FeedGanomatit
NaturlehreBrockhaus 1882

Ganomatit oder Gänsekötigerz ist ein zu Andreasberg, Joachimsthal, Schemnitz und Allemont im Dauphiné vorkommendes fett⸗ und glasglänzendes Mineral, welches gelblichgrüne, auch rote und braune Farbe besitzt und dünne nierenförmige überzüge über Arsen, Rotgültigerz, Bleiglanz u. s. w. bildet; es enthält Arsensäure, Eisenoxryd, Antimonsäure und Wasser und ist offenbar ein sekundäres Zersetzungsprodukt wie die Arseneisensinter, denen es sehr nahe steht. Gaus (Anser) ist der Näme einer zu den siebschnäbeligen Schwimmvögeln (Lamellixostres) gehörenden bekannten Vögelgattung, welche sich durch mäßig langen Hals, mittelgroße, mehr in der Mitte des Körpers stehende Beine, einen harten Knollen oder Sporn am Flügelbuge, an der Wurzel sehr hohen, in einen scharfschneidigen Nagel vorn ausgezogenen Schnabel, ovale, weit nach vorn gestellte Nasenlöcher und unvollkommene, als stumpfe konische Zähne vortretende Plättchen der Schnabelränder unterscheidet. Die Dunen unter den Deckfedern sind sehr entwickelt. Sie nähren sich von Pflanzen und gründeln, wie Enten und Schwäne. Die Graugans (A. einereus), welche im mittlern und nördl. Europa im Sommer zu den gewöhnlichern Vögeln gehört, ist die Stammart, von welcher unsere zahme Hausgans durch Zucht entstanden ist. Sie ist obenher grau, mit braunem, grau gewässertem Rücken, unten weißlich, Schnabel und Füße sind gelbrot und die Flügel kürzer als der Schwanz. Im ersten Frühjahr, oft schon im Februar, wandert sie nach Norden, wo sie brütet. Sie besucht AÄcker und Triften und ist schlanker, lebhafter und listiger als die zahme G. Die letztere ist größer und meist weiß; sie bildet einen Bestandteil einer jeden Landwirtschaft und wird hauptsächlich ihrer Federn und ihres Fleisches wegen gehalten und meist in besonders dazu eingerichteten Käfigen gemästet. Namentlich im Elsaß erzielt man durch eine eigentümliche, auf Dunkelheit und möglichste Entziehung von Getränk begründete Mast außerordentlich große Gänselebern, welche teils an sich, teils zu Pasteten u. dgl. verarbeitet, einen namhaften Handelsartikel bilden. In Pommern dagegen wird die Zucht auf die Vermehrung des Muskelfleisches gerichtet, um die beliebten Gänsebrüste zu erzeugen. Bei der Saatgans (A. segetum), welche kleiner ist, sind die Schnabelspitze und Wurzel schwarz gefärbt und die Flügel länger als der Schwanz. Sie richtet zuweilen nicht unbedeutenden Schaden auf den Feldern an, indem sie besonders die keimenden Hülsengewächse verzehrt und soweit möglich auch die Kör-Die Schneegans (A. hyperboreus), welche die arktischen Breiten beider Hemisphären bewohnt, hat orangefarbene Füße und Schnabel und ist bis auf die schwarze Flügelspitze weiß. Ihr Fleisch ist sehr wohlschmeckend. Die Ringelgans oder Bernakelgans (K&. Bernicla), gleichfalls ein Be-Jahrh. des Nordens, sollte, wie man seit dem 14. Jahrh. fabelte, nicht aus Eiern entstehen, sondern als junger Vogel aus den platzenden Knospen eines weidenähnlichen Baums hervorkommen, der am Strande nordischer Länder, besonders auf der Insel Pomona wüchse. Auf die Märkte nordamerik. Küstenstädte wird sie zu Tausenden gebracht, soll jedoch nur ein mittelmäßig schmackhaftes Fleisch besitzen. In unsern Parks wird nicht selten die ägyptische G. oder Nilgans (A. Chenalopex Aegyptiacus) gehalten, welche aber über ganz Afrika verbreitet ist und sich durch die schlanke