positive Kopie, welche dem Original in allen Stücken der Plastik genau gleich ist. Die Apparate zur G. findet man von mannigfaltigster Konstruktion. Die einfachern Apparate sind im wesentlichen modifizierte Daniellsche Elemente, bei welchen der abzubildende Gegenstand an der negativen Elektrode leitend befestigt ist. Bei den zusammengesetztern Apparaten (s. nachstehende Figur) tauchen die Pole eines konstanten Elements oder einer konstanten Batterie in eineisolierte Kupfersulfatlösung. Am negativen Pole werden sodann mittels des Metallstabes B die galvanoplastisch abzunehmenden Gegenstände leitend befestigt. Die Nachsättigung der Kupfersulfatlösung erfolgt dadurch, daß die positive Elektrode am Metallstab D eine Kupferplatte C trägt, von welcher gerade so viel Kupfer in die Kupfersulfatlösung übergeht, als an der negativen Elektrode B abgeschieden wird. Auf ähnliche Weise kann man Gegenstände mittels geeigneter Metallsalzlösungen galvanisch vergolden, versilbern, verplatinieren, vernickeln u. s. w. Die großen Vorzüge der G. bestehen darin, daß sie es ermöglicht, ohne Feuer zu arbeiten, und zwar mit Benutzung von Lösungen, daß die niedergeschlagenen Metalle absolut genaue Abdrücke der Formen geben und in jeder beliebigen Stärke gefällt werden können, daß der Prozeß jeden Augenblick unterbrochen und wiederhergestellt werden kann, und daß endlich verschiedenartige Metalle vollkommen miteinander verbunden werden können. Als Elektricitätsquelle lassen sich die meisten der konstanten galvanischen Elemente und der aus solchen gebildeten galvanischen Batterien verwenden; häufig gebraucht wird die Bunsensche und die Daniellsche Batterie, letztere in der Meidingerschen Modifikation; dann auch in neuerer Zeit die Thermosäulen von Noê, Clamond, Koch u. a. m. In großen galvanoplastischen Anstalten, in welchen in der Regel Maschinenkraft verfügbar ist, bedient man sich auch in neuerer Zeit mit Vorliebe zur Entwickelung der Elektricität magnetelektrischer und dynamoelektrischer Maschinen, namentlich der von Gramme, Siemens u. Halske (von Heffner-Altenech), Fein, Schuckert u. dgl. m. Die Herstellung monumentaler Figuren als galvanischer Niederschlag von Kupfer ist eine Hauptaufgabe der G. (das größte derartige Werk im Deutschen Reiche sind die drei großen Figuren des Gutenberg-Monuments in Frankfurt a. M.). Weitere Anwendungen der G. sind die Herstellung der Kopien von Münzen und Medaillen, die Anfertigung von kleinen Figuren, Lampenträgern aus den Kunstgewerben zur Ausschmückung der Salons, die früher in Bronze „oder Zink gegossen werden mußten; die Massenfabrikation von Knöpfen, Uhrenschildern, Decken für Portefeuillewaren; die Herstellung von Kupferplatten für den Kupferstecher und die Kopien gestochener Kupferplatten und Holzschnitte (Kupfercliches oder Galvanos), um die Originale zu eschonen. Hierher gehört auch die Herstellung von galvanischen Kovien des Letternsatzes, d. i. härtern Stereotypplatten für den Buchdruck, als sie durch Guß aus Letternmetall zu erzielen sind (s. Stereotypie). Die Herstellung von Druckplatten auf galvanographischem Wege (s. Galvanographie) ist ebenfalls eine wichtige Anwendung der G. Während es sich bei diesen Anwendungen um Erzeugung massiver Kupferniederschläge handelt, ist eine andere, überaus bedeutungsvolle Hauptauwendung der G. das Hervorrufen dünner Niederschläge als überzug auf andern Metallen. Hierher gehören 1) die Vergoldung und Versilberung von Löffeln, Gabeln, Messern, Kannen, Tafelaufsätzen, Lampenfüßen, Eiskühlern u. s. w. aus Kupfer, Tombak, Messing, Neusilber und Britanniametall; 2) das Verstählen gravierter Kupferplatten, um dieselben gegen das Abnutzen beim Drucken zu schützen, wodurch die Zahl gleich guter Abdrücke ba3 ins Unbegrenzte vermehrt werden kann: 3) das Verkupfern und Bronzieren von Eisen und Zink behufs Herstellung einer künstlichen Bronze und zum Schutze gegen atmosphärische Einflüsse, als Beispiel sei angeführt die Oudrysche Verkupferung, mit welcher seit einigen Jahren alle pariser Straßenlaternen versehen sind; 4) das Vernickeln von Werkzeugen und Gerätschaften aus Schmiedeeisen und Gußeisen zum Schutz gegen Rosten, ferner von Bronze und Messing, um den aus diesen Legierungen hergestellten Objekten ein schöneres, silberähnliches Ansehen zu geben. In histor. Beziehung ist noch zu bemerken, daß Spencer fast gleichzeitig und unabhängig von Jakobi auf die Erfindung der G. gekommen zu soin scheint; letzterer behauptete jedoch auf Grund seiner Publikationen das Recht des ersten Erfinders. Gewisse ägypt. Altertümer lassen schließen, daß die Agypter ein galvanoplastisches Verfahren gekannt haben, welches jedoch verloren ging. Aus der Litteratur über G. sind hervorzuheben: Jakobi, Die G.v (Petersb. 1840); A. Smee, „Elemente der Elektrometallurgier (nach dem Englischen von Kühn Lpz. 1851); W. Harpes, Die G.v (Karlsr. 1855); Martin,«Repertorium der G.»(Wien 1856); Walker, «Die G.o (nach dem Englischen von L. Thiele, Gotha 1864); von Kreß, 4G. für industriellen und künstlerischen Zweck (Frankf. 1867); J. Napier, Manual of Elektro-Metallurgys (Lond. 1876); A. Roseleur, Handbuch der G.h (deutsch bearbeitet von G. Kaselowsky, Stuttg. 1882), und die Ausstellungsberichte über die Industrieausstellung in Paris (1867), Wien (1873) und Philadelphia (1876), insbesondere den Bericht von H. Meidinger über G. in dem amtlichen wiener Ausstellungsberichte (Bd. 3, Braunschw. 1874); W. Pfanhauser, „Das Galvanisieren von Metallenv (2. Aufl., Wien 1881); Seelhorst, „Katechismus der G.v(Lpz. 1879); Weiß, «Galvanoplastiko (Wien 1883); E. Japing, «Die Elektrolyse, G. und Reinmetallgewinnung (Wien 1883).