Gestalt, die hohen Beine und schöne Färbung vor den übrigen Gänsen auszeichnet. Die canadische oder Schwanengans Cygnopsis Canadensis), welche in Nordamerika in ungeheuern Scharen angetroffen wird und durch ihren langen Schwanenhals sich auszeichnet, ziehen die Landleute der Vereinigten Staaten der zahmen europäischen G. als Haustier vor, weil sie bei nicht minder großer Neigung zum Fettwerden und ebenso schmackhaftem, saftigem Fleische weit fruchtbarer ist. Die Bewohner um die Hudsonsbai suchen diese Gänse in größter Menge zu erlegen, welche man ur Aufbewahrung bloß gefrieren läßt, oder, wenn sie vor Eintritt der Kälte erlegt worden, einsalzt. Gegenwärtig züchtet man in den Tiergärten außer der afrikanischen, mit einem Sporn an den Flügeln bewaffneten Sporengans (A. Plectropterus gambensis) auch viel die australische Hühnergans (Cereopsis novae Hollandiae), welche sich durch die auffallende Hühnergestalt und den kurzen und dicken, bis zur schwarzen Spitze mit gelber Wachshaut bekleideten Schnabel vor allen andern Gänsen auszeichnet. Sie bedarf nur wenig Wasser und soll ein vortreffliches Fleisch besitzen, verdient aber, Bagun t wegen, kaum ökonomische Persephone und dem Priapus, in Rom der Juno heilig, und es wurden deren in dem Tempel dieser Göttin auf dem Kapitol unterhalten. Diese Gänse des Kapitols hielt man besonders seit dem Einfalle der Gallier in Ehren, bei dem sie durch ihr Geschrei die Besatzung des Kapitols geweckt haben sollen. Die Gans als Haustier. Die Hausgans stammt unzweifelhaft von der Wild⸗, Grau- oder Märzgans (Anser cinereus) ab. Sie hat es in der Domestikation zu einem bedeutenden Körperumfang und Gewicht gebracht. Die Cierproduktion ist bei der G. keine größere, als zur Aufzucht erforderlich ist. Die Erzeugnisse aus der Gänsezucht sind Fleisch, Fett (ein delikates Schmalz) und Federn (Dunen). Der Gänsekiel, der lahrhundertelang als Schreibfeder gedient, hat größtenteils der Stahlfeder weichen müssen. Bezüglich beider genannten Nutzungszwecke hat die Hab⸗ und Selbstsucht des Menschen sich Grausamkeiten gegen die G. zu Schulden kommen lassen durch unnatürliches Mastverfahren und durch zu häufiges und unmäßiges Rupfen. Durch gewaltsame Einführung der Nahrungsmittel durch die Hand oder was noch verwerflicher, durch die Maschine und durch Beraübung jeglicher Bewegung wird die G. in einen krankhaften Zustand versetzt, und durch zu häufiges und scharfes Rupfen wird mehr an der sonstigen Entwickelung verloren, als was etwa an Federn gewonnen wird. Durch künstliche Mast ist die unnatürlich große Leber erzeugt, welche zur Bereitung der Gänseleberpastete benutzt wird. Namentlich in den Monaten Oktober, November und Dezember bildet der in verschiedenen Formen bereitete Gänsebraten ein beliebtes Gericht. Zu diesem Zweck wird die G. verwendet, wie sie von der Weide kommt (Stoppelgans). Nebenher wird die wirklich gemästete G. an den Markt gebracht. Ein vorzuglicher Artikel der Delikatessenhandlungen ist die geräucherte Gänsebrust. REt Als besonders schwer gilt die Tou louser Gans. Sie hat ein außerordentlich gedrungenes und massiges Aussehen. In Wrights XIIlustrated Book of Poultrys berichtet Mrs. Seamons über ein Exemplar, das 36 Pfd. gewogen. Das Gefieder derselben ist grau, der Hals ist dunkel⸗, Rücken, Flügel, Brust und Unterleib sind hellgrau. Nach dem After zu läuft das Grau in Weiß aus. Die Füße sind tief orangefarben. Der Schnabel ist bräunlich fleischfarben. Sie gilt als gute Legerin, aber als schlechte Brüterin, weshalb Züchter dieser Rasse die Eier durch Cochinhennen oder Truthühner öfter ausbrüten lassen. Die Emdener Gans ist weiß und blauäugig, sie hat einen tief orangefarbenen Schnabel und orangefarbene Füße. Es erscheint diese Rasse schlanker und gestreckter als die erstere, sie erreicht aber gleichfalls ein großes Gewicht. Sehr geschätzt sind die Federn derselben. Gerühmt wird ferner die Pommersche Gans, die meistens weißes Gefieder mit einigen grauen Flecken hat. Doch steht die sog. Deutsche Landgans in verschiedenen Gegenden den genannten Schlägen an Vorzüglichkeit und Größe nicht nach, wie die Geflügelausstellungen der neuesten Zeit beweisen. Gänsezucht. Die G. pflegt meistens im Februar mit dem Legen zu beginnen. Die Zahl der Eier beträgt je nach dem Alter und dem Individuum 10 bis 30. Die Brütezeit ist 28 bis 30 Tage. Ausnahmsweise nur brütet eine G. mehr als einmal im Jahre. Die Aufzucht der G. gelingt leicht. Nur in der ersten Zeit bedürfen die kleinen Gänslinge, da sie meistens schon bei kaltem Wetter in die Welt gesetzt werden, einiger Sorgfalt. Die Hauptnahrung der Gänse ist Gras; sie bedürfen der Weide und somit auch des Hirten. Die strengern Schulgesetze haben der Landwirtschaft die Knaben, die zu Hirten verwandt wurden, meistens genommen; es sind somit wegen der Hütung andere Wege einzuschlagen. Die Gänsezucht wird, da die G. auch da noch Nahrung findet und verwertet, wo sie für Vierfüßler nicht mehr vorhanden und in den ausgefallenen Körnern der Felder schon eine gute Mast hat, immer vorteilhaft bleiben. Die G. wird daher auf landwirtschaftlichen Höfen und deren Gewässern, zu deren Belebung sie viel beiträgt, niemals fehlen. Für die Bratgans reicht die Stoppelmast aus; es erfolgt dann die eigentliche Mast. Zu diesem Behufe werden die Gänse in einen ruhigen, nicht zu hellen Stall gebracht, dessen Einstreu genügend oft erneuert werden muß. Das Mastfutter besteht abwechselnd aus Hafer, Gerste, Buchweizen, auch Weizen, Mais und Erbsen in ganzen Körnern und geschrotet, roh und gekocht. Als Beigabe werden gehackte gelbe Wurzeln und Rüben gereicht. Frisches Wasser muß stets in zweckmäßigen Behältern den Tieren zugänglich sein. Die Mast dauert gegen sechs Wochen. Ein Gewicht von 18 bis 24 Pfd. und mehr muß dann erreicht sein. Die Wildgans lebt in Monogamie; im domestizierten Zustande werden einem Gänserich 5 bis 10 Gänse Wriabt Die Hausgans erreicht ein hohes Alter, Wright berichtet, daß Gänse bis über 40Jahre gleichmäßig fruchtbar blieben. Ein Züchter in Angeln (Schleswig-Holstein) besaß eine G., welche 1863 zum ersten mal gebrütet, und bis 1883 insgesamt 220 Nachkommen großgezogen hatte. In neuester Zeit hat sich die Chinesische Gans, auch Schwanen- oder Höckergans genannt (Anser cyguoides), bei den Züchtern große Beliebtheit erworben; sie wird auf Ausstellungen viel gesehen und wegen ihres wirtschaftlichen Wertes gerühmt. Auch werden neuerdings dorthin die Cana dagans und die Sewastopolgans gebracht, von welchen letztere sich durch ein gekräuseltes Gefieder, ähnlich dem der Strupphühner, auszeichnet. (Hierzu Abbildungen auf Tafel: Geflügelzucht, Fig. 1, 2, 8, 9, 10.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 526Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